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· Fachbeitrag · Patienteninformation

Grippeimpfung: Wann ist sie sinnvoll?

von Ursula Katthöfer, Wissenschaftsjournalistin, Bonn, www.textwiese.com

| Es ist gut nachvollziehbar, dass die Ständige Impfkommission (STIKO) des Robert Koch-Instituts (RKI) allen MFA die Grippeimpfung empfiehlt (siehe PPA 10/2015, Seite 1). Zu groß ist das Risiko, dass MFA sich angesichts der vielen täglichen Patientenkontakte infizieren. Außerdem besteht das Risiko, dass sie Grippeviren an ihre Patienten übertragen - möglicherweise ohne es zu wissen. Ein einziges Husten oder Niesen genügt bereits zur Tröpfcheninfektion. Für wen empfiehlt sich die Grippeimpfung außerdem? Eine Frage, die differenziert betrachtet werden sollte. |

Influenza oder Erkältung?

Die echte Grippe (Influenza) ist eine Viruserkrankung, die mit Fieber startet. Hinzu kommen Halsschmerzen, trockener Husten sowie heftige Kopf-, Muskel- und Gliederschmerzen. Das kann zu lebensbedrohlichen Folgen wie einer Lungenentzündung, Entzündungen des Herzmuskels (Myokarditis) oder des Gehirns (Enzephalitis) führen. Im schlimmsten Fall endet die Grippe tödlich. Bei schweren Grippewellen gehen die Experten des RKI allein in Deutschland von mehreren Tausend Toten aus.

 

Häufig deuten Patienten die Symptome einer Erkältung wie Halsschmerz oder Husten irrtümlich als Grippe (siehe dazu PPA 11/2015, Seite 4). Das ist verständlich, da die Symptome sich ähneln. Die Erreger sind allerdings unterschiedlich.

Risikogruppen

Die STIKO empfiehlt die Grippeimpfung all denen, die wegen einer Grunderkrankung ein erhöhtes Risiko für einen schweren Verlauf haben.

 

  • Personengruppen, die sich gegen Grippe impfen lassen sollten
  • Menschen, die älter als 60 Jahre sind,
  • Patienten mit chronischen Erkrankungen wie Krankheiten der Atmungsorgane, Herz-Kreislauferkrankungen, Leber- und Nierenschäden, Diabetes oder Multiple Sklerose(MS),
  • Menschen mit Immunerkrankungen (zum Beispiel HIV) und
  • schwangere Frauen.
 

Beachten Sie | Häufig treffen auf Bewohner von Alten- und Pflegeheimen mehrere der oben genannten Punkte zu. Das Risiko einer Tröpfchen- oder Schmierinfektion ist in diesen Häusern besonders hoch. Fragen Sie daher Ihre Patienten, die in Senioreneinrichtungen leben, ob sie an den Impfschutz gedacht haben.

Sollten Kinder geimpft werden?

Kindergartenkinder leiden häufiger an Erkältungen als Erwachsene, weil ihr Immunsystem noch nicht voll ausgereift ist. Dennoch rät die STIKO von einer Grippeimpfung bei normal entwickelten Kindern ab. Eltern sollten diese Erkrankungen zulassen, um das Immunsystem ihrer Kinder zu trainieren. Nur bei Kindern mit einer Grunderkrankung wird zur Impfung geraten. Säuglinge können erst ab einem Alter von sechs Monaten gegen Grippe geimpft werden. Stillende Mütter hingegen dürfen sich impfen lassen.

Der richtige Zeitpunkt

In Deutschland beginnt die Grippewelle meist zu Beginn des Jahres, wenn es richtig kalt wird. Im Winter halten Menschen sich häufiger in voll besetzten Räumen wie Bussen oder Hallen auf. Die Erreger gelangen leicht von Mensch zu Mensch. Ihren Höhepunkt erreicht die Grippewelle in den Monaten Februar und März. Da es etwa zehn bis 14 Tage dauert, bis der Impfschutz richtig wirkt, eignen sich die Monate Oktober und November besonders gut für die Grippeimpfung. Auch eine spätere Impfung ist sinnvoll, selbst wenn die Grippewelle bereits begonnen hat. Die Impfung schützt während der gesamten Grippesaison und muss nicht aufgefrischt werden.

Für wen ist die Impfung nicht geeignet?

Für bestimmte Patientengruppen, ist die Grippeimpfung nicht geeignet. Im Zweifel muss der Arzt entscheiden, ob eine Impfung unbedenklich ist. Dies gilt vor allem für folgende Patientengruppen:

 

  • Personen, die auf Bestandteile des Impfstoffs wie zum Beispiel Hühnereiweiß allergisch reagieren (für sie ist in der aktuellen Saison 2015/16 ein hühnereiweißfreier Impfstoff auf den Markt gekommen).
  • Personen mit einer Immunschwäche, Asthma oder einer Salicylat-Therapie (gilt für Lebendimpfstoffe in Form von Nasensprays).

Grenzen der Grippeimpfung und Kritik

Die Grippeimpfung hat ihre Grenzen: Die aktuellen Impfstoffe schützen vor drei verschiedenen Virusvarianten: vor dem Influenza-A-Virus (H1N1), vor seinem Subtyp H3N2 und vor dem Influenza-B-Virus, das eher leichtere Grippen auslöst. Allerdings verändern Viren sich ständig. Daher hilft die Impfung nicht bei jeder Grippe. Möglicherweise schützt der Impfstoff Senioren weniger als jüngere Erwachsene. Grund ist eine geringere Antikörperbildung im Alter.

 

Aufgrund der begrenzten Wirkung und der Gegenanzeigen für einige Patientengruppen melden sich zu jeder Grippesaison Kritiker. Sie warnen davor, dass die Impfung einen Schutz vortäusche, den es nicht gebe. Richtig ist, dass die Impfung keinen hundertprozentigen Schutz bietet, sondern dem Immunsystem nur einen Vorsprung verschafft. Um sich umfassend vor Grippe zu schützen, sind eine gesunde Lebensführung und die Vorbeugemaßnahmen sinnvoll, die auch für Erkältungskrankheiten gelten (siehe PPA 11/2015, Seite 4).

Quelle: Ausgabe 11 / 2015 | Seite 7 | ID 43616148