Praxiswissen auf den Punkt gebracht.
logo
  • Meine Produkte
    Bitte melden Sie sich an, um Ihre Produkte zu sehen.
Menu Menu
MyIww MyIww

· Fachbeitrag · Fortbildung

Präventionsangebote für Kinder, Jugendliche und Erwachsene anbieten

von Katharina Münster, Medienbüro Medizin (MbMed), Hamburg

| Immer wieder dringt durch die Nachrichten: Deutschlands Kinder sind zu dick, kommen früher mit Alkohol in Berührung und bewegen sich zu wenig. Aber auch Eltern vernachlässigen wichtige Früherkennungsuntersuchungen und sollten besser aufgeklärt werden. In zwei Fortbildungen lernen MFA, Kinder, Jugendliche und Erwachsene über einen gesunden Lebensstil aufzuklären. |

Prävention entlastet den Hausarzt

In den curriculären Fortbildungen der Ärztekammer Westfalen-Lippe „Prävention im Kindes- und Jugendalter“ sowie „Prävention bei Jugendlichen und Erwachsenen“ vertiefen MFA ihre fachlichen und didaktischen Fähigkeiten zu verschiedenen Präventionsthemen. MFA werden geschult, verschiedene Präventionsmaßnahmen durchführen zu können. In der ambulanten Versorgung von Patienten unterstützen sie den Hausarzt bei Präventionsmaßnahmen und motivieren bzw. schulen Eltern und Patienten. Außerdem helfen sie dem Arzt, die Maßnahmen zu organisieren und durchzuführen.

Curriculum: Prävention im Kindes- und Jugendalter

Auf das Curriculum „Prävention im Kindes- und Jugendalter“ entfallen insgesamt 84 Stunden.

 

Thema 1: Kommunikation und Gesprächsführung

MFA müssen in Gesprächen mit Eltern und Patienten über ein großes Maß an Feingefühl verfügen. Wie weisen sie Eltern auf Fehlverhalten hin? Welche Lösungsmöglichkeiten schlagen sie vor? Wie gehen sie mit pubertierenden Jugendlichen um? Hier gilt es, verschiedene Kommunikationsbedürfnisse zu erkennen und die richtigen Techniken anzuwenden. Zudem entwickeln die MFA Methoden, um Nähe und Distanz zu regulieren und sich gegebenenfalls mit Kollegen über besonders schwierige Fälle auszutauschen.

 

Thema 2: Wahrnehmung und Motivation

In diesem Themenblock geht es darum, die Situation der Patienten und Angehörigen zu erkennen und sie zum Mitmachen zu bewegen. Wo liegen die Probleme der Patienten? Was kann verbessert werden? Wie werden sie von ihrem sozialen Umfeld unterstützt? Wie können die Patienten motiviert werden? Wichtig ist schließlich, dass die Patienten und Eltern aktiv an den Präventionsmaßnahmen teilnehmen und diese im Alltag umsetzen.

 

Thema 3: Moderation

Im Wesentlichen erlangen die Teilnehmer die Fähigkeit, Präventionsmaßnahmen vorzutragen. Die MFA lernen, Einzel- oder Gruppengespräche mit Eltern und Jugendlichen zu führen und festigen diese Kenntnisse anschließend anhand von Rollenspielen und Übungen. Die erworbenen Einblicke können danach für Infoabende in Kindergärten oder Schulen genutzt werden.

 

Thema 4: Entwicklung und Familie

In diesem Themengebiet lernen die Teilnehmer die Meilensteine kindlicher Entwicklung sowie entwicklungspsychologischer Grundlagen von Kindern und Jugendlichen kennen. Außerdem werden Kinder- und Jugendrechte vertieft und systemische und dynamische Aspekte von Familie aufgezeigt.

 

Thema 5: Primäre Prävention in Kindheit und Jugend

Dieser Bereich behandelt verschiedene Beispiele von Präventionsmaßnahmen, die Patienten und Eltern einhalten sollten. Eltern bekommen u.a. Tipps, wie sie mit Allergien richtig umgehen, wie sie ihre Kinder motivieren, sich mehr zu bewegen und wann welche Impfungen einzuhalten sind. Die MFA klären weiterhin über Missbrauch, körperliche Gewalt und Früherkennungsuntersuchungen von U1 bis J1 auf. Was bedeuten diese Maßnahmen und wie können sie im Alltag umgesetzt werden?

 

Thema 6: Sekundäre und tertiäre Prävention

Durch verschiedene Faktoren wie beispielsweise Umwelteinflüsse, Vererbung und Ernährung sind auch schon Kinder und Jugendliche von chronischen Krankheiten wie beispielsweise Asthma und Diabetes betroffen. Durch Disease-Management-Programme (DMP) werden chronisch kranke Patienten langfristig und präventiv begleitet. Dabei schulen MFA die Kinder und Jugendlichen, wie sie richtig mit ihrer Krankheit umgehen und weisen auf mögliche Rehabilitationsmaßnahmen hin.

 

Thema 7: Organisation, Kooperation und Qualitätsmanagement

Die MFA sollen fähig sein, Ärzten unterstützend zur Seite zu stehen. Dazu führen sie die Organisation und das Qualitätsmanagement von Patienten- und Elternschulungen durch, gestalten Kooperationen im Team und mit externen Partnern, nutzen soziale Netzwerke und übernehmen abschließend auch die Dokumentation und Abrechnung der erbrachten Leistungen.

 

Kosten für das gesamte Curriculum

975 Euro für MFA/Praxisinhaber, die Mitglied der Akademie der Ärztekammer Westfalen-Lippe (ÄKWL) und der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe (KVWL) sind. 1.025 Euro für MFA/Praxisinhaber, die nicht Mitglied der Akademie der ÄKWL und der KVWL sind. Und 925 Euro für Arbeitslose und Menschen im Erziehungsurlaub.

Curriculum: Prävention bei Jugendlichen und Erwachsenen

Auf das Curriculum „Prävention bei Jugendlichen und Erwachsenen“ entfallen 80 Stunden.

 

Thema 1: Verhaltensprävention

Hier liegt der Fokus auf Maßnahmen, die durch das aktive Verhalten der Patienten beeinflusst werden können. Die MFA zeigen, wie sich Kinder, Jugendliche und auch Erwachsene gesund ernähren und ausreichend bewegen. Zudem warnen sie vor gesundheitsschädigendem Verhalten und sexuell übertragbaren Infektionskrankheiten.

 

Thema 2: Verhältnisprävention

Wie können Krankheiten entstehen? Welche Faktoren spielen dabei eine Rolle? Die MFA informieren die Patienten, wie sie ihre Situation im Alltag verbessern können, um Erkrankungen vorzubeugen.

 

Thema 3: Maßnahmen von Suchtprävention

Alkohol und Zigaretten gehören bei vielen Jugendlichen und Erwachsenen zum Alltag - leider auch Medikamente und illegale Drogen. Die MFA sind nach dem Abschluss des Curriculums in der Lage, in Gesprächen eine Sucht oder ein Missbrauchspotenzial zu erkennen und die Patienten über die Folgen von Alkohol, Drogen und Nikotin aufzuklären.

 

Thema 4: Bedeutung und Chancen von Früherkennungsuntersuchungen

Durch Früherkennungs- und Vorsorgeuntersuchungen können Krankheiten frühzeitig erkannt und entsprechend behandelt werden. Deshalb ist es wichtig, dass MFA über die Vorteile und die tatsächliche Durchführung der Untersuchungen aufklären. Gerade in der Krebsvorsorge setzen sich Früherkennungsuntersuchungen immer mehr durch.

 

Thema 5: Organisation

Eine Praxis hat Kontakt zu Patienten, Laboren, anderen Fachärzten, Krankenkassen und weiteren externen Partnern. Hier lernen die MFA, das Zusammenspiel der verschiedenen Player zu organisieren und zu lenken. Zudem erhalten sie Einblicke, um die Dokumentation, Abrechnung und das Qualitätsmanagement in der Praxis zu übernehmen.

 

Kosten für das gesamte Curriculum

185 Euro für Mitglieder der Akademie für ärztliche Fortbildung der ÄKWL und der KVWL, 215 Euro Nicht-Mitglieder und 155 Euro für Arbeitslose und Menschen im Erziehungsurlaub.

 

Beachten Sie: Beide curriculäre Fortbildungen werden durch die Anfertigung einer Hausarbeit zertifiziert. Das Gelernte geben die Teilnehmer dabei anhand eines selbst gewählten Themas - sinnvollerweise aus dem eigenen Arbeitsumfeld - wieder.

Fazit

In den Aufgabenbereich jeder MFA fällt vermehrt der Informationsaustausch mit Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen. Dieser Aspekt hat daher auch eine zentrale Bedeutung in den beiden Fortbildungen. So können MFA nach Abschluss der Fortbildungen problemlos sowohl Eltern über Früherkennungsuntersuchungen (U1 bis J1) bei Kindern und Jugendlichen aufklären als auch Tipps für den Alltag geben, wie Patienten sich mehr bewegen und gesünder ernähren können. Auch ein bei Patienten möglicherweise bestehendes Sucht- oder Missbrauchspotenzial können die MFA erkennen und entsprechend handeln.

Quelle: Ausgabe 07 / 2011 | Seite 13 | ID 27561860