· Fachbeitrag · Parasiten
Bettwanzen professionell bekämpfen lassen
von Bernd Hein, Fachjournalist Gesundheitswesen, Buch am Buchrain
| Die in Europa als Parasiten des Menschen vorkommenden Wanzen sind nach dem Infektionsschutzgesetz nicht meldepflichtig, weil sie in der Regel keine Krankheiten übertragen. Lästig sind sie trotzdem, denn sie verursachen häufig quälende Hautausschläge. Besonders oft kommt man während des Urlaubs mit ihnen in Kontakt. Die konsequente Kontrolle von Schlafräumen ist eine geeignete Maßnahme zur Vorbeugung. Ist eine Wohnung von Wanzen befallen, schafft nur professionelle Schädlingsbekämpfung Abhilfe. PPA fasst zusammen, was Sie als MFA über Wanzen wissen sollten. |
Gefahrenpotenzial durch Bettwanzen
Die meisten der weltweit rund 50.000 Wanzenarten sind auf pflanzliche Nahrung spezialisiert. Einige Raubwanzenarten, die vor allem in Lateinamerika beheimatet sind, übertragen die Chagas-Krankheit. Die in Deutschland vorkommenden Bettwanzen (Cimex lectularius) sind nicht als Krankheitsüberträger bekannt, ernähren sich aber auch von menschlichem Blut. Die Insekten haben sechs Beine, ein doppeltes Paar Saugrüssel. Sie sind normalerweise etwa 2,5 mm groß und bräunlich gefärbt. Nach einer Blutmahlzeit erreichen sie häufig mehr als einen Zentimeter Körperlänge.

Bettwanzen saugen beim Menschen vor allem an Nacken, Gesicht, Armen und Unterschenkeln. Dort hinterlassen sie eine fortlaufende Reihe von Einstichen, die sich meist als gerötete und stark juckende Areale auf der Haut zeigen. Die nah aneinander angeordneten Stiche bezeichnet man als „Wanzenstraße“. Sie beruht auf den wiederholten Versuchen einer Wanze, den optimalen Punkt für das Blutsaugen zu finden. Menschen, die nicht empfindlich auf die Stiche reagieren, entwickeln keine Hautreaktionen.
Bettwanzen sind nachtaktiv, ein Saugvorgang dauert 3 bis 15 Minuten. Beim Stich geben sie einen anästhesierenden Speichel ab. Deshalb bleiben die Stiche zunächst meist unbemerkt und beginnen erst am folgenden Tag zu jucken. Die Stiche können Quaddeln, Pusteln und Hautentzündungen verursachen. Massiver wirken sich mögliche allergische Reaktionen aus, die von Asthma bis zum anaphylaktischen Schock reichen. Wegen dieser Krankheitszeichen (Cimikose) sind Wanzen gefürchtet.
PRAXISHINWEIS | Hauterscheinungen und Juckreiz sind mit geeigneten Salben zu behandeln (z. B. Antihistaminika). Bei Infektionen die durch Stiche entstehen, kann eine antibiotische Therapie erforderlich sein. |
Erkennung von Wanzenbefall
Die Insekten ziehen sich tagsüber in dunkle Ritzen von Möbeln oder anderen Einrichtungsgegenständen zurück und bleiben deshalb unsichtbar. Typische Zeichen für Wanzenbefall sind:
- Kot der Insekten (erkennbar als dunkle, bröcklige Krümel) an der Bettwäsche, in Zimmerecken oder an den Möbeln
- Blutspuren in nicht frisch bezogenen Betten
- Teile der Chitinpanzer, die die Wanzen bei ihrer Häutung hinterlassen
MERKE | Wanzenbefall tritt unabhängig von den hygienischen Bedingungen einer Unterkunft auf. Deshalb können sichtbare Zeichen nach einer täglichen gründlichen Reinigung fehlen. In diesen Fällen lässt sich Wanzenbefall nur aufgrund eines intensiven süßlichen Geruchs wahrnehmen. Er stammt von einem Sekret, das die Tiere über Stinkdrüsen absondern und erinnert entfernt an die Gewürzpflanze Koriander. |
So schützen Sie sich vor Wanzen
Kontakte mit Wanzen ergeben sich überwiegend im Urlaub. Weil viele Patienten vorher zur medizinischen Beratung in die Arztpraxis kommen, haben Sie als MFA eine gute Gelegenheit, auf das Risiko hinzuweisen.
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Auch in den eigenen vier Wänden können sich Wanzen einnisten. Oft werden sie durch gebrauchte Möbel oder Kleidung eingeschleppt.
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Professionelle Wanzenbekämpfung
Wanzen sind relativ widerstandsfähig und deshalb nicht leicht zu bekämpfen.Die bei einem Wanzenbefall erforderlichen Entwesungsmaßnahmen gehören unbedingt in die Hände von Fachleuten. Seriöse Schädlingsbekämpfer finden Sie über die einschlägigen Berufsvereinigungen (siehe weiterführende Hinweise). Diese Organisationen geben Qualitätsrichtlinien vor und bieten im Internet Adressdateien an, über die sich geeignete Unternehmen nach Regionen geordnet finden lassen.
PRAXISHINWEIS | Zur Schädlingsbekämpfung arbeiten Profis vor allem mit dem Verneblungsmittel Detmolin P® (eine Mischung des Pflanzenextrakts Pyrethrum mit Piperonylbutoxid) und dem Sprühmittel Fendona® (mit Alpha Cypermethrin). Beide Stoffe sind für warmblütige Lebewesen, also auch für Menschen und Haustiere, zwar relativ ungiftig, aber dennoch gesundheitsschädlich. Vermeiden Sie daher Hautkontakt mit behandelten Flächen. |
Zusätzlich ist es notwendig, Gegenstände, die möglicherweise von Wanzen besiedelt sind, so zu behandeln, dass die Insekten zuverlässig absterben. Dazu muss man Textilien mindestens eine Stunde lang bei 60° Celsius waschen oder die Gegenstände in eine geheizte Sauna legen. Alternativ können sie über drei Tage bei -18° Celsius gekühlt werden. Stark befallene Polstermöbel sind nicht mehr zu reinigen, sondern zu entsorgen. Dazu sollten sie vor dem Transport dicht in Plastikfolie eingehüllt werden, um eine Verbreitung der Insekten zu vermeiden.
Weiterführende Hinweise
- Homepage Deutscher Schädlingsbekämpfer Verband e. V.: www.dsvonline.de
- Homepage Verein zur Förderung ökologischer Schädlingsbekämpfung e. V.: www.vfoes.de