· Fachbeitrag · Patientenversorgung
Arzneimittel sublingual oder bukkal verabreichen
von Bernd Hein, Fachjournalist Gesundheitswesen, Buch am Buchrain
| Die Gabe von Arzneimitteln über die Mundschleimhaut führt zur schnellen Aufnahme der Wirkstoffe in den Körper. Man unterscheidet die sublinguale (s.l.) von der bukkalen Applikation, obwohl diese Varianten im Praxisalltag kaum abzugrenzen sind. Im Unterschied zum Schlucken von Medikamenten (orale Verabreichung) bringen beide Anwendungsformen den Wirkstoff ohne Umweg durch die Leber unmittelbar in den Blutkreislauf. |
Sublinguale und bukkale Applikation
Die Mundschleimhaut besteht aus einer dünnen, sehr gut durchbluteten Schicht von Epithelgewebe. Der venöse Abfluss dieser Region mündet unmittelbar in die obere Hohlvene, die das Blut in den rechten Vorhof des Herzens transportiert. Von dort gelangt es über den Lungenkreislauf in alle Körperregionen. Dieser Weg ist eine Abkürzung, weil er die Leber umgeht, die stets einen bestimmten Prozentsatz der zugeführten Substanzen (egal, ob es sich um Nahrungsbestandteile oder andere aus dem Darminhalt aufgenommene Stoffe handelt) chemisch umwandelt und für die Ausscheidung vorbereitet.
Die sublinguale Verabreichung von Arzneimitteln findet definitionsgemäß unter der Zunge (sub lingua) statt. Das bedeutet, man platziert das Arzneimittel unmittelbar in der Falte, die sich zwischen dem vorderen Teil der Zunge und dem Mundboden befindet. Diese Körperstelle ist leicht zugänglich. Der Betroffene öffnet den Mund und damit gleichzeitig den Raum zu beiden Seiten des Zungenbändchens (Frenulum linguae).
Die bukkale Verabreichung von Arzneimitteln findet in der Schleimhauttasche zwischen der außen gelegenen Zahnfleischseite und der Innenseite der Wange statt. Auch dieser Ort ist relativ leicht von außen zu erreichen.

Vorteile des Applikationswegs
Die Verabreichung von Medikamenten über die Mundschleimhaut hat mehrere Vorteile. Sie ist vor allem für Laien problemloser durchzuführen.
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Geeignete Arzneimittel
Diese Applikationsform ist vor allem für Arzneimittel geeignet, die rasch wirken und ohne großen Aufwand angewendet werden sollen - typischerweise Notfall- oder Bedarfsmedikamente.
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Praktische Hinweise für MFA
Vor allem wenn der Patient die betreffenden Arzneimittel nicht selbst einnimmt, sollten Sie als MFA besonders vorsichtig sein.
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