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· Fachbeitrag · Online-Marketing

Mehr Vertrauen durch Zertifizierung der Praxis-Website

von Alexandra Köhler, Vorstand Stiftung Gesundheit, Hamburg

| Die Website einer Arztpraxis ist heute ein entscheidendes Werkzeug der Patientenkommunikation. Sie liefert wichtige Informationen über die Praxis, aber auch zu Krankheitsbildern oder Therapiemöglichkeiten und ist oft die erste Anlaufstelle für Patienten. Umso wichtiger ist es, dass die Website rechtlich einwandfrei, leicht verständlich und leicht zu benutzen ist. Eine Zertifizierung, die die Erfüllung dieser Kriterien abbildet, schafft zusätzliches Vertrauen. Die gemeinnützige Stiftung Gesundheit bietet eine solche Zertifizierung seit 2008 an. PPA fasst die wesentlichen Inhalte zusammen. |

Kriterien der Zertifizierung

Die Stiftung Gesundheit hat das Zertifizierungsverfahren gemeinsam mit Professoren von der Fachhochschule Hannover entwickelt. Es fußt auf den bewährten DISCERN-Qualitätskriterien für Patienteninformationen, die 1996 an der Universität Oxford entwickelt wurden (siehe weiterführende Hinweise). Die unabhängigen, externen Gutachter - Mediziner, Medizinrechtler, Gesundheitsjournalisten und Internet-Spezialisten - bewerten den Internetauftritt nach einem Prüfkatalog mit mehr als 100 Kriterien. Nicht bewertet werden medizinische Lehrmeinungen und die Therapieverfahren selbst. Das Prüfverfahren ist in vier Kategorien gegliedert:

 

  • Rechtliche Güte 
  • Werden zum Beispiel die relevanten geltenden Gesetze, wie das Telemediengesetz (TMG), das Heilmittelwerbegesetz (HWG), das Urheberrecht, Berufsrecht und der Datenschutz, korrekt eingehalten?
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  • Publizistische Güte 
  • Ist die Website zuverlässig, sind die Ziele transparent und stellt die Website zum Beispiel die angebotenen Therapieformen in den Zusammenhang zu anderen Therapiemöglichkeiten? Nennt sie Grenzen, Risiken und die Folgen einer ausbleibenden Behandlung?
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  • Nutzerfreundlichkeit inklusive Aspekte der Barrierefreiheit von Websites  
  • Ist zum Beispiel eine Sitemap vorhanden? Sind besuchte Links gekennzeichnet, etwa durch Farbwechsel? Und ist die Site barrierefrei für Menschen mit besonderen Bedürfnissen?
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  • Suchmaschinenfreundlichkeit 
  • In dieser Kategorie wird geprüft, wie leicht die Seite von Suchmaschinen im Internet gefunden werden kann. Ausschlaggebend dafür ist zum Beispiel, ob individuelle Beschreibungen der Seite („description tags“) vorhanden oder die Texte suchmaschinenoptimiert sind. Lesen Sie dazu auch den Beitrag „Qualitäts-Check für Ihre Praxis-Website“ (PPA 02/2015, Seite 19).

 

 

Vorteile einer Zertifizierung

Die Zertifizierung einer Website nach den beschriebenen Kriterien bietet dem Betreiber mehrere Vorteile, die für die Gewinnung und Bindung von Neupatienten von besonderer Bedeutung sind.

 

Zertifikat bescheinigt Qualität

Die Gutachter prüfen, ob die Praxis-Website den oben genannten und weiteren Qualitätsmerkmalen entsprechen. Im Ergebnis bekommen die Inhaber der Website konkrete handlungsleitende Empfehlungen, wie sie ihre Internetpräsenz optimieren können. Bei erfolgreicher Prüfung dürfen Ärzte das Siegel „Geprüfte Homepage“ direkt auf ihrer Website abbilden.

 

Vertrauensgewinn bei Patienten

Auf einer zertifizierten Website entspricht die Benutzerfreundlichkeit den Bedürfnissen der Zielgruppe, medizinische Fachbegriffe werden laienverständlich erklärt und die Inhalte entsprechen den gesetzlichen Vorgaben. Dieses dient als Orientierung für Nutzer. Das Siegel steht also für Verlässlichkeit und Verständnis. Dadurch kann ein Vertrauensvorschuss erwartet werden.

 

Vorteil: Sichtbarkeit bei Google

Das erhöhte Patientenvertrauen ist nicht der einzige Vorteil: Mit der Zertifizierung erhalten Website-Betreiber die Möglichkeit, ihre Seiten bei den Suchmaschinen besser zu platzieren. Suchmaschinenoptimierung (SEO) ist entscheidend: Was nützt eine gute Internetseite, wenn sie in den Ergebnislisten nicht zu finden ist? Aus diesem Grund gibt die Stiftung Gesundheit individuell angepasste, konkrete Empfehlungen, um die Websites besser bei Suchmaschinen zu platzieren.

Gültigkeitsdauer und Kosten

Da das Internet schnelllebig ist und die Inhalte der Websites täglich verändert werden können, wird das Gütezertifikat jeweils für ein Jahr verliehen. Zur Verlängerung der Gültigkeit sowie bei größeren strukturellen Umbauten oder Erweiterungen - sprich: nach einem Relaunch - ist eine Nachprüfung erforderlich. Die Kosten des Zertifizierungsverfahrens orientieren sich an Art und Umfang der zu zertifizierenden Website. Dabei macht die Stiftung Gesundheit lediglich die anfallenden Aufwandsentschädigungen für die Gutachter sowie die effektiven eigenen Auslagen geltend.

 

  • Fördermittel beantragen

Die Stiftung Gesundheit Fördergemeinschaft bezuschusst die Zertifizierung von Arzt-Websites im Jahr 2015 mit bis zu 50 Prozent der Kosten - je nach Spendenaufkommen (siehe weiterführende Hinweise).

 

Weitere Gütesiegel für medizinische Websites

Es gibt noch zwei weitere zu erwähnende Gütesiegel für Websites mit Gesundheitsbezug:

  • Aktionsforum Gesundheitsinformationssystem (afgis) e.V.: 1999 vom Bundesministerium für Gesundheit initiiert, 2003 in Verein überführt. Das Siegel basiert jedoch auf reiner Selbstauskunft.
  • Health on the Net Foundation (HON): 1996 als Nicht-Regierungsorganisation in der Schweiz gegründet. Es basierte bis 2009 ausschließlich auf Selbstauskunft, dann wurden zusätzlich die Seiten gesichtet. Es ist vor allem in Frankreich und den USA verbreitet.

 

Weiterführende Hinweise

  • Informationen zu den DISCERN-Qualitätskriterien online unter www.discern.de 
Quelle: Ausgabe 07 / 2015 | Seite 18 | ID 43415320