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· Fachbeitrag · Medizinwissen

Augenerkrankungen in der Allgemeinarztpraxis

von Dr. med. Marianne Schoppmeyer, Ärztin und Medizinjournalistin, Nordhorn

| Zahlreiche Sinneseindrücke werden über die Augen wahrgenommen. Dementsprechend wichtig schätzen viele Menschen das Sehen ein. In einer Umfrage waren mehr als die Hälfte der Befragten eher bereit, zehn Lebensjahre zu opfern als ihr Augenlicht. Doch auch unsere Augen sind - wie alle anderen Organe - von altersbedingten Veränderungen betroffen. Der folgende Beitrag fasst zusammen, was Sie als MFA über die häufigsten Augenerkrankungen im Alter wissen müssen. |

Häufige Augenerkrankungen

Nur jeder fünfte Deutsche war in den letzten fünf Jahren beim Augenarzt. Daher hat auch der Allgemeinarzt eine wichtige Rolle in der Vorsorge von Augenerkrankungen und Sie als MFA sollten die häufigen Augenerkrankungen insbesondere bei älteren Patienten kennen. Zu den häufigen Augenerkrankungen in Deutschland zählen:

 

  • Grauer Star (die Katarakt) mit fast 10 Mio. Betroffenen
  • Altersabhängige Makuladegeneration (AMD) mit über 4 Mio. Betroffenen
  • Grüner Star (das Glaukom) mit über 2 Mio. Betroffenen
  • Diabetische Retinopathie mit etwa 160.000 Betroffenen

 

Hierbei handelt sich nur um Schätzungen, da hierzulande bisher zu Augenerkrankungen keine epidemiologischen Daten systematisch erhoben werden.

 

Der graue Star (Katarakt)

Beim grauen Star kommt es zu einer Trübung der Linse. Begünstigt wird er durch zunehmendes Alter, aber auch Sonnenlicht, Rauchen, einen Diabetes mellitus sowie die Einnahme von Kortikosteroide sind Risikofaktoren. Durch die Linsentrübung kommt es zu einer vermehrten Blendempfindlichkeit. Unter Umständen werden die Augen kurzsichtiger. Wenn Ihre Patienten berichten, wieder ohne Brille lesen zu können, sollten sie hellhörig werden. Später steht dann eine trübe nebelartige Sehverschlechterung im Vordergrund der Beschwerden.

 

Altersabhängige Makuladegeneration

Als Makula (gelber Fleck) wird die Mitte der Netzhaut bezeichnet, die für das scharfe Sehen zum Beispiel beim Lesen zuständig ist. Bei der altersabhängigen Makuladegeneration (AMD) kommt es im höheren Alter zu Funktionseinbußen in diesem Bereich der Netzhaut. Wenn ältere Patienten über eine verlängerte Anpassung an dunkle Lichtverhältnisse berichten oder Sehprobleme bei schlechter Beleuchtung auftreten, können dies erste Anzeichen einer AMD sein. Später werden Objekte, die direkt angeschaut werden, verschwommen, verzerrt oder als dunkler Fleck wahrgenommen. Da nur die Netzhautmitte betroffen ist, kann ein Patient Objekte besser wahrnehmen, wenn er daran vorbeischaut anstatt sie direkt zu fixieren.

 

Der grüne Star (Glaukom)

Ursache des grünen Stars ist ein erhöhter Augeninnendruck, der den Sehnerv schädigt. Erste Symptome sind Gesichtsfeldausfälle, die von den Patienten jedoch häufig nicht bemerkt werden. Im frühen Krankheitsstadium ergänzt das Gehirn diese fehlenden Gesichtsfeldanteile. Bleibt ein grüner Star über lange Zeit unbemerkt, kommt es im schlimmsten Fall zur Erblindung. Schätzungen zufolge erblinden in Deutschland jedes Jahr etwa 1.100 Personen aufgrund eines Glaukoms. Aus diesem Grund wird von Augenärzten ein Glaukom-Screening ab dem 40. Lebensjahr empfohlen. Die dafür notwendige Augendruckmessung ist allerdings eine IGeL und muss daher vom Patienten selbst bezahlt werden.

 

Diabetische Retinopathie

Ein Diabetes mellitus führt an der Netzhaut des Auges zu typischen Veränderungen. Diabetiker bemerken diese Veränderungen lange Zeit nicht. Erst bei Fortschreiten der Erkrankung stellen sie eine Sehminderung wie verschwommenes oder verzerrtes Sehen sowie Gesichtsfeldausfälle fest. Menschen mit Diabetes mellitus sollten ihre Augen daher mindestens einmal jährlich durch den Augenarzt kontrollieren lassen.

 

PRAXISHINWEIS | Erinnern Sie Ihre Patienten unbedingt an diese regelmäßigen Kontrolluntersuchungen und stellen Sie Ihnen ein entsprechendes Überweisungsformular aus.

 

Empfehlenswert ist auch die Teilnahme am entsprechenden Disease Management Programm (DMP). Wenn Sie die DMP-Teilnahme Ihres Patienten auf der Überweisung vermerken, erhalten Sie vom Augenarzt automatisch den Befund mitgeteilt. Daneben ist ein dauerhaft gut eingestellter Blutzucker die beste Maßnahme, Augenschäden vorzubeugen.

 

Sehverschlechterung durch Medikamente

Einige Medikamente, die vom Allgemeinarzt verschrieben werden, können am Auge zu unerwünschten Wirkungen führen. Seien Sie daher hellhörig, wenn ein Patient über eine Veränderung des Sehens berichtet. Auslöser von Sehstörungen können zum Beispiel sein:

 

  • Medikamente gegen Entleerungsstörungen der Harnblase,
  • Antidepressiva,
  • Medikamente gegen M. Parkinson (L-Dopa),
  • Psychopharmaka,
  • Kortikosteroide,
  • Antibiotikum Telithromycin,
  • Antimykotikum Voriconazol.

 

PRAXISHINWEIS | Generell ist jede Sehverschlechterung Anlass für einen Augenarztbesuch. Nebelsehen, krumme Linien, Lichtblitze, Rußregen oder Gesichtsfeldausfälle sind Alarmzeichen, die auf keinen Fall ignoriert werden dürfen und die eine rasche Abklärung durch den Facharzt erfordern.

 

Umgang mit sehbeeinträchtigten Patienten

Sehbehinderte Patienten schätzen es, wenn Sie im Praxisalltag auf ihre Einschränkungen Rücksicht nehmen. Folgende Hinweise helfen Ihnen dabei.

 

  • Patienten mit Sehstörungen richtig betreuen
  • Einen Patienten mit einer Sehstörung sollten Sie im Praxisalltag immer mit Namen ansprechen, damit er weiß, dass er gemeint ist („Herr Meyer, Sie können jetzt…“).
  • Wenn er Ihr Gesicht nicht erkennen kann, sollten Sie sich ihm außerdem mit Ihrer Funktion als MFA vorstellen.
  • Unter Umständen ist es auch hilfreich, wenn Sie ihm den Weg vom Wartezimmer zum Behandlungszimmer weisen, ihn unterhaken oder oberhalb des Ellenbogens anfassen und auf Hindernisse hinweisen.
  • Erläutern Sie, was Sie zu tun beabsichtigen. Dann kann sich ein Mensch mit Sehbeeinträchtigung besser darauf einstellen, da er nicht sehen kann, was Sie gerade machen.
  • Kündigen Sie vor allem Berührungen an, da ein sehbeeinträchtigter Patient diese nicht erahnen kann.
  • Informieren sie den Patienten auch, wenn Sie den Raum verlassen.
 

Beachten Sie | Wer sich in die Lebenswelt von sehbeeinträchtigten Menschen hineindenken möchte, sollte die Internet-Seite der “Stiftung Auge” besuchen. Dort finden sich vier kurze Videoclips, die eine Alltagssituation aus der Sicht eines Menschen mit den oben beschriebenen Sehbehinderungen darstellen.

Die MFA in der Augenheilkunde

Als MFA in der Augenheilkunde benötigen Sie sehr spezielle Kenntnisse. Vor allem müssen Sie den Umgang mit zahlreichen besonderen Geräten beherrschen. Um Ihnen den Einstieg in diesen Spezialbereich zu erleichtern, ist im Springer-Verlag das Buch „Arbeitsplatz Augenpraxis“ erschienen. Dieses Buch erläutert neben zahlreichen Augenerkrankungen auch die für die MFA wichtigen Voruntersuchungen wie Visusbestimmung, Perimetrie, Autorefraktometer. Eigene Kapitel sind unter anderem den Themen Vorsorgeuntersuchungen, Augenoperationen, Laserbehandlungen und Kontaktlinsen gewidmet. Wer sich umfangreicher fortbilden will, sollte das Lehrangebot der Ärztekammern und Kassenärztlichen Vereinigungen nutzen (siehe dazu PPA 12/2015, Seite 8).

 

Weiterführende Hinweise

  • B. Hartmann, W. Goertz: Arbeitsplatz Augenpraxis. Wissen für die medizinische Fachangestellte. Springer Verlag Berlin Heidelberg 2013, ISBN 978-3-642-35259-1, 29,99 Euro.
  • Fortbildungscurriculum der Bundesärztekammer „Augenheilkundlich-technische Assistenz“ online unter http://tinyurl.com/q6klmes
Quelle: Ausgabe 12 / 2015 | Seite 5 | ID 43680101