08.01.2008 | Teammanagement
Klimawandel – auch in Ihrer Praxis? Steuern Sie rechtzeitig gegen!
Ein schlechtes Betriebsklima hat mittelfristig weitaus größere negative Auswirkungen auf den Praxiserfolg als viele Chefs glauben. Wie Sie die Gefahr frühzeitig erkennen können und welche Möglichkeiten es gibt, um gegenzusteuern, erfahren Sie in diesem Beitrag.
Vorübergehende oder dauernde Streitigkeiten?
Es ist wichtig, Seismographen für Signale zu entwickeln, die am Anfang meist noch sehr unterschwellig in der Kommunikation mitschwingen. Ein gestörtes oder gar bereits schlechtes Betriebsklima wirkt sich nicht nur lähmend auf den Praxisbetrieb aus. Es knirscht hörbar im Getriebe und die Zahnräder der einzelnen Funktionsbereiche einer Praxis können nicht mehr reibungslos ineinander greifen.
Beispiel
Die Praxis Dr. W ist am Wochenende zum Notfalldienst eingeteilt. Normalerweise regeln die Mitarbeiterinnen unter sich, wer am Samstag und wer am Sonntag kommt. Doch dieses Mal will es nicht klappen. Erst merkt Dr. W nur, dass die Diskussion immer wieder an Lautstärke gewinnt, dann schnappt er bissige Kommentare auf. Kurz darauf wird der Konflikt offen an ihn weitergereicht und er soll entscheiden. Die Kolleginnen können sich partout nicht über die Einteilung zum Notfalldienst einigen. Dr. W weiß, dass er sich bei dieser Aktion nur zwischen alle Stühle setzen kann. Er kann diese unerfreuliche Situation als Teil des normalen Ärgers im Praxisalltag ansehen und wieder zur Tagesordnung übergehen. Doch er kann darin auch Vorboten erkennen, dass in seinem Praxisteam etwas nicht stimmt. Jahrelang war es nie ein ernsthaftes Problem, wer wann am Wochenende zum Dienst kam. Es waren nicht immer alle mit der Regelung ganz glücklich, aber mal hat die eine und mal eine andere Kollegin nachgegeben. |
Doch auf Dauer viel verhängnisvoller ist ein weiterer Aspekt: Die Patienten registrieren sehr genau, wie der Umgangston in der Praxis ist. Und ihr persönlicher Eindruck vom Betriebsklima ist für die Patienten ein wesentliches Kriterium bei der Einschätzung der Praxis. Das ist mindestens ebenso wichtig wie die ärztliche Leistung, denn diese können die Patienten in den meisten Fällen nicht beurteilen.
Was ist ein gutes Betriebsklima aus Sicht der Mitarbeiter?
In der Wirtschaft ist anerkannt, dass das Betriebsklima maßgeblich von den Führungskräften eines Unternehmens geprägt wird. Dem Vorgesetzten kommt die Rolle eines Katalysators zu, wenn sein Verhalten stimmig ist und es als Vorbild und Ansporn für alle motivierten Mitarbeiter dient. Chefs sind allzu leicht geneigt, das Betriebsklima nur aus der Sicht von oben nach unten zu betrachten. Sie haben eine Idealvorstellung und sehen genau, was alles noch verbesserungswürdig wäre. Die berechtigten Bedürfnisse der Mitarbeiter bleiben nicht selten unbeachtet.
Hier hilft es, sich an den Bedürfnissen der Mitarbeiter zu orientieren. So möchten Mitarbeiter verschiedenen Untersuchungen zufolge ihren Chef bzw. ihre Chefin sehen: Er bzw. sie
- ... ist gerecht und behandelt alle Mitarbeiter gleich.
- ... schätzt die Arbeit der Mitarbeiter und gibt ihnen Anerkennung.
- ... lobt nicht nur außergewöhnliche Leistungen.
- ... steht zu seinem Wort und ist aufrichtig.
- ... kennt die Familienverhältnisse und die Hobbys.
- ... sieht in ihnen nicht nur Arbeitskräfte oder gar einen Kostenfaktor.
- ... reitet nicht auf Fehlern herum und fördert stattdessen die Stärken.
- ... ist selbst von seiner Arbeit begeistert und kann dies weitergeben.
- ... steht seinen Mitarbeitern in schwierigen Situationen zur Seite.
- ... gibt seinen Mitarbeitern gegenüber auch eigene Fehler zu.
- ... bleibt auch in stressigen Situationen ruhig und gelassen.
Die wichtigsten Wünsche der Mitarbeiter sind:
- Das Gehalt muss stimmen.
- Die Urlaubszeit wird nicht diktiert, sondern gemeinsam geregelt.
- Besondere familiäre Situationen werden berücksichtigt.
- Die Praxis fördert und finanziert den Besuch von Fortbildungen.
- Die Mitarbeiter müssen keine Angst vor willkürlicher Kündigung haben.
- Besondere Leistungen wie Urlaubs- oder Weihnachtsgeld sind nicht in das Belieben des Chefs gestellt.
Praxistipp: Beide Listen verdeutlichen die Arbeitnehmersicht – und nur ein Teil der Punkte hat direkt mit finanziellen Vorstellungen zu tun. Das Gehalt muss stimmen – das ist eine Grundvoraussetzung bei jeder Tätigkeit. Aber es lohnt sich auch, einen Blick auf die weiteren Wünsche der Mitarbeiter zu werfen.
Wenn die Mitarbeiter das Gefühl haben, dass ihre wichtigsten Wünsche berücksichtigt werden, sind sie auch zu Kompromissen in anderen Bereichen bereit. Besonders dann, wenn sie merken, dass ihre Bedürfnisse nicht nur widerwillig erfüllt werden, sondern vom Arbeitgeber als berechtigte Anliegen anerkannt werden. Nur Mitarbeiter, die sich wohl fühlen, sind auch bereit, sich besonders anzustrengen und freiwillig viel zu leisten.
Wie kommt es zu Konflikten am Arbeitsplatz?
Wir leben und arbeiten nicht in einer Märchenwelt à la Hollywood. Auch bei einem grundsätzlich guten Betriebsklima kann es zu Konflikten kommen. Chefs sollten bereits die ersten Anzeichen sehr ernst nehmen. Konflikte am Arbeitsplatz belasten das Betriebsklima, was sich in kleinen Teams wie in einer Praxis besonders negativ auswirkt. Die Konflikte mindern die Motivation und Arbeitsleistung. Sensible Arbeitnehmer können dadurch wochenlang ausfallen.
Zu sachlichen Auseinandersetzungen kann es bei der Arbeit immer kommen – das allein ist kein Problem. Doch viel zu oft verlagert sich die zunächst sachliche Auseinandersetzung auf die persönliche Ebene zwischen den Betroffenen. Die sachlich-fachliche Diskussion ist dann nur noch Kulisse für eine Auseinandersetzung im emotionalen Bereich. Die eigentliche Ursache für die Verschärfung des Konflikts ist oft nicht leicht zu erkennen und kann schon längere Zeit zurückliegen.
Wie kann der Chef auf einen Konflikt reagieren?
Wenn ein Konflikt im Team besteht, ist schnelles Einschreiten wichtig. Bringen Sie die Kontrahenten zusammen, damit die wahren Ursachen des Konflikts offen auf den Tisch kommen können. Nur auf dieser Ebene ist eine tragfähige Lösung möglich, die über Lippenbekenntnisse hinausgeht. Das zeigt den Mitarbeiterinnen auch, dass ihre Probleme ernst genommen werden. Auch der Chef sollte daran arbeiten, dass er Ansprechpartner ist und zuhört, wenn Mitarbeiterinnen zu ihm kommen.
Verbesserungsvorschläge sollten nicht gleich abgelehnt werden, nur weil Sie selbst auf Anhieb nicht erkennen können, welche Vorteile sie bringen sollen. Dafür gibt es die Teambesprechungen, die solche Vorschläge nicht nur aus der Sicht des Chefs beleuchten können. Chefs sollten ihren Mitarbeiterinnen das Gefühl geben, dass sie auch mit kritischen Bemerkungen zu ihnen kommen können. Das Feedback sollte genutzt werden, um gemeinsam zu überlegen, was im Team besser gemacht werden könnte.
Fazit
Verlassen Sie sich nicht für alle Zeiten darauf, dass in Ihrer Praxis ein gutes Betriebsklima herrscht. Schärfen Sie Ihre Sinne für das menschliche Miteinander, um schon die leisen Anzeichen einer Störung zu bemerken. Fördern Sie die offene Kommunikation zwischen allen Mitarbeitern. Nicht Klatsch und Tratsch sind hierbei das Motiv. Vielmehr sollten alle Mitarbeiter in einer so kleinen beruflichen Einheit – wie es eine Praxis in der Regel darstellt – auch ein Zusammengehörigkeitsgefühl spüren können.