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17.12.2009 | Patientenkommunikation

MFA verbessern Depressionstherapie

von Sebastian Schnabel, Medienbüro Medizin (MbMed), Hamburg

Der selbst gewählte Tod des Fußballnationalspielers Robert Enke hat die Krankheit Depression bundesweit in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit gerückt. Für Mitarbeiter in Hausarztpraxen gehört die Krankheit hingegen seit langem zum Alltag. Rund vier Millionen Deutsche leiden an Depressionen, so das Kompetenznetzwerk Depression. Die meisten Patienten werden nicht von Psychiatern behandelt sondern in Hausarztpraxen. Gerade Medizinischen Fachangestellten (MFA) kann bei der Betreuung der Patienten eine wichtige Aufgabe zukommen. Wenn sie richtig ausgebildet sind, können sie den Erfolg der Behandlung erhöhen und die Compliance der Patienten steigern. Das hat die PRoMPT-Studie 2009 des Instituts für Allgemeinmedizin der Goethe-Universität Frankfurt am Main ergeben. PRoMPT steht für Primary care Monitoring for depressive Patient´s Trial.  

Regelmäßige Anrufe bei Patienten durch MFA

An der Studie haben 74 Hausarztpraxen teilgenommen, die zusammen 626 Patienten betreuen, die an einer Depression leiden. Die beteiligten MFA erhielten zu Beginn der Studie in Seminaren eine detaillierte Einweisung, welche Aufgaben sie im Case-Management zu erfüllen haben. Die Patienten, zwischen 18 und 80 Jahre alt, wurden in zwei Gruppen geteilt: Die Kontrollgruppe wurde entsprechend der herkömmlichen Leitlinien behandelt, die Teilnehmer der Interventionsgruppe wurden von MFA über die Studie aufgeklärt.  

 

In den ersten zwei Monaten riefen die MFA alle zwei Wochen, später alle vier Wochen bei den Patienten an und dies über den Zeitraum von einem Jahr. Sie führten 10- bis 15-minütige Interviews entsprechend des Patient Health Questionaire (PHQ), eines standardisierten Fragebogens. Darin fragten die MFA nach dem Befinden der Patienten. Auch Informationen über die Therapietreue und über unerwünschte Nebenwirkungen einzuholen, gehörte zu der Befragung. Die Kontaktaufnahme sollte das Selbstmanagement der Patienten fördern und den Austausch zwischen Praxisteams und Patienten stärken.  

 

Anhand der Interviews fertigten die MFA Kurzberichte, die sie an die jeweiligen Hausärzte weiterleiteten. Diese Kurzberichte waren die Grundlage für mögliche Therapieanpassungen. Die MFA sollten wichtige Punkte des Berichts mit einem Ampelschema hervorheben, sodass den Hausärzten der Überblick erleichtert wurde. Wenn sich der Zustand eines Patienten der Case-Management-Gruppe während der Therapie also deutlich verschlechterte, konnten die MFA zeitnah die Hausärzte informieren, damit diese die Therapie an die neue Situation anpassen konnten. Zum Case-Management gehörte auch eine Rückmeldung der Hausärzte an die MFA, wenn die Behandlung modifiziert wurde.  

Case-Management erhöht Therapietreue

Die Studienergebnisse zeigen, dass dieses Konzept funktioniert hat. Es erfolgt eine deutliche Verbesserung der Behandlung, wenn MFA eine tragende Rolle als Ansprechpartnerinnen übernehmen. Der PHQ-Wert von betreuten Patienten sank auf durchschnittlich 10,72 Punkte. Bei der Kontrollgruppe fiel er nur auf 12,13 Punkte. Je höher der PHQ-Wert, desto schlechter fühlt sich ein Patient bzw. desto negativer ist die Einschätzung der Behandlung. Auch die Therapietreue von Patienten hatte sich durch das Case-Management gesteigert.  

MFA stellen sich neuen Herausforderungen

Nicht nur die Patienten wurden befragt, Teil der Studie waren auch qualitative Interviews mit den MFA. Dabei zeigte sich, dass MFA großes Interesse daran zeigen, mehr Verantwortung im Umgang mit Patienten mit schweren Depressionen zu übernehmen. Bei vielen ist auch die Bereitschaft vorhanden, ihre Kommunikationsfertigkeiten in den Patientengesprächen zu verbessern. Den MFA ist dabei besonders wichtig, dass sich die neuen Tätigkeiten auf die Arbeit mit Patienten und nicht auf weitere Verwaltungsaufgaben beziehen. Negativ beurteilen die befragten MFA die zeitliche Mehrbelastung.  

 

Auch die beteiligten Hausärzte wurden in qualitativen Interviews zum Case-Management befragt. Sie hoben hervor, dass sich die Arzt-Patienten-Beziehung durch die Telefoninterviews und die Kurzberichte verbessere und produktiver würde. Die Einbindung der MFA stellte dabei für die Hausärzte einen zentralen Erfolgsfaktor dar.  

Fazit: Win-Win-Situation

Die Einbindung von MFA in das Case-Management von Patienten mit schwerer Depression ist eine Win-Win-Situation für alle Beteiligten. Die Behandlung ist erfolgreicher, weil die Praxis schneller auf Veränderungen des Krankheitsbildes reagieren kann. Die Patienten fühlen sich durch die Case-Managerinnen besser betreut, und entwickeln durch die Anrufe eine höhere Compliance. Das ist besonders wichtig, da depressive Patienten häufig noch andere Krankheitsbilder entwickeln. Bei multimorbiden Patienten werden häufig unnötige Mehrfachuntersuchungen vorgenommen. Diese können MFA durch eine zentrale Koordination reduzieren.  

 

Und auch für die MFA selbst ist das Case-Management positiv. Sie können ihre Stärken im Umgang mit Patienten ausbauen und erfahren so - auch das hat die Studie gezeigt - eine höhere Anerkennung durch die Hausärzte.  

Quelle: Ausgabe 01 / 2010 | Seite 1 | ID 132279