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· Fachbeitrag · Medizinwissen

Wann ist bei Insektenstichen der Arzt gefragt?

von Dr. med. Marianne Schoppmeyer, Ärztin und Medizinjournalistin, Nordhorn

| Die Temperaturen sind sommerlich warm. Da beginnt nicht nur die Badesaison, auch Insekten machen sich wieder bemerkbar. Und in der Praxis wird der ein oder andere Patient fragen, was denn bei Insektenstichen zu tun sei und wann diese gefährlich werden können. Im Folgenden finden Sie einige nützliche Informationen zum Thema „Insektenstiche“. |

Insektenstiche sind meist harmlos

In der Regel sind Insektenstiche in unseren Breiten harmlos. Sie jucken zwar unangenehm, können schmerzen und sehen nicht schön aus, sind aber nach kurzer Zeit wieder verschwunden. Insekten stechen aus unterschiedlichen Gründen. Bienen, Wespen, Hummeln und Hornissen fühlen sich in der Regel bedroht, beispielsweise, wenn sie sich in die Kleidung verirrt haben, wenn nach ihnen geschlagen wird oder wenn man barfuß auf sie tritt. Mücken und Zecken demgegenüber benötigen das Blut ihres Opfers zur Fortpflanzung bzw. zur Ernährung. Sie stechen, wann immer sich ihnen eine günstige Gelegenheit bietet.

Mückenstiche

Sticht eine Mücke, spritzt sie ihren Speichel in die entstehende Wunde. Dieser Speichel enthält Substanzen, die einen starken Juckreiz hervorrufen, zu Hautrötung und Schwellung führen. Dagegen hilft am besten Kühlen. Kälte verhindert nicht nur die Schwellung, sie lindert auch den Juckreiz. Was vielleicht kurzfristig hilft, aber unbedingt unterlassen werden sollte, ist das Kratzen. Wird ein Mückenstich aufgekratzt, können Bakterien in den Körper eindringen und eine Entzündung hervorrufen.

 

Vorsicht ist auch bei Mückenstichen im außereuropäischen Ausland geboten. Hier können Mücken Krankheiten übertragen wie beispielsweise Malaria, Gelbfieber oder Dengue-Fieber. Jeder Patient, der eine Auslandsreise antritt, muss je nach Reiseland über die Gefahren aufgeklärt werden und sollte entsprechende Schutzmaßnahmen ergreifen.

 

BEACHTEN SIE | Tritt aufgrund eines Mückenstiches eine Entzündung auf oder kommt es zu einer übermäßigen Schwellung an der Stichstelle, sollten Sie als MFA den Patienten immer an den Arzt verweisen.

Bienen- und Wespenstichen

Wenn Wespen oder Bienen stechen, spritzen sie aus ihrer Giftdrüse durch den Stachel Gift in die Haut des Opfers. Stachel und Giftapparat bleiben bei einem Bienenstich meist in der Haut zurück und geben weiter Gift ab, während Wespen ihren Stachel häufig zurückziehen. Das Gift der Insekten ruft dann eine schmerzhafte Hautquaddel an der Stichstelle hervor. Im Gegensatz zu Mückenstichen kann ein Wespen- oder Bienenstich aber durchaus gefährlich werden. Dies ist der Fall

 

  • bei Stichen im Mund-/Rachenbereich oder an den Lippen, da es beim Anschwellen des Stiches zur Behinderung der Atmung kommen kann,
  • wenn ein Insektenstich nicht abheilt und sich entzündet hat und
  • bei einer Insektengiftallergie (siehe unten).

Erste Hilfe bei Bienen- und Wespenstichen

Da bei Bienenstichen der Stachel häufig noch in der Haut steckt, sollte dieser vorsichtig mit einer Pinzette entfernt werden oder alternativ mit dem Fingernagel oder einem Messer abgekratzt werden. Dann sollte die Einstichstelle gekühlt werden, um einem Anschwellen der Stichstelle entgegenzuwirken.

 

Ein bekanntes Hausmittel ist auch die Zwiebel. Sie wirkt entzündungshemmend, wenn sie halbiert auf den Stich gehalten wird. Außerdem helfen juckreizstillende und entzündungshemmende Salben, Gele oder Stifte. Bei Stichen im Mund oder an den Lippen sollten nach Möglichkeit Eiswürfel gelutscht werden.

Insektengiftallergie

Bei einer Insektengiftallergie reagiert der gesamte Körper des Betroffenen mit einer gesteigerten Empfindlichkeit gegen einzelne Eiweißbestandteile des Insektengifts. Dies betrifft etwa zwei bis vier Prozent der Deutschen. Beschwerden treten meist nach 10 bis 30 Minuten auf. Sie werden in fünf Schweregrade eingeteilt.

 

  • Die fünf Schweregrade der Insektengiftallergie
  • Stufe 1: Die Schwellung an der Stichstelle ist größer als 10 cm und hält länger als 24 Stunden an. Solche Reaktionen treten bei bis zu 25 Prozent der Bevölkerung auf.
  • Stufe 2: Juckreiz und Rötung am ganzen Körper
  • Stufe 3: Zusätzlich zu den in den Stufen 1 bis 2 genannten Symptomen treten auf: Übelkeit, Bauchkrämpfe, Atemnot, Pulsanstieg und Blutdruckabfall
  • Stufe 4: Zusätzlich zu den in den Stufen 1 bis 3 genannten Symptomen treten auf: Erbrechen, Durchfall, Bronchospasmus mit Zyanose
  • Stufe 5: Lebensbedrohlicher allergischer Schock: Kreislaufstillstand, Atemstillstand, Bewusstlosigkeit. In Deutschland werden jährlich etwa 20 Todesfälle aufgrund einer Insektengiftallergie statistisch erfasst.

Die meisten Patienten erholen sich nach einem ersten Stich folgenlos. Besteht eine Insektengiftallergie, zeigt sich diese meist erst nach mehreren Stichen, da der Körper wiederholt mit dem Insektengift in Kontakt kommen muss, um eine Allergie zu entwickeln. Wird jedoch eine Insektengiftallergie vermutet, sollte eine entsprechende Diagnostik durch den Arzt stattfinden und dann eine Therapie angeschlossen werden.

Akute Therapie der Insektengiftallergie

Wichtig für jeden Insektengiftallergiker sind seine Notfallmedikamente: Ein Antihistaminikum, ein Kortikosteroid und ein Adrenalin-Autoinjektor. Diese sollte er immer bei sich tragen, um sich bei einem Bienen- oder Wespenstich schnell selbst helfen zu können. So kann er die schlimmsten Allergiebeschwerden beherrschen bis der Notarzt eintrifft. Auch Familie und Freunde sollten über die Allergie informiert sein, damit sie im Notfall richtig handeln können.

Langfristig: Spezifische Immuntherapie

Liegt eine Bienen- oder Wespenstichallergie vor, besteht die einzige ursächliche Behandlung in einer Spezifischen Immuntherapie (SIT), auch Hyposensibilisierung oder Allergie-Impfung genannt. Diese wird meist vom Dermatologen durchgeführt. Dafür werden dem Patienten kleinste Menge des Insektengiftes subcutan gespritzt. Alternativ stehen auch Tropfen oder Tabletten für die Immuntherapie zur Verfügung. Die Applikation des Insektengiftes wird über drei bis fünf Jahre monatlich wiederholt. So kann sich der Körper nach und nach an das Insektengift gewöhnen und die Fehlreaktion des Immunsystems kann umgelenkt werden. 75 bis 95 Prozent der Betroffenen profitieren von einer solchen Therapie auch noch Jahre nach deren Beendigung.

Schutz vor Insektenstichen

Folgende Ratschläge können Sie als MFA Insektengiftallergikern in der Praxis geben:

 

  • Der beste Schutz vor Insektenstichen ist Kleidung, die die Haut bedeckt.

 

  • Alternativ können insektenabweisende Geruchsstoffe (ätherische Öle) oder Insektenschutzmittel auf die Haut aufgetragen werden.

 

  • Nähern sich Bienen oder Wespen, sollte man nicht gezielt nach den Tieren schlagen, sondern sie langsam und ungezielt verscheuchen.

 

  • Vorsicht ist beim Barfußlaufen auf Wiesen und in der Nähe von Blumenbeeten geboten.

 

  • Beim Essen und Trinken im Freien sollte nicht aus offenen Dosen oder nicht einsehbaren Flaschen getrunken werden, es könnte eine Wespe darin schwimmen.

 

  • Süßigkeiten, Fleisch oder Nahrungsreste sollte man nicht offen herumstehen lassen.

 

  • Im Haus kann man sich durch Insektenschutzgitter an den Türen schützen und nachts unter einem Moskitonetz schlafen.
Quelle: Ausgabe 06 / 2012 | Seite 11 | ID 33540660