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· Fachbeitrag · MFA im Ausland

Arbeiten im Alpenland: Als MFA nach Österreich

von Yvonne Schuck, Medienbüro Medizin (MbMed), Hamburg, www.mbmed.de 

| Auslandserfahrung ist immer ein Bonus auf dem Lebenslauf. Sich in einem fremden Land zurechtzufinden, zeigt Mut und Initiative. Wer dann nicht allzu weit weg von der Heimat sein möchte, kann beispielsweise im Nachbarland Österreich Auslandsluft schnuppern. Auch als MFA können Sie in der Alpenrepublik beruflich Fuß fassen. Da Ordinationsgehilfin, wie der Beruf der MFA im Nachbarland heißt, zu den reglementierten Berufen zählt, müssen Sie sich Ihren deutschen Berufsabschluss offiziell anerkennen lassen. Mit den nötigen Unterlagen ist das aber in der Regel kein Problem. |

Das Gute liegt so nah: Österreich ist ideal zum Auswandern

Mozart, Sissi und Sachertorte - das ist typisch Österreich. Die Alpenrepublik ist aber nicht nur als Urlaubsland äußerst beliebt bei den Deutschen. Auch als Auswanderungsland landet Österreich häufig auf den oberen Plätzen der beliebtesten Länder. Die Nähe zu Deutschland und die (fast) gleiche Sprache spielen dabei sicherlich eine zentrale Rolle. Zudem dürfen deutsche Staatsangehörige im EU-Land Österreich leben und arbeiten, ohne dass dafür eine Aufenthalts- oder Arbeitsgenehmigung nötig wäre. Wenn Sie also Lust auf eine neue Umgebung, ein anderes Land und spannende Erfahrungen haben, warum nicht Österreich als neue Heimat - auf Zeit oder sogar für immer.

Melden Sie sich an

Ganz ohne Vorschriften geht es aber auch im Nachbarland nicht. In Österreich gilt eine allgemeine Meldepflicht. Wer umzieht, muss sich innerhalb der ersten drei Tage in der neuen Unterkunft bei der zuständigen Behörde mit der neuen Adresse anmelden. Das gilt für Österreicher genauso wie für EU-Bürger. In kleineren Orten sind die Gemeindeämter dafür zuständig, in Städten die Magistrate.

 

PRAXISHINWEIS |  Um sich anzumelden, benötigen Sie ein entsprechendes Meldeformular. Es liegt in den Ämtern aus und ist auch über das Internet erhältlich. Dieses muss vom Vermieter oder der Hausverwaltung und dem Mieter unterschrieben und zur Anmeldung mitgebracht werden. Weitere Informationen dazu bietet beispielsweise die behördenübergreifende Plattform www.help.gv.at.

 

Wenn Sie länger in Österreich bleiben

Wer nach Österreich auswandern, dort also länger als drei Monate leben und arbeiten möchte, muss darüber hinaus eine Anmeldebescheinigung beantragen. Innerhalb der ersten vier Monate im Land stellen EU-Bürger diesen Antrag bei der zuständigen Aufenthaltsbehörde - das können Bezirkshauptmannschaft oder Magistrat sein. Das für Sie zuständige Amt finden Sie ebenfalls über www.help.gv.at. Dort geben Sie einfach Wohnort oder Postleitzahl ein und die zuständige Behörde wird anzeigt. Diese informiert dann auch über die notwendigen Dokumente, die bei Antragstellung vorzuweisen sind.

 

MERKE |  Nach fünf Jahren rechtmäßigem und ununterbrochenen Aufenthalt in Österreich haben EU-Bürger die Möglichkeit, eine Bescheinigung des Daueraufenthalts zu beantragen. Auf migration.gv.at finden Sie dazu weitere Informationen.

 

Der Arbeitsmarkt in Österreich

In der Alpenrepublik sind etwa 70 Prozent der arbeitenden Bevölkerung im Dienstleistungssektor tätig, knapp 25 Prozent in der Industrie und rund 5 Prozent in der Landwirtschaft. Die Arbeitslosenquote lag 2012 bei nur 4 Prozent, der durchschnittliche Wert für die Eurozone war 10,1 Prozent. Insgesamt waren mit 4,4 Prozent mehr Frauen arbeitslos als Männer, deren Quote lag bei 3,6 Prozent. Zu den Wachstumsbranchen zählen besonders die Kfz-Industrie, Umwelt- und Elektrotechnik, chemische Industrie, Medizintechnik und Tourismus.

 

Wie in Deutschland auch, zählen Fachkräfte im Gesundheitswesen zu den besonders nachgefragten Berufsgruppen auf dem österreichischen Arbeitsmarkt. Ausgebildete MFA aus Deutschland haben also durchaus Chancen dort Fuß zu fassen. Wer länger als ein halbes Jahr in Österreich arbeitet, muss sein Einkommen auch dort versteuern. Ausnahme sind Grenzgänger, die in Deutschland wohnen und in Österreich arbeiten.

 

PRAXISHINWEIS |  Die Broschüre „Infos für Grenzgänger 2013“ bietet auf 190 Seiten aktuelle Informationen zu den Themen Arbeit, Soziales und Steuern. Die gesamte Ausgabe oder einzelne Kapitel können Sie auf www.eures-bodensee.de kostenlos herunterladen.

 

MFA auf Österreichisch: Ordinationsgehilfin

Österreichurlauber kennen Schlagsahne als Schlagobers und Tomaten als Paradeiser - in Österreich heißen manche Dinge einfach anders. Das gilt auch für den Beruf der Medizinischen Fachangestellten. In der Alpenrepublik nimmt nicht die MFA sondern die Ordinationsgehilfin Patienten in Empfang und kümmert sich um sie. Zusammen mit anderen Berufen im Gesundheitswesen zählt Ordinationsgehilfin zu den reglementierten Berufen. Das bedeutet, wer in Österreich in diesem Beruf arbeiten möchte, muss sich die deutsche Ausbildung offiziell anerkennen lassen. Im Fall der Gesundheitsberufe ist dafür das österreichische Bundesministerium für Gesundheit (BMG) zuständig. Ordinationsgehilfin zählt dort zur Gruppe der Sanitätshilfsdienste. Um die Zulassung zur Berufsausübung zu erhalten, müssen Sie die Staatsangehörigkeit eines Mitglieds der Europäischen Union, eines Vertragsstaates des Europäischen Wirtschaftsraumes oder der Schweizer Eidgenossenschaft besitzen und die Ausbildung in einem dieser Staaten erfolgreich abgeschlossen haben. Informationen zur Antragsstellung finden Sie auf www.bmg.gv.at.

 

  • Notwendige Unterlagen für den Zulassungsantrag
  • Meldezettel - als Nachweis eines Wohnsitzes in Österreich
  • Lebenslauf, der Bildungsweg und Berufstätigkeit darstellt
  • Abschlusszeugnis der Berufsausbildung, inklusive Lehrplan
  • Zeugnisse zu Fort- und Weiterbildungen
  • Nachweise zu Berufserfahrung (Arbeitszeugnisse)
 

Ordinationsgehilfin: Berufsbild

Der Beruf der Ordinationsgehilfin ähnelt dem der deutschen MFA sehr: Sie kümmern sich ebenso um die administrativen Aufgaben in einer Praxis und unterstützen Ärzte bei der Behandlung von Patienten, wie es ihre Kolleginnen in der Bundesrepublik machen. Sie können bei Haus- und Fachärzten, aber auch in Krankenambulanzen arbeiten. Das durchschnittliche Einstiegsgehalt liegt zwischen 1.000 und 1.200 Euro brutto im Monat. Wie in Deutschland auch gibt es Möglichkeiten der Weiterbildung im medizinischen und administrativen Bereich. Auf www.ams.at bietet der Arbeitsmarktservice Österreich einen Überblick über das Berufsbild und auf dem Arbeitsmarkt besonders gefragte Zusatzqualifikationen.

Bewerbungsunterlagen und Stellensuche

Neben Anschreiben, Lebenslauf, Abschluss- sowie Arbeitszeugnissen gehören auf jeden Fall auch Nachweise von Weiterbildungen und Zusatzqualifikationen in Ihre Bewerbungsmappe. Es kann auch hilfreich sein, neben einer Kopie Ihres Abschlusszeugnisses eine Zeugniserläuterung mitzuschicken, die die Ausbildungsinhalte auflistet. Diese finden Sie unter www.europass-info.de. Potenzielle Arbeitgeber, die vielleicht nicht mit dem Berufsbild der MFA in Deutschland vertraut sind, sehen so, dass Sie Ihre Ausbildung auch für die Arbeit der Ordinationsgehilfin qualifiziert. Die Zulassung zur Berufsausübung, ausgestellt durch das Österreichische Ministerium für Gesundheit, sollte natürlich auch nicht fehlen.

 

Denken Sie daran: Auch wenn vielleicht Ihre Begeisterung für Land und Leute der Grund für Ihre Auswanderung ist, gehen Sie im Anschreiben Ihrer Bewerbungsunterlagen auch auf den zukünftigen Arbeitsplatz ein. Warum bewerben Sie sich gerade in dieser Praxis? Warum passen gerade Sie so gut auf die ausgeschriebene Stelle? Stellenangebote finden Sie über den Arbeitsmarktservice Österreich auf www.ams.at, in Tageszeitungen und über Stellenbörsen im Internet. PPA drückt Ihnen die Daumen und wünscht alles Gute für den Start in der neuen Heimat!

 

Weiterführende Hinweise

  • www.help.gv.at (Wegweiser durch die Ämter und Behörden in Österreich)
  • www.ec.europa.eu/eures (Portal mit länderspezifischen Informationen rund um das Leben und Arbeiten im europäischen Ausland)
Quelle: Ausgabe 07 / 2013 | Seite 10 | ID 39927170