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· Fachbeitrag · Weiterbildung

Betriebswirtin für Management im Gesundheitswesen

von Katharina Münster, Medienbüro Medizin (MbMed), Hamburg

| Bei der staatlich anerkannten Aufstiegsfortbildung zur „Betriebswirtin für Management im Gesundheitswesen“ lernen MFA, eigenverantwortlich Führungs- und Managementaufgaben zu übernehmen. Die MFA können nach erfolgreicher Prüfung die betriebswirtschaftlichen Ziele der Praxis in enger Zusammenarbeit mit dem Arzt verwirklichen. |

Betriebswirtschaft wird in Arztpraxen immer wichtiger

Wirtschaftliche Veränderungen und der demografische Wandel führen dazu, dass die Einnahmen von Praxen sinken, während die Ausgaben steigen. Medizinische Versorgungszentren (MVZ), Gemeinschaftspraxen, Praxisgemeinschaften oder auch Ärztehäuser entstehen zunehmend auch aus betriebswirtschaftlichen Gründen. Aufgrund dieser neuen Gegebenheiten, wird eine professionelle betriebswirtschaftliche Leitung der Praxis immer bedeutender. Dabei geht es um die Bereiche Qualitätsmanagement, Kostenregulierung, Organisation sowie Personalmanagement. Diese Aufgaben kann in einer Praxis eine MFA übernehmen, die sich zur Betriebswirtin für Management im Gesundheitswesen fortgebildet hat.

Aufstiegschancen für MFA

Das Weiterbildungsangebot für MFA eröffnet neue Karrieremöglichkeiten. In der Praxis können sie eine ganz neue Rolle einnehmen, indem sie den gesamten betriebswirtschaftlichen Ablauf organisieren und Mitarbeiter führen. Nach erfolgreichem Abschluss erlangen die MFA zudem eine Hochschulberechtigung und sie können ein Studium der Betriebswirtschaft, der Pädagogik oder des Gesundheits- und Sozialmanagements aufnehmen.

Voraussetzungen, Umfang und Prüfungen

MFA, ZFA oder TFA, die einen dreijährigen bundes- oder landesrechtlich geregelten Ausbildungsberuf erfolgreich abgeschlossen haben und über mindestens zwei Jahre Berufserfahrung verfügen, können an der Weiterbildung „Betriebswirtin für Management im Gesundheitswesen“ teilnehmen. Das Gleiche gilt für Angestellte im Gesundheitswesen, die über eine mindestens sechsjährige Berufserfahrung verfügen.

 

Insgesamt erstreckt sich die Weiterbildung über bis zu zwei Jahre und wird von den Ärztekammern Schleswig-Holstein und Hamburg sowie der Zahnärztekammer Westfalen-Lippe angeboten. Zu jedem einzelnen Modul legen die Teilnehmer eine Prüfung ab, die Prüfungen gliedern sich wie folgt:

 

  • Schriftliche Prüfung: In jedem Kompetenzfeld werden praxisbezogene Aufgaben mit einer Dauer von höchstens 180 Minuten bearbeitet.

 

  • Mündliche Ergänzungsprüfung: Hat eine Teilnehmerin in einem Fach eine mangelhafte Note, kann sie zusätzlich eine mündliche Prüfung von 30 Minuten ablegen und so das Modul bestehen.

 

  • Projektarbeit: Die Teilnehmerinnen fertigen über zwei Monate eine Hausarbeit zu einer Problemstellung in der eigenen Praxis an.

 

  • Präsentation und Fachgespräch: In einer 60-minütigen Präsentation der Projektarbeit sollen die Teilnehmerinnen die erlernten zielgruppengerechten Kommunikations- und Moderationstechniken anwenden.

 

Die Teilnahmegebühr beträgt 3.490 Euro, plus 300 Euro Prüfungsgebühr. Interessenten können allerdings die Aufstiegsfortbildungsförderung (Meister-BAföG, www.meister-bafoeg.info) sowie in Schleswig-Holstein die Bildungsfreistellung nach dem Bildungsfreistellungs- und Qualifizierungsgesetz (BFQG) in Anspruch nehmen (für weitere Informationen einfach „BFQG“ in der Suche auf www.schleswig-holstein.de eingeben).

Module der Weiterbildung

Die Weiterbildung umfasst sechs Module mit insgesamt 800 Stunden. Darin enthalten sind 160 Stunden, die von einem Praktikum sowie einer Projektarbeit ausgefüllt werden. Das erste Modul müssen alle MFA zu Beginn absolvieren - Module zwei bis sechs können in beliebigem Ablauf folgen.

 

Modul 1: Planung und Kommunikation (100 Stunden)

Dieses Themengebiet dient zunächst einmal dazu, alle Teilnehmerinnen auf ein gleiches Anfangsniveau zu bringen. Zudem lernen die MFA, Projekte und Prozesse zu analysieren und zu planen. Dabei bereiten sie betriebswirtschaftliche Daten auf, setzen Moderations- und Präsentationstechniken ein, erstellen Dokumentationen, Statistiken, Tabellen und Diagramme und erlernen verschiedene Vortrags- und Redetechniken.

 

Modul 2: Informations- und Kommunikationstechnologien (100 Stunden)

In diesem Modul werden MFA geschult, Hard- und Software-Lösungen auszuwählen, diese zu steuern und zu überwachen. Dabei ist es entscheidend, dass die MFA wissen, welche Systeme die Praxis wirklich benötigt, beispielsweise Patienten- und Arzneimitteldatenbanken sowie Abrechnungssysteme. Weiterhin sollen die MFA Datensicherungskonzepte erstellen und die Besonderheiten des Datenschutzes im Gesundheitswesen kennenlernen. All diese Maßnahmen müssen sich immer den betrieblichen Erfordernissen anpassen - dies zu berücksichtigen ist ebenfalls Aufgabe der MFA.

 

Im Bereich Intranet, Internet und Telematik lernen die MFA, die technischen Geräte, das Internet und die relevante Software für ihre Arbeit zu nutzen. Darunter fallen beispielsweise E-Mailprogramme, interne Netze, die nur Informationen innerhalb der Praxis austauschen, sowie Telefonanlagen. Dadurch sollen die Betriebsabläufe optimiert und die Kommunikation zwischen den einzelnen Playern im Gesundheitswesen verbessert werden. Zudem eignen sich die MFA Kenntnisse zu Dokumentations- und Archivierungssystemen an. Am Ende dieses Moduls sind sie in der Lage, alle kommunikativen Prozesse zu planen und zu organisieren.

 

Modul 3: Qualitäts- und Projektmanagement (120 Stunden)

In Modul 3 erlernen die MFA, betriebswirtschaftliches Qualitätsmanagement (QM) umzusetzen. Mithilfe relevanter Methoden sollen qualitative Ziele erreicht werden. Dazu gehört auch, Mitarbeiter für die Qualitätssicherung im Betrieb zu sensibilisieren. Weiterhin müssen die MFA darauf achten, die Qualität und Wirtschaftlichkeit der Praxis immer weiter zu entwickeln und zu optimieren.

 

Mithilfe der Inhalte zum Thema Projektmanagement lernen die MFA, Projekte zu planen, zu organisieren, zu koordinieren und zu überwachen. Darunter fällt beispielsweise, einen Ressourcenrahmen festzulegen, den Aufwand einzuschätzen, die Kosten zu planen und die Risiken zu analysieren. Weiterhin leiten die ausgebildeten Betriebswirtinnen das Projektteam, delegieren Aufgaben und evaluieren schließlich das abgeschlossene Projekt. Sie übernehmen so das gesamte Projektmanagement, zu dem auch gehört, die Konzepte auf ihre Effizienz zu überprüfen.

 

Modul 4: Personal- und Ausbildungsmanagement (120 Stunden)

In diesem Abschnitt werden die MFA geschult, alle Abläufe rund um Personalplanung und -entwicklung durchzuführen. Dabei geht es ebenso wie im Ausbildungsmanagement darum, festzustellen, ob Personal benötigt wird, und dieses dann entsprechend auszuwählen. Darunter fällt auch, Mitarbeiter nach ihren Kompetenzen und Interessen richtig einzusetzen, aber ebenso, diese zu führen. Weiterhin müssen die Betriebswirtinnen die Angestellten motivieren und so die Leistung im Team steigern - was sich in der Regel positiv auf die betriebswirtschaftliche Ebene auswirkt.

Im Bereich Ausbildungsmanagement lernen die MFA, die Ausbildung der Mitarbeiter zu steuern und zu koordinieren. Dabei müssen sie erkennen, ob weitere Mitarbeiter eingestellt werden müssen und im Zuge dessen passende Arbeitskräfte auswählen und einstellen. Sie schalten Stellenanzeigen und setzen Ausbildungsverträge auf. Die Betriebswirtinnen organisieren und steuern die Ausbildung und beraten die Auszubildenden bei Problemen. Dazu gehört auch, deren berufliche Entwicklungsmöglichkeiten zu erkennen.

 

Modul 5: Betriebswirtschaftliche Praxisführung (100 Stunden)

Nach diesem Modul sind die MFA in der Lage, die Praxis effektiv zu organisieren. Dazu wenden sie unterschiedliche Organisations- und Arbeitstechniken an und sind dafür zuständig, die Mitarbeiter nach betriebswirtschaftlichen Gesichtspunkten einzusetzen. Weiterhin planen die Betriebswirtinnen zusammen mit den Ärzten ein Corporate Identity - die Unternehmensidentität, also die Merkmale, mit denen sich die Praxis von der Konkurrenz abhebt.

 

Marketingkonzepte zu entwickeln und umzusetzen, sind weitere Aufgaben, die die MFA erwarten, wenn sie den Abschluss des Curriculums erlangen. Dabei ist gerade im Gesundheitswesen entscheidend, beispielsweise die rechtlichen Besonderheiten des Heilmittelwerbegesetzes oder des Berufsrechts für Ärzte zu berücksichtigen.

 

Im Bereich Materialwirtschaft und Logistik lernen die MFA, Betriebsmittel (zum Beispiel Büromaterialien oder Arbeitsgeräte) für die Praxis zu beschaffen. Dabei müssen sie immer berücksichtigen, dass die Materialien termingerecht geliefert werden, qualitativ hochwertig, preislich im Rahmen sowie ökologisch einwandfrei sind.

 

Ein weiterer wichtiger Bereich ist das Controlling. Die Betriebswirtinnen analysieren und kontrollieren dabei die wirtschaftlichen Zusammenhänge der Praxis. Dabei steht im Vordergrund, die Wirtschaftlichkeit der Praxis laufend zu optimieren.

 

Modul 6: Betriebliches Rechnungs- und Finanzwesen (100 Stunden)

Stichwort „Buchführung und Kostenrechnung“. Ein wichtiger Punkt in der Betriebswirtschaft sind die Zahlen der Praxis. Diese müssen stimmen. Daher werden die MFA hier geschult, Budget zu verantworten und die Buchführung zu übernehmen, wie beispielsweise Jahresabschlüsse.

 

Auch Investitionsrechnung und Finanzplanung gehören zu der Weiterbildung. Die MFA müssen nach diesem Modul in der Lage sein, Ausgaben zu begründen. Sie entscheiden, wofür Gelder eingeplant und ausgeben werden. Zudem installieren und bedienen sie Kostenrechnungssysteme und beraten die Ärzte in Finanzfragen.

 

Weiterführende Hinweise

  • Fortbildung zur Praxismanagerin - die Chance für Medizinische Fachangestellte („Praxisteam professionell“ - PPA - Nr. 3/2008, S. 10)
  • 1-wöchige Fortbildung zur Praxismanagerin („Praxisteam professionell“ - PPA - Nr. 2/2011, S. 18)
Quelle: Ausgabe 11 / 2011 | Seite 4 | ID 29301000