· Fachbeitrag · Arbeiten im Ausland
Aufbruch gen Osten: Arbeiten in Polen
von Yvonne Schuck, Medienbüro Medizin (MbMed), Hamburg
| Als MFA aus Deutschland nach Polen auswandern - diese Richtung ist eher ungewöhnlich. Viel häufiger kommt medizinisches Fachpersonal aus unserem östlichen Nachbarland in die Bundesrepublik - besonders Ärzte und Pflegekräfte. Doch auch in Polen werden kompetente Arbeitskräfte im Gesundheitswesen gebraucht, zumal der demografische Wandel zu einer zunehmend alternden Bevölkerung führt. |
EU-Bürger können in Polen problemlos arbeiten
Auswandern - das klingt nach fernen Ländern, gutem Wetter, Meer und Palmen. Doch die Realität sieht meist ganz anders aus. Neben dem klassischen Auswanderungsland USA zieht es Deutsche vor allem in unsere unmittelbaren Nachbarländer. Beliebtestes Ziel deutscher Auswanderer ist die Schweiz. Doch auch Polen steht weit oben auf der Liste. Noch vor Österreich liegt es auf Platz drei der beliebtesten Auswanderungsländer. Das zeigen die Zahlen des Statischen Bundesamts (Stand: Mai 2010). Mit 12.000 Auswanderern liegt Polen knapp vor Österreich mit 11.800 und deutlich vor Großbritannien mit 9.100 und Spanien mit 7.800. Doch warum entscheiden sich Auswanderungswillige ausgerechnet für Polen? Was hat unser Nachbar im Osten zu bieten? Und kommt auch für deutsche MFA ein Umzug dorthin infrage?
Leben in Polen wirklich günstiger?
Nicht nur Abenteuerlust und schöne Landstriche bewegen Menschen dazu, nach Polen auszuwandern. Auch die niedrigen Lebenshaltungskosten wirken attraktiv. Die Kosten für Lebensmittel liegen in Polen nur bei 67 Prozent des EU-Durchschnitts, in Deutschland hingegen bei 105 Prozent. Doch seit Polen 2004 der EU beigetreten ist, sind auch dort die Preise deutlich gestiegen. Gerade in deutsch-polnischen Grenzgebieten haben sich beispielsweise die Mieten nahezu angeglichen. Darüber hinaus liegen mit den Lebenshaltungskosten auch die Löhne auf niedrigem Niveau: Polen ist zwar kein Billiglohnland, das Durchschnittsgehalt ist aber deutlich niedriger als in Deutschland. In den großen Städten, wie Warschau, Danzig oder Breslau, sind die Gehälter am höchsten. Allerdings ist dort auch das Leben wesentlich teurer als auf dem Land. Darüber hinaus verdient am ehesten überdurchschnittliche Gehälter, wer in der IT-Branche, dem Banken- und Versicherungswesen arbeitet.
MERKE | Als MFA müssten Sie voraussichtlich mit einem deutlich niedrigeren Gehalt als in Deutschland rechnen. Die genauen Verdienstmöglichkeiten hängen aber von vielen verschiedenen Faktoren ab, zum Beispiel wo in Polen und in welcher Funktion Sie arbeiten würden. |
Nach Polen stehen alle Türen offen
Als Polen 2004 der Europäischen Union beitrat, galten für die Freizügigkeit der Arbeitnehmer noch Einschränkungen. Um in Polen arbeiten zu dürfen, mussten deutsche Staatsangehörige eine Arbeitserlaubnis beantragen. Das ist seit 2007 nicht mehr der Fall. Halten sich EU-Bürger bis zu drei Monaten in Polen auf, ist keine Registrierung nötig. Wer langfristig dort bleiben und arbeiten möchte, muss sich bei den zuständigen Wojewoden (Bezirksämtern) anmelden. Informationen zu den 16 polnischen Wojewodschaften finden Sie beispielsweise auf www.info-polen.com.
Der Arbeitsmarkt in Polen
In Polen wird zwar nach wie vor in Zloty bezahlt, die Eurokrise ist an dem Land dennoch nicht spurlos vorübergegangen. Die Folge: Nach Jahren des Booms lässt sich in der Wirtschaft mittlerweile ein leichter Abwärtstrend erkennen. Im März 2012 lag die Arbeitslosenquote in Polen mit 10,1 Prozent fast genau im EU-Durchschnitt (10,2 Prozent). Wie in vielen anderen europäischen Ländern sind vor allem junge Menschen betroffen: So waren im März 2012 rund ein Viertel (26,7 Prozent) der 15- bis 24-jährigen Polen arbeitslos. Damit liegt das Land bei der Jugendarbeitslosigkeit über dem EU-weiten Durchschnittswert von 22,6 Prozent.
Dennoch haben einige Berufsgruppen gute Chancen, in Polen einen Arbeitsplatz zu finden. Nach Angaben der Zentralen Auslands- und Fachvermittlung der Bundesagentur für Arbeit (www.zav.de) sind dies neben IT- und Finanzdienstleistern, Ingenieuren und Bürokaufleuten unter anderem auch Fachkräfte aus der Gesundheits- und Krankenpflege. Gerade im Gesundheitsbereich sind in den vergangenen Jahrzehnten viele qualifizierte Arbeitnehmer aus Polen abgewandert. OECD-Daten zufolge gibt es europaweit zum Beispiel fast nirgends so wenige Hausärzte wie in Polen. Das Land braucht aber dringend medizinisches Fachpersonal und die Nachfrage wird in Zukunft noch weiter wachsen. Denn auch in Polen findet ein demografischer Wandel statt, der sich unter anderem auf die medizinische Versorgung auswirkt.
Medizintourismus und Gesundheitsurlaub
In manchen Gegenden Polens ist der Bedarf an medizinischen Fachkräften vor allem erhöht, weil sich dort in den vergangenen Jahren ein wahrer Medizin-Tourismus etabliert hat. Arztpraxen und Klinikzentren bieten Patienten aus Westeuropa medizinische Leistungen zu deutlich günstigeren Preisen als im jeweiligen Heimatland. Deutsch als Muttersprache und eine deutsche Ausbildung könnten Ihnen in diesem Bereich gegenüber Mitbewerbern einen Vorteil verschaffen.
PRAXISHINWEIS | Versteifen Sie sich bei Ihrer Arbeitsplatzsuche nicht ausschließlich auf Ihren erlernten Beruf. Vielleicht bieten sich andere Möglichkeiten in verwandten Tätigkeitsfeldern, etwa im Rehabilitations- und Kurbereich an. |
Voraussetzung: „Mówię po polsku!“ - Ich spreche polnisch!
Egal wohin Sie auswandern möchten, lernen Sie die Landessprache! Selbst wenn Sie in Ihrem beruflichen Umfeld deutsch sprechen sollten, ist es doch für den Alltag und Ihre Integration unverzichtbar. Besonders MFA, die engen Kontakt mit polnischen Patienten haben, müssen sich problemlos verständigen können. Aus fachlicher Sicht ist es unerlässlich, dass Sie etwa Behandlungen und Medikamenteneinnahme erklären können. Ebenso müssen Sie in der Lage sein, zu verstehen, was die Patienten Ihnen mitteilen.
Bevor Sie also die Koffer packen und nach Polen reisen, besuchen Sie einen Sprachkurs - am besten in Verbindung mit einem längeren Aufenthalt im Land. Denn im persönlichen Kontakt mit Muttersprachlern lernt sich eine Sprache immer noch am besten. Können Sie nicht nach Polen, hilft vielleicht ein sogenanntes Sprachtandem. Damit sind zwei Personen gemeint, die einander dabei helfen, die Muttersprache des jeweils anderen zu lernen.
Bewerbung: Am besten auf Polnisch
Für welche Stelle Sie sich auch bewerben, achten Sie auf vollständige und fehlerfreie Bewerbungsunterlagen - am besten auf Polnisch. So zeigen Sie, dass Sie die Sprache beherrschen. Um Fehler zu vermeiden, lassen Sie die Unterlagen am besten von einem Muttersprachler gegenlesen. Unabhängig davon, ob Sie sich auf eine ausgeschriebene Stelle oder initiativ bewerben, gehören ein aussagekräftiges Anschreiben und ein auf die Stelle angepasster Lebenslauf in die Bewerbung. Manche medizinischen Berufe in Polen sind staatlich reglementiert, etwa Arzt, Krankenschwester und Hebamme. Der Beruf der MFA zählt nicht dazu. Sie sind also nicht auf eine staatliche Anerkennung Ihrer Ausbildung angewiesen, sondern müssen Ihren zukünftigen Arbeitgeber mit Ihrer Bewerbung von Ihrer Qualifikation überzeugen.
Gestalten Sie das Anschreiben individuell und gehen Sie auf die ausgeschriebene Stelle ein. Schreiben Sie, warum Sie sich gerade in dieser Praxis bewerben und welche Berufserfahrung und Qualifikationen Sie mitbringen. Übrigens, das Bewerbungsschreiben heißt auf Polnisch „List motywacyjny“ - Motivationsbrief. Das sollten Sie beim Schreiben bedenken und ruhig auch erklären, warum es Sie gerade nach Polen zieht.
Allen, die nach Polen auswandern möchten, wünscht PPA alles Gute und „Powodzenia!“ - Viel Glück!
Weiterführende Hinweise
- Erste Anlaufstelle zum Thema Arbeiten im Ausland ist die Zentrale Auslands- und Fachvermittlung der Bundesagentur für Arbeit: www.ba-auslandsvermittlung.de.
- Eine weitere Empfehlung ist das europäische Portal zur beruflichen Mobilität EURES: www.ec.europa.eu/eures
- Auch in der Jobbörse der Bundesagentur für Arbeit können Sie fündig werden: www.jobboerse.arbeitsagentur.de > Erweiterte Suche > Land ändern > Polen
- Weitere empfehlenswerte Jobportale: www.praca.interia.pl, www.praca.gazeta.pl, www.pracuj.pl, www.jobs.pl, www.jobpilot.pl, www.topjobs.pl