29.04.2009 | Praxisorganisation
Beeindruckend: Mit Farben, Düften und Licht wecken Sie positive Emotionen
von A. David, Gammertingen und Dr. R. Herzog, Tübingen
Traurig, aber wahr: Nur wenige Patienten können die fachlich-therapeutische Leistung Ihrer Praxis einschätzen. Daher greifen viele Menschen auf ein Ersatzkriterium - das Erscheinungsbild - zurück. Ein Praxisteam, das die eigene Praxis umgestalten möchte, steht vielen Herausforderungen gegenüber. Neben organisatorischen, logistischen und finanziellen Fragen sind auch elementare Fragen der Gestaltung zu klären. Deshalb ist es unerlässlich, dass Sie zunächst analysieren, was Sie mit dem neuen Praxisauftritt erreichen und welche Klientel Sie damit ansprechen wollen. „Praxisteam professionell“ analysiert nachfolgend, welche positiven Emotionen Sie mit welchen Gestaltungsvarianten wecken können.
Wohlgefühl fördert Weiterempfehlung
Viele Patienten verbringen viel Zeit in Ihrer Praxis, ohne dass dies aktive Behandlungszeit wäre. Richtig gestaltet kann eine Praxiseinrichtung die Patienten beruhigen, ihnen Hemmungen nehmen und damit dem Wohlbefinden dienen. Der Patient baut Barrieren ab und ist offener für die Behandlung. Weil Patienten eher die Praxen wählen, in denen sie sich subjektiv wohl fühlen, gerät ein durchdachtes Ambiente somit zu einem absolut förderlichen Wirtschaftsfaktor. Zumal Faktoren, die zur verbesserten Stimmung der Patienten beitragen, mit geringen Kosten zu optimieren sind.
Mit einem einheitlichen Praxisdesign und einer individuellen Gestaltung der Therapieräume - die den Bedürfnissen und Erwartungen Ihrer Patienten entgegenkommen - können Sie dafür sorgen, dass sich Ihre Praxis von anderen positiv abhebt. Das exklusive Ambiente Ihrer Praxis unterstützt die Patienten in ihrem Empfinden, dass der Genesungsprozess, die Behandlungen und letztendlich ihr ganzes Wohlbefinden günstig beeinflusst werden. Vorteil: Die Patienten kommen gerne wieder. Doch nicht nur das: Die Patienten werden Ihre Praxis weiterempfehlen!
Auch das Team profitiert vom Erscheinungsbild der Praxis
Ein angenehmes Ambiente kommt aber nicht nur den Patienten, sondern auch dem Praxisteam zugute - das Wohlbefinden steigt und das Arbeitsklima verbessert sich. Es macht Spaß, im angenehmen Ambiente der Praxis zu arbeiten. Diese positive Grundstimmung wiederum bleibt den Patienten nicht verborgen. Sie fühlen sich wohler und weisen eine höhere Toleranzschwelle gegenüber Unannehmlichkeiten und Unzulänglichkeiten auf.
Haben Sie einen guten Riecher?
Ein oft unterschätzter „Wohlfühlfaktor“ ist der Geruch. Kein anderer unserer Sinne wirkt so unmittelbar auf unsere Stimmung. In keinem Kaufhaus wird daher die Duftsituation heute noch dem Zufall überlassen. Vielen Praxen reicht es dagegen, wenn es nicht „muffelt“.
Mit einer Duftlampe oder elektrischen Verneblern und einigen passenden Duftmischungen kann mit wenig Geld ein angenehmes Raumklima geschaffen werden. Doch Vorsicht! Der Geruch muss dezent eingesetzt werden, er muss an der Grenze zum Wahrnehmbaren bleiben. Mit der gezielten Auswahl naturreiner Öle haben Sie neben dem Effekt der „Patientenberuhigung“ auch ein gutes Mittel zur Reinigung der Atemluft.
Beachten Sie: Einige Düfte sind vollkommen ungeeignet, weil sie unter Umständen krampfauslösend wirken können oder bei einigen Menschen Übelkeit erzeugen. Mit „scharfen“ Düften (zum Beispiel Eukalyptus, Kampfer) sollten Sie daher vorsichtig sein - gerade wenn mit Kindern oder zusätzlich homöopathisch gearbeitet wird.
Eine kleine Auswahl an geeigneten Düften
Analgetische Wirkung | Lavendel, Lorbeer und Pfeffer |
Angst- und stresslösender Effekt | Bitterorange, Basilikum, Kamille römisch, Lavendel, Tea Tree und Ylang Ylang |
Antidepressive Wirkung | Neroli, Bergamotte, Weihrauch, Koriander und Rose |
Ausgleichende und entspannende Wirkung | Riesentanne (Abies grandis), Sibirische Tanne (Abies sibirica) und Bergamotte (Citrus aurantium ssp. bergamia) |
Sedative Wirkung | Mandarine grün oder rot (Citrus reticulata) |
Bekennen Sie Farbe
Der zweite wichtige Wohlfühlfaktor für Ihre Praxis ist die Farbgestaltung. Auch hier lassen sich fast immer relativ preiswert Verbesserungen erreichen. Farbige Applikationen an den Türen, eine neu gestrichene Anmeldetheke, eine luftig lasierte Wand mit beruhigenden Tönen im Wartezimmer und dergleichen können das Bild einer Praxis sehr schnell vorteilhaft verändern. Es muss also nicht immer die teure, neue Möblierung sein. Ein wenig Farbe wirkt oft noch viel stärker. Die Entscheidung für eine Grundfarbe für Ihre Praxisräume hängt von deren Wirkung auf den Einzelnen ab. Jeder Mensch erlebt die Farben anders und jeder Anbieter will mit dem Einsatz von Farben in seinen Räumen etwas anderes bewirken. Viele Bücher beschäftigen sich mit den Wirkungen von Farben. Der folgende Überblick kann deshalb nur einige Impulse zur Farbauswahl bieten.
Farben und ihre Wirkung
Gelb | Das Gelb ist die hellste und leuchtendste Farbe. Sie erfüllt den Raum mit Licht und stimmt Ihre Patienten freudig und heiter. Gelb macht vital. Es soll auch konzentrationsfördernd wirken. Gelbe Farbtöne können Sie gut in Gymnastikräumen oder Arbeitszimmern einsetzen. Weniger empfiehlt sich das reine Gelb in Räumen, die der Entspannung dienen, zum Beispiel in Ruheräumen. |
Rot | Rot ist eine sehr vielseitige Farbfamilie. Die Farbe behält auch in verschiedenen Mischungen ihren starken Charakter. Rot strahlt Wärme und Leidenschaft aus. Dennoch wird es oft als aggressive Farbe empfunden. Sie sollten die Farbe daher vorsichtig einsetzen - am besten nur punktuell: Rote Lichtschalter oder Türklinken als Kontrast zu warmen Holzverkleidungen, rote Blumen im Wartezimmer. In abgemischter Form kann das wärmere Rotbraun (Terrakotta) eingesetzt werden. |
Blau | Blau ist eine passiv wirkende Farbe, die sehr kühl ausfallen kann (aber nicht muss). Die Farbfläche weicht zurück und erzeugt ein Gefühl von Tiefe und Weite. Blau ist entspannend, beruhigend, aber auch heiter. Sie können diese Farbe sehr gut in Räumen einsetzen, die der Entspannung dienen - zum Beispiel den Massageräumen oder -kabinen sowie im Ruheraum. Es muntert die Patienten auf und regt sie gedanklich an. Folglich eignet sich die Farbe auch gut im Arbeitszimmer. Da Blau die Farbe des Wassers ist, eignet es sich natürlich sehr gut für Bäder und Nasszonen. Werden die richtigen Blautöne gewählt, so kann der Raum gemütlich und positiv ausstrahlend wirken. |
Grün | Grün ist die Farbe der Natur und wirkt ruhig und beruhigend. Die Farbe steht für Frische, Gesundheit und Vitalität. Grün sollte in Räumen eingesetzt werden, in denen man Ruhe und Kraft sammelt, zum Beispiel im Wartezimmer oder Ruheraum. Hier soll die grüne Farbe den Stress reduzieren und die Wartezeit positiv beeinflussen. Mit Pflanzen werden in vielen Räumen grüne Akzente gesetzt. Ob Grün kalt oder warm wirkt, hängt sehr stark von der Beleuchtung, also von der Menge und Stärke des einfallenden Lichtes, ab. Achten Sie darauf! |
Violett | Die Wirkung von Violett oder Lila wird stark dadurch beeinflusst, ob Rot oder Blau in dieser Mischfarbe vorherrscht. Lila kann sehr beruhigend und inspirativ wirken. Vor allem zusammen mit Gelb kann violette Farbe sehr lebendig wirken. In lichtarmen Räumen wirkt Lila bzw. Violett dagegen eher traurig. |
Orange | Orange vereinigt die positiven Eigenschaften seiner Grundfarben Rot und Gelb, aus denen es gemischt ist: das Strahlen und die Wärme. Was für die Farben Gelb und Rot erwähnt wurde, kann deshalb auch hier gelten. Etwas schwierig ist es aber, die Farbe Orange abzumischen: Zu dunkle Mischfarben wirken schlicht braun, zu helle Mischfarben wirken süßlich. Sehr gut kann Orange für Kontraste und Farbakzente eingesetzt werden. |
Sehr wichtig ist es, eine stimmige und durchgängige Farbkombination für Ihre Räumlichkeiten zu finden. Möchten Sie Ihre Praxis klassisch oder modern? Lieben Sie Ihre Einrichtung eher sachlich oder verspielt? Durch die Farben und Formen der Einrichtungsgegenstände können Sie den Charakter eines Raumes sehr stark verändern und ihm eine individuelle Note geben.
Setzen Sie Ihre Praxis ins rechte Licht
Zu guter Letzt spielt das Licht eine wesentliche Rolle. Unangenehm blendende Halogenstrahler an der Anmeldung, ungemütliche Neon-Deckenleuchten im Wartezimmer, Sparlampen im Sprechzimmer und düstere Flure sind leider häufig zu sehen. Dabei sind auch hier sinnvolle Veränderungen meist mit wenig Aufwand und geringen Kosten vorzunehmen. So lassen zwei einfache Deckenfluter statt des Neonlichtes ein Wartezimmer wesentlich gemütlicher wirken. „Lichtinseln“ am Anfang und Ende eines Gangs helfen, die Orientierung zu verbessern. Hier lohnt es sich, einmal etwas genauer hinzuschauen. Licht lockt bekanntlich Leute!
Selbst Ihr Praxisschild lässt sich durch eine geschickte Beleuchtung optisch erheblich vergrößern, denn es wird zumindest in den dunkleren Tageszeiten mit einem hellen Lichtkegel als Einheit wahrgenommen. Eine Beleuchtung der gesamten Hauswand oder von Teilen des Gebäudes sorgt fast immer für weitere Aufmerksamkeitseffekte. Selbst wenn die Gestaltung des Gebäudes insgesamt nicht unbedingt vorteilhaft ist, kann das in den Abendstunden durch eine geschickte Beleuchtung zuweilen recht gut kaschiert werden. Auch am Eingang sollte der Fußweg gut ausgeleuchtet werden. Neben der erhöhten Sicherheit erzielen Sie damit zusätzlich die Aufmerksamkeit der Passanten.
Natürlich sollten Sie bedenken, dass diese Effekte nur dann positiv wirken, wenn das, was hell erleuchtet ist, auch einen gepflegten und sauberen Eindruck macht. Sorgen Sie unbedingt für ein ansprechendes Praxisschild und einen gepflegten Eingangsbereich. Vor allem bei Praxen in Innenstädten wirkt der Eingangsbereich oft öde und trostlos. Dabei lassen sich Wände und Durchgänge mit zusätzlichem Licht und ein wenig Farbe in regelrechte Erlebnisbereiche umgestalten.
Mit einer Corporate Identity das Praxisimage abrunden
Ziel einer Corporate Identity (CI) - der Identität, dem Image - ist es, der Praxis ein Gesicht zu geben. Dies funktioniert über das Erscheinungsbild der Praxisräumlichkeiten (Düfte, Farben, Licht), aber auch über das sogenannte Corporate Design (Praxis-Logo, Praxisschild, Visitenkarten, Briefpapier, Broschüren, Namensschilder, Terminblöcke etc.). Außerdem über die Corporate Communications, also die einheitliche Kommunikation und über die Corporate Behaviour, das Verhalten aller Mitarbeiter nach außen. Lesen Sie dazu ausführlich Ausgabe 6/2008 von „Praxisteam professionell“.
Fazit
Grundsätzlich gilt, dass die Ausstattung ein harmonisches Gesamtbild ergeben und zu Ihrer Persönlichkeit passen sollte. Jeder Bruch wirkt störend. Schaffen Sie deshalb eine entsprechende Durchgängigkeit Ihrer Veränderungen. Wenn Sie es schaffen, durch das positive Ambiente Ihrer Praxis einen hohen und angenehmen Wiedererkennungswert zu erreichen („das ist doch die Praxis mit der ...“), haben Sie schon viel gewonnen.