· Fachbeitrag · Patientenkommunikation
Beckenbodentraining bei Inkontinenz
von Ursula Katthöfer, Wissenschaftsjournalistin, Bonn, www.textwiese.com
| Patienten, die aktiv etwas gegen ihre Blasenschwäche unternehmen möchten, können ihren Beckenbodenmuskulatur gezielt stärken. Verschiedene Übungen lassen sich unauffällig in den Alltag einbauen. Wichtig ist, den Beckenboden regelmäßig zu trainieren, am besten täglich. So lässt der unfreiwillige Harnabgang sich in den Griff bekommen. |
Richtig heben, richtig husten
Voraussetzung für das Gelingen der Übungen ist, sich des Beckenbodens bewusst zu werden. Ist das geschehen, geht es um die bewusste Anspannung und Entspannung der Muskulatur. Wer Übungen wie diese einmal beherrscht, kann sie immer wieder anwenden:
- Ein schwerer Korb lässt sich besonders gut in breitem Stand heben: Knie gut beugen, das Gesäß nach hinten schieben und mit angespanntem Beckenboden den Korb anheben. Dabei ausatmen.
- Beim Husten entsteht ein starker Druck auf den Beckenboden. In diesem Fall hilft es, sich nach hinten zu drehen, zur Decke zu schauen und erst dann zu husten. Diese Körperhaltung entlastet sehr.
Das Verhalten ändern
Zusätzlich zu den Übungen hilft es häufig, das Verhalten zu ändern. So schadet es, bereits beim ersten Gefühl des Harndrangs die Toilette aufzusuchen. Besser ist, die Abstände zwischen den Toilettengängen zu vergrößern und so die Muskeln zu trainieren. Es ist gefährlich, wenig zu trinken, um der Inkontinenz vorzubeugen. Denn so steigt das Risiko von Blasensteinen und Infektionen. Zwei Liter pro Tag sollten es sein.
Schwangerschaft und Geburt
Nach Schwangerschaft und Geburt sind die Beckenbodenmuskeln schwächer als zuvor. Etwa ein Drittel aller jungen Mütter leidet unter der sogenannten Stressinkontinenz. Beim Husten, Niesen, Lachen oder Heben ihrer Kinder verlieren sie tröpfchenweise Urin. Deshalb sollten junge Frauen bereits während der Schwangerschaft mit dem Beckenbodentraining beginnen und der Inkontinenz vorbeugen.
Das Tabu brechen
Rehabilitationszentren, Sportvereine und Physiotherapeuten vermitteln Übungen zum Beckenbodentraining. Der Kurs im Reha-Zentrum bietet den Spaß in der Gruppe. Er macht deutlich, dass auch andere unter Inkontinenz leiden. Das Tabu wird gebrochen. Der Besuch beim Physiotherapeuten hingegen hat den Vorteil, individuelle Übungen erlernen zu können. Für alle, die sich für Beckenbodentraining interessieren, gilt: Wer sich einen Ruck gibt, findet die passende Hilfe.