· Fachbeitrag · Persönlichkeit im Mittelpunkt
Kommunikation mit demenzkranken Menschen
von Bernd Hein, Fachjournalist Gesundheitswesen, Buch am Buchrain
| Im Umgang mit dementen Patienten stößt der zielorientierte Kontakt, den MFA üblicherweise mit Patienten pflegen, schnell an Grenzen. Je nach Krankheitsstadium sind die Patienten oft nicht in der Lage, die Anforderungen zu verstehen, die ihre Umwelt an sie stellt. Gleichzeitig fühlen MFA sich häufig von den eigentümlichen Reaktionen der Erkrankten überfordert. Der englische Psychologe Tom M. Kitwood hat in den 1980er-Jahren ein Modell entwickelt, mit dessen Hilfe sich Verständigungsstrategien für den Umgang mit demenzkranken Menschen entwickeln lassen. |
Den Patienten entlasten, aber nicht ignorieren
Für demente Patienten hat ab einem bestimmten Krankheitsstadium der Realitätsbezug keinerlei Bedeutung mehr. Deshalb müssen für eine zielführende Kommunikation alle wichtigen Absprachen (zum Beispiel über Termine oder Einzelheiten der Therapie) mit Bezugspersonen getroffen werden, die sich um den Erkrankten kümmern. Trotzdem ist eine tragfähige Beziehung auch zu dem Betroffenen selbst wichtig. Daraus entsteht Vertrauen. Die zugewandte Haltung verhindert auch, den Erkrankten zu überlasten und in die Defensive zu treiben, aus der er meist mit erheblicher Aggression agiert.
Zustand des Erkrankten nachempfinden
Für gesunde Menschen ist es sehr schwer, zu verstehen, wie Demenz die Weltsicht des Erkrankten verändert. Für die Arbeit in einer Praxis, die demente Menschen betreut, kann es hilfreich sein, wenn Sie versuchen zu verstehen, wie die schrittweise Abkehr von der Außenwelt aufgrund einer demenziellen Erkrankung abläuft. Kitwood schlägt dafür mehrere Strategien vor.
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Behutsam interagieren
Die Betreuung eines Patienten ist nur dann von guter Qualität, wenn sich der Patient dabei wohlfühlt. Dies gilt auch für Menschen mit Demenz. Die Interaktion spielt dabei die wichtigste Rolle. Als MFA kommt Ihnen in diesem Prozess eine besondere Bedeutung zu.
PRAXISHINWEIS | In der offiziellen Funktion als erste Ansprechperson in der Arztpraxis tragen Sie als MFA die Hauptlast der Gesprächsführung. Bei Ihnen laufen der Empfang der Patienten, die Organisation der Termine und die Koordination der einzelnen Therapieschritte zusammen. Auch wenn demente Patienten die Hilfe von orientierten Bezugspersonen benötigen, um den Erfordernissen nachkommen zu können, ist es notwendig, sie selbst in den Prozess einzubeziehen, weil sich dadurch Widerstände verringern lassen. |
Tom Kitwood hat verschiedene Möglichkeiten beschrieben, die einen leichteren Zugang zu dementen Menschen eröffnen. Auch wenn sich deren Fähigkeiten verringern, anderen Menschen gleichberechtigt zu begegnen, ist in den frühen Phasen der Erkrankung die Sensibilität für die Wertschätzung, die ihnen entgegengebracht wird, keineswegs vermindert. Das heißt, selbst wenn die Betroffenen nicht mehr in der Lage sind, sich den gesellschaftlichen Gepflogenheiten entsprechend zu verhalten, registrieren sie sehr genau, welche Haltung ein Gegenüber einnimmt.
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Auf die Bedürfnisse des Patienten eingehen
Kitwoods Konzept hat zum Ziel, das Wohlbefinden dementer Menschen so weit wie möglich zu fördern. Dies geschieht durch die Berücksichtigung ihrer grundlegenden Bedürfnisse, zu denen vor allem Liebe, Trost, Bindung, Einbezogensein, Beschäftigung und Identität gehören. Diese emotionalen Bedürfnisse lassen sich in Form einer Blüte darstellen.

Die Patienten können sich als Person und gleichwertige Gesprächspartner erfahren, wenn sie im Kontakt mit anderen darin bestärkt werden,
- wertvoll und wichtig zu sein,
- etwas bewirken zu können und Kontrolle zu haben,
- mit anderen Menschen in Kontakt treten zu können und etwas geben zu können,
- Vertrauen in das Leben zu empfinden und Sicherheit zu spüren.
MERKE | Insbesondere sollten Sie als MFA sich bewusst machen, dass Patienten mit Demenz nicht in der Lage sind, das Verhältnis zu anderen Menschen aus eigener Kraft zu gestalten. Sie sind auf Rücksicht angewiesen. |
Weiterführende Hinweise
- Kitwood, Tom: Demenz. Der personenzentrierte Ansatz mit verwirrten Menschen. 3. erweiterte Auflage. Deutschsprachige Ausgabe, herausgegeben von C. Müller-Hergl. Bern: Huber 2004.
- Bericht einer Patientin: Braam, Stella: „Ich habe Alzheimer: Wie die Krankheit sich anfühlt“; Beltz Verlag, 2011
- Eine umfassende Annäherung an das Thema erlaubt auch die Website www.alzheimerforum.de. Unter http://www.alzheimerforum.de/2/5/3/253inh.html finden Sie zahlreiche Erfahrungsberichte von Angehörigen.