· Fachbeitrag · Medizinwissen
Diabetes mellitus - wie lässt sich vorbeugen?
von Dr. med. Marianne Schoppmeyer, Ärztin und Medizinjournalistin, Nordhorn
| Am 14. November werden weltweit wieder ungezählte Bauwerke im blauen Licht erstrahlen. Anlass ist der Weltdiabetestag, der von den Vereinten Nationen 2007 zum offiziellen UN-Tag erklärt wurde. Jedes Jahr steht dieser Tag unter einem anderen Motto. In diesem Jahr lautet es „Diabetes: Schützen sie unsere Zukunft“. Der Schwerpunkt soll dabei besonders auf die Relevanz einer möglichst frühzeitigen Aufklärung gesetzt werden. |
Aufklären was bei Diabetes zählt
In der Praxis kann dieser Tag zum Anlass genommen werden, gezielt auf den Diabetes mellitus, eine immer noch gerne verharmloste Krankheit, hinzuweisen. Denn immerhin sind in Deutschland weit über sieben Millionen Menschen betroffen. Hinzu kommen weitere Tausende, die überhaupt nichts von ihrer Erkrankung wissen.
Gerade der am weitesten verbreitete Diabetes-Typ-II, auch häufig Altersdiabetes genannt, macht sich in der Regel nicht von heute auf morgen bemerkbar. Meist beginnt er schleichend und kann über Jahre hinweg unbemerkt bleiben. Die Patienten fühlen sich unter Umständen müde und schlapp, nehmen an Gewicht zu und haben häufiger Infekte. Meist werden diese Beschwerden aber verharmlost und nicht ernst genommen, da sie auch bei vielen anderen Krankheiten und in unterschiedlichen Lebenssituationen auftreten. Daher ist es gerade bei Risikopersonen umso wichtiger, den Blutzucker von Zeit zu Zeit auf Verdacht zu kontrollieren.
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Neun von zehn Diabetikern in Deutschland sind am Diabetes-Typ-II erkrankt. Hierbei produziert die Bauchspeicheldrüse zu wenig des blutzuckersenkenden Hormons Insulin. Zusätzlich kann das Insulin nicht ausreichend in den Zellen des Körpers wirken. Dieser Umstand wird als Insulinresistenz bezeichnet. Folge ist ein zu hoher Blutzucker, der einen Diabetes mellitus mit all seinen Folgeerkrankungen hervorruft. |
Wer ist gefährdet?
Besonders gefährdet, an einem Diabetes-Typ-II zu erkranken, sind Personen,
die übergewichtig sind: Etwa 80 Prozent der Typ-II-Diabetiker bringen zu viele Pfunde auf die Waage. Insbesondere das Fett im Bauchbereich, der so genannte Rettungsring (erhöhter Taillenumfang) lässt das Risiko steigen, an einem Diabetes zu erkranken. Treffen dann noch einige der folgenden Risikofaktoren zu, sollte unbedingt der Hausarzt aufgesucht werden:
- Wenig Bewegung und nur seltene sportliche Aktivität.
- Erhöhtes Risiko mit zunehmendem Alter: Im Alter von unter 50 Jahren sind lediglich ein bis zwei Prozent der Bevölkerung erkrankt, im Alter über 60 Jahre sind es bereits zehn Prozent und im Alter über 70 Jahre bis zu 20 Prozent.
- In der Familie sind bereits Diabetes-Erkrankungen vorgekommen: Die Wahrscheinlichkeit, an einem Diabetes zu erkranken, wenn ein Elternteil daran leidet, beträgt bis zu 50 Prozent.
- Es ist schon einmal ein erhöhter Blutzuckerwert gemessen worden.
- Andere Symptome des metabolischen Syndroms (Wohlstandssyndrom) sind diagnostiziert worden: Hierzu zählen neben der stammbetonten Adipositas eine Fettstoffwechselstörung mit erniedrigten HDL-Cholesterin- und/oder erhöhten Triglyzeridwerten im Blut sowie ein erhöhter Blutdruck.
Daneben kann mithilfe des Deutschen Diabetes Risiko Tests® (DRT) das persönliche Risiko eines Patienten ermittelt werden, in den nächsten fünf Jahren an einem Diabetes-Typ-II zu erkranken. Der Fragebogen lässt sich innerhalb weniger Minuten ausfüllen und beinhaltet unter anderem Fragen zur körperlichen Aktivität, zu Ernährungsgewohnheiten, Körpergröße, Taillenumfang und Alter. Er ist im Internet unter www.dife.de/de/presse/DRT-Fragebogen-fuer-den-Hausarzt-2011.pdf abzurufen.
Check-up 35
Im Rahmen der Check-up 35-Untersuchung wird die Glukose beim nüchternen Patienten bestimmt. Lange bevor Beschwerden bestehen, können so individuelle Risiken aufgedeckt werden. Die Entstehung eines Diabetes-Typ‑II lässt sich damit unter Umständen bremsen und seine Folgeerkrankungen verhindern. Die Check-up 35-Untersuchung kann von den Patienten alle zwei Jahre kostenlos in Anspruch genommen werden. Auch die Praxisgebühr entfällt hierbei.
Wie wird ein Diabetes mellitus diagnostiziert?
Zur Diagnose eines Diabetes mellitus sollte der Blutzucker im venösen Plasma bestimmt werden. Dafür wird Blut beispielsweise in einer NaF-Monovette mit gelber Kappe abgenommen. Nach Möglichkeit sollten keine POCT-Methoden (Point of care testing, patientennahe Labordiagnostik) angewendet werden. Darunter versteht man Untersuchungen, die unmittelbar in der Praxis mittels eines Teststreifens und nicht in einem klinisch-chemischen Labor durchgeführt werden.
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Wie kann das Diabetes-Risiko gesenkt werden?
Werden bei einem Patienten grenzwertige Glukosewerte im Blut gemessen oder mithilfe des Deutschen Diabetes Risiko Tests® ein erhöhtes Risiko festgestellt, sollte er entsprechend beraten werden. Hier stehen, wie bei vielen anderen Wohlstandserkrankungen auch, Maßnahmen zur Verhaltensänderung an erster Stelle.
Viele Patienten mögen es nicht gerne hören, trotzdem ist es wichtig, sie immer wieder darauf hinzuweisen: Empfehlen Sie Ihren Patienten, Gewicht zu reduzieren. Dies sollte durch eine dauerhafte Umstellung der Ernährung auf eine ausgewogene, vollwertige Kost erfolgen. Es darf alles gegessen werden, lediglich einige Grundsätze sollten beachtet werden:
- Wenig Fleisch und tierische Fette, dafür mehr Fisch.
- Viel Gemüse und Obst.
- Viele Vollkornprodukte.
- Wenig Zucker, wenig Salz.
- Dafür darf großzügig gewürzt werden.
Mit einer Ernährungsumstellung sollte vermehrte körperliche Aktivität Hand in Hand gehen. Motivieren Sie Ihre Patienten, sich regelmäßig - mindestens fünf Stunden in der Woche - zu bewegen. Und was viele nicht wissen, starkes Rauchen begünstigt nicht nur Krebs- und Herz-Kreislauf-Erkrankungen, sondern auch einen Diabetes. Daher raten Sie Ihren Patienten, das Rauchen aufzugeben.
Diese Maßnahmen gelten genauso für Patienten, bei denen ein klinisch manifester Diabetes festgestellt wird. Häufig lässt sich der Plasmaglukosewert so senken und ein Diabetes kann für einige Zeit verzögert werden. Ist dies nicht der Fall, ist unbedingt eine geeignete medikamentöse Therapie einzuleiten. Gleichzeitig müssen betroffene Patienten intensiv informiert und geschult werden.
Aufklärung sollte nicht an der Praxistür enden
Für viele Patienten kann der zusätzliche Austausch in einer Selbsthilfegruppe hilfreich sein. Wo sich in Ihrer Nähe eine solche Gruppe befindet, können Sie im Internet auf der Seite www.diabetesde.org/nc/mitmachen/hier_finde_ich_meine_selbsthilfegruppe recherchieren.
Und wer mehr zum Welt-Diabetes-Tag mit seinen diesjährigen Aktionen erfahren möchte, kann sich unter www.welt-diabetes-tag.de informieren. Hier gibt es für die Praxis auch Material zum Download.
Weiterführende Hinweise
- Weiterbildung zur Diabetesassistentin (PPA Nr. 5/2012, S. 7)
- Praxiserfahrungen einer Diabetesassistentin (PPA Nr. 5/2012, S. 9)
- Disease Management Programme (PPA Nr. 4/2008, S. 5)