· Fachbeitrag · Parasiten
Kopfläuse konsequent bekämpfen
von Bernd Hein, Fachjournalist Gesundheitswesen, Buch am Buchrain
| Kopfläuse sind in Mittel- und Nordeuropa nicht gefährlich aber lästig: Sie übertragen weder Bakterien noch Viren, verursachen allerdings lästigen Juckreiz. Hauptsächlich verbreiten sich Läuse direkt von Mensch zu Mensch. Betroffen sind Personen jeden Alters, am häufigsten jedoch Kinder, da sie viel öfter engen Körperkontakt eingehen als Erwachsene. Häufig führen die Patienten bzw. deren Angehörige die Behandlung selbstständig durch. Eine umfassende Einweisung und Aufklärung, die auch die MFA übernehmen kann, kann das Behandlungsergebnis deutlich verbessern. |
Kopflausbefall ist die häufigste parasitäre Erkrankung
Kopfläuse (Pediculus humanus capitis) sind flügellose, 2 bis 3 Millimeter große, braun gefärbte Insekten. Schätzungsweise sind hierzulande ca. 2 Prozent aller Kinder einmal im Jahr befallen. Damit ist die Pedikulose die häufigste parasitäre Erkrankung. Die Tiere besiedeln ausschließlich Menschen und halten sich nur an behaarten Arealen der Haut auf. Am häufigsten sind sie am Kopf zu finden - vor allem in Schläfennähe, hinter den Ohren und am Nacken. Bei extrem starkem Befall können auch Augenbrauen, Bart und Achselhaare betroffen sein. Läuse ernähren sich von Blut und stechen mehrmals täglich in die Haut. Die weiblichen Tiere legen täglich mehrere Eier, die sie in weiß-grau gefärbten Hüllen (Nissen) wenige Millimeter von den Wurzeln entfernt an die Haare kleben. Nach 7 - 10 Tagen schlüpfen die Larven. Sie sind nach 9 - 11 Tagen geschlechtsreif. Die leeren Nissen bleiben lange Zeit am Haar befestigt und sind wegen ihrer helleren Färbung leicht mit bloßem Auge zu erkennen.
Zeichen des Befalls
Heftiger Juckreiz ist das wichtigste Krankheitszeichen. Er entsteht durch den Läusespeichel, der während der Stiche in die Haut gerät. Typischerweise kratzen sich die Betroffenen regelmäßig und üblicherweise unbewusst, sodass aufmerksame Beobachter anhand dieser Bewegungen relativ rasch einen Verdacht auf Läuse entwickeln. Sorgfältiges Auskämmen der Haare mit einem feinzinkigen Läusekamm fördert die Insekten zutage. Alternativ kann man (mit einer Lupe) nach Nissen suchen. Durch das Kratzen mit den Fingernägeln verursachen die Betroffenen nicht selten oberflächliche Wunden, die sich entzünden und durch bakterielle Infektion zu einem Ekzem entwickeln können.
MERKE | Kopfläuse sind kein Zeichen mangelnder Körperpflege. Die Parasiten kommen in allen sozialen Zusammenhängen vor und sind durch regelmäßige Körperhygiene nicht abzuwehren. Entscheidend ist nur der direkte Kontakt zu befallenen Menschen. Deshalb werden die Parasiten vor allem in Gemeinschaftseinrichtungen übertragen, in denen sich viele Menschen auf vergleichsweise engem Raum aufhalten. Selten findet eine Verbreitung auch durch Gegenstände statt die von Personen mit Läusen benutzt wurden (z. B. Kämme, Bürsten, Textilien). |
In drei Schritten frei von Kopfläusen
Wenn der Befall erkannt wurde, soll die Behandlung noch am gleichen Tag einsetzen. Experten raten zu einem Behandlungsschema in drei Schritten.
1. Schritt: Mechanische Behandlung
Das Kopfhaar vollständig mit Wasser und einer handelsüblichen Haarspülung befeuchten. Danach Strähne für Strähne mit einem Läusekamm (Zinkenabstand maximal 0,2 Millimeter) vom Haaransatz bis zu den Spitzen auskämmen. Nach jedem Strich durch die Haare ist es erforderlich, den Kamm auf Läuse zu inspizieren. Tiere, die sich darin verfangen haben, sind zwischen den Fingernägeln zu zerdrücken (Knackgeräusch) oder sicher zu entsorgen.
2. Schritt: Medikamentöse Behandlung
Anschließend wendet man ein zur Bekämpfung von Läusen zugelassenes Arzneimittel an (Beipackzettel beachten!). Die Produkte sind rezeptfrei in der Apotheke erhältlich. Zur Auswahl stehen:
- Insektizide (z. B. Permethrin in InfectoPedicul®, Pyrethrin in Goldgeist® forte oder Piperonylbutoxid und Allethrin in Jacutin® N-Spray
- Silikon-Öle (z. B. Dimeticon in NYDA®L oder Jacutin® Pedicul fluid)
- Pflanzliche Öle (z. B. in Mosquito® Läuse Shampoo)
Bereits die erste Behandlung erreicht bei korrekter Durchführung einen so hohen Wirkungsgrad, dass der Betroffene am nächsten Tag wieder Gemeinschaftseinrichtungen besuchen kann. Eine Verpflichtung, den Behandlungserfolg durch ein ärztliches Attest nachzuweisen, existiert in Deutschland nicht.
MERKE | Alle Versuche, die Läuse mit Föns oder anderen Heißluftgeräten zu bekämpfen sind sinnlos und wegen der großen Gefahr, Verbrennungen zu verursachen, strikt abzulehnen. Zwar existieren für diesen Zweck besondere Heißluftgeräte, die die Parasiten zu über 99 Prozent abtöten. Ihre Anwendung ist aber wegen der hohen Anschaffungskosten speziellen Situationen vorbehalten. |
3. Schritt: Nachbehandlung und Kontrolle
Um die Sicherheit weiter zu steigern, empfiehlt das Robert Koch-Institut wiederholte Prozeduren, deren Abstände sich am Lebenszyklus der Läuse orientieren. Ausgehend von der Erstbehandlung sollte man
- am Tag 5 die feuchten Haare auskämmen (entfernt ggf. frühe Larven),
- am Tag 8, 9 oder 10 das Haar erneut mit dem Arzneimittel behandeln (tötet späte Larven ab),
- am Tag 13 die Haare mittels feuchten Auskämmens kontrollieren (ggf. am Tag 17 zum letzten Mal).
PRAXISHINWEIS | Das Gesundheitsamt Wiesbaden hat eine sehr leicht verständliche Broschüre zum Thema verfasst. Sie ist auf der Website der Pediculosis-Gesellschaft als PDF erhältlich, online unter http://tinyurl.com/jueyyoz. |
Zusätzlich erforderliche Maßnahmen
Eltern sollten nach dem Bemerken des Läusebefalls unverzüglich die jeweiligen Gemeinschaftseinrichtungen benachrichtigen, die das Kind besucht (siehe Grafik). Daraus entstehen keine persönlichen Nachteile, sondern die Information hilft vielmehr, alle ggf. Betroffenen rasch zu behandeln.
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