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· Fachbeitrag · Kommunikation

Körpersprache verstehen und nutzen

von Dr. Doortje Cramer-Scharnagl, Edewecht

| Gelungene Kommunikation hängt nicht allein von der Wortwahl ab. Wer Körpersprache richtig zu deuten weiß, schätzt Patienten schneller richtig ein und kann das eigene Kommunikationsverhalten entsprechend anpassen. Obwohl jeder Mensch in seiner Körpersprache einzigartig ist, gibt es bestimmte Signale, die nach Typ gehäuft vorkommen. Wichtig bei der Interpretation ist es, auch den Kontext der Situation und andere Merkmale wie Mimik und Wortwahl mit einzubeziehen. Die Klassifikationen der folgenden Patiententypen sind daher erster Hinweisgeber, keine 1:1-Zuordnungen. |

Der schüchterne Patient

Betritt ein schüchterner Patient den Raum, fällt auf, dass er wenig Körperspannung hat oder sich verkrampft. Seine zögerlichen Bewegungen nehmen wenig Raum ein. Der Blick ist unsicher und eher ausweichend. Seine Begrüßung fällt zurückhaltend-höflich aus, er spricht leise, manchmal stockend. Während er sein Anliegen schildert, wirkt es, als wisse er nicht, wohin mit seinen Händen. Vielleicht nestelt er an seiner Kleidung oder seiner Tasche herum oder er schiebt die Auslage auf dem Empfangstresen hin und her.

 

  • So gehen Sie optimal auf schüchterne Patienten ein
  • Begrüßen Sie den Patienten freundlich, aber nicht zu gefühlsbetont.
  • Lassen Sie Ihre Stimme warm und freundlich klingen.
  • Verwenden Sie ruhige und fließende Gesten, verzichten Sie auf harte, schnelle, heftige Bewegungen.
  • Nehmen Sie eine ungezwungene, aber nicht zu lässige Körperhaltung ein.
  • Vermeiden Sie alles Laute und Dynamische.
 

Der sorgsame Patient

Sorgsame Patienten, legen besonderen Wert auf umfassende Informationen und qualitätsvolle Versorgung. Sie sind oft an ihrer leicht nach vorn gebeugten Körperhaltung und ihrer reduzierten Gestik zu erkennen, bei der ordnende Bewegungen dominieren. Ihre Begrüßung ist höflich und respektvoll, das freundliche Lächeln abwartend, der Blick prüfend, gelegentlich auch zweifelnd.

 

  • So gehen Sie optimal auf sorgsame Patienten ein
  • Hören Sie dem Patienten genau zu und seien Sie bereit, ihm auch Hintergründe (z. B. von Maßnahmen oder Terminen) zu erläutern.
  • Signalisieren Sie durch einen wachen und interessierten Blick, dass Sie ausreichend Zeit für ihn haben.
  • Verwenden Sie offene, ruhige Gesten, die weder zu groß noch zu klein sind - dies zeigt ihm, dass Sie nichts vortäuschen oder verheimlichen.
  • Setzen Sie durchaus auch einmal kritische Mimik ein (z. B. Stirnrunzeln).
 

Der proaktive Patient

Kommt ein Patient mit geschmeidigen Bewegungen und aufrechter Körperhaltung energisch an die Rezeption, ins Sprech- oder Untersuchungszimmer, blickt Sie dabei direkt an und begrüßt Sie mit lauter, angenehmer Stimme, haben Sie vermutlich einen „Macher“ vor sich. Er schätzt weder ein übereifriges Behandlungsteam noch Menschen, die ihm seine Macherrolle streitig machen könnten.

 

  • So gehen Sie optimal auf proaktive Patienten ein
  • Erwidern Sie offen den Blick des Patienten.
  • Richten Sie sich auf und achten Sie auf eine gute, dynamische Körperspannung.
  • Sprechen Sie selbst lebhaft und nicht zu leise.
  • Unterlassen Sie kritische oder dominante Signale (z. B. eine gerunzelte Stirn oder Blicke von oben herab).
  • Vermeiden Sie unterwürfige, übereifrige oder zaghafte Signale (z. B. hochgezogene Schultern).
 

Der bestimmende Patient

Bestimmende Patienten schätzen eine gute Versorgung und Vertrauensbasis, allerdings ist ihnen sehr wichtig, dass die Hierarchie gewahrt wird - mit ihnen an der Spitze, sonst wenden sie sich lieber ab. Das gilt nicht nur gegenüber dem Behandlungsteam, sondern auch für den Arzt. Sie verhalten sich förmlich, Gestik und Mimik sind kurz und reduziert. Ihre Blicke wirken stechend oder prüfend, die Körperhaltung ist aufrecht und manchmal fast erstarrt.

 

  • So gehen Sie optimal auf bestimmende Patienten ein
  • Respektieren Sie die Position und das Wissen des Patienten, indem Sie auf jede eigene Dominanzgestik verzichten und ihn nicht belehren.
  • Setzen Sie eine höfliche und reduzierte Mimik ein.
  • Nehmen Sie eine aufrechte, offene Körperhaltung ein, die Aufmerksamkeit und Souveränität, aber keine Dominanz vermittelt.
  • Verzichten Sie auf zu lässige oder unterwürfige Signale.
 

Bleiben Sie authentisch!

Ebenso wie die vier beschriebenen Patiententypen keine 1:1-Zuordnungen darstellen, sollten Sie die zugehörigen Handlungsempfehlungen als Empfehlungen betrachten und nicht sklavisch befolgen. Seien Sie freundlich, aber bleiben Sie authentisch (siehe PPA 02/2010, Seite 18 und PPA 08/2016, Seite 17). Eine aufrechte und entspannte Körperhaltung strahlt Kompetenz aus und Sie sind zudem länger aufnahme- und einsatzbereit. Im Stehen wirken nach vorne ausgestreckte Arme mit nach außen gedrehten Handflächen offen und als freundliches Willkommenszeichen. Ihr Blick sollte direkt und aufmerksam, die Gestik darf in der Regel lebhaft sein (die Ausnahmen sind oben beschrieben). Achten Sie darauf, dass Ihre Augen mitlächeln, denn nichts wirkt abweisender als ein aufgesetztes Lächeln, bei dem nur die Mundwinkel hochgezogen werden.

Quelle: Ausgabe 09 / 2016 | Seite 17 | ID 44215173