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01.04.2010 | Patientenkommunikation

Die richtige Handhabung von Inhalationssystemen

von Dipl.-Kffr. Katja Löffler, PTA & QM-Auditorin, München

Die Behandlung von Atemwegserkrankungen erfolgt vielfach mit Medikamenten, die über die Lunge inhaliert werden. Der Wirkstoff gelangt somit direkt an den Wirkort. Dort kann das Arzneimittel aber nur dann seine optimale Wirkung entfalten, wenn die Patienten bei der Anwendung des Inhalationssystems die richtige Atemtechnik beherrschen. Patienten sollten daher unbedingt vor der Erstverordnung eine ausführliche Einführung in die Handhabung ihrer Geräte erhalten. Darüber hinaus ist auch bei langjährigen Anwendern eine Überprüfung in regelmäßigen Abständen sinnvoll, weil sich manchmal im Laufe der Zeit Anwendungsfehler einschleichen. Medizinische Fachangestellte (MFA) sollten daher als erste Ansprechpartner den Patienten immer wieder ihre Hilfe anbieten. Auf dem Markt stehen zahlreiche unterschiedliche Inhalationsapparate zur Verfügung. Am gängigsten sind treibgasbetriebene Dosieraerosole, Pulverinhalatoren und elektrische Vernebler.  

Treibgasbetriebene Dosieraerosole

Bei Dosieraerosolen liegt der Wirkstoff entweder gelöst oder in einem fein verteilten Feststoff-Gasgemisch meist in einem Aluminiumbehälter vor. Die Freisetzung erfolgt mithilfe des Treibgases. Wichtig ist, dass der Sprühstoß zeitlich auf das Einatmen abgestimmt ist, da sonst der Wirkstoff nicht tief genug in die Bronchien gelangt. Doch gerade mit dieser Koordination haben viele Patienten Schwierigkeiten. Deshalb sollten Sie mit den Betroffenen die folgenden Schritte ausführlich üben; die meisten Hersteller von Dosieraerosolen stellen hierfür Demonstrationsgeräte zur Verfügung.  

 

Checkliste: Richtiger Umgang mit Dosieraerosolen

1. Entfernen Sie die Schutzkappe vom Mundstück.
2. Die meisten Aerosole werden mit dem Mundstück nach unten gehalten.
3. Schütteln Sie das Aerosol vor jeder Anwendung kräftig, denn nur dann ist der Wirkstoff gleichmäßig verteilt.
4. Atmen Sie tief aus.
5. Umschließen Sie das Mundstück fest mit den Lippen und legen Sie dabei den Kopf leicht in den Nacken.
6. Atmen Sie langsam tief ein und lösen Sie beim Beginn der Atmung den Sprühstoß aus, indem Sie den Behälter herunterdrücken.
7. Nehmen Sie das Mundstück aus dem Mund.
8. Halten Sie jetzt den Atem für 5 bis 10 Sekunden an.
9. Atmen Sie nun langsam durch die Nase aus.
10. Setzen Sie die Verschlusskappe wieder auf das Mundstück.

Etwa drei- bis viermal wöchentlich sollten Sie das Kunststoffgehäuse reinigen. Zuerst wird der Aluminiumbehälter mit dem Wirkstoff aus dem Kunststoffgehäuse entfernt. Gereinigt wird nur das Kunststoffgehäuse, indem Mundstück und Schutzkappe unter fließendem warmem Wasser mindestens 30 Sekunden gespült werden. Danach wird das Wasser abgeschüttelt und die Kunststoffteile an der Luft getrocknet. Erst wenn alle Teile trocken sind, wird der Wirkstoffbehälter wieder in das Gehäuse gesteckt.  

 

Praxistipps

  • Weisen Sie Ihre Patienten unbedingt darauf hin, dass sie vor der Anwendung den Beipackzettel durchlesen, denn dieser erklärt die Handhabung des Arzneimittels anhand von Bildern.
  • Zur Vermeidung von Pilzerkrankungen im Mund (Soor) sollte nach der Anwendung von kortisonhaltigen Dosieraerosolen der Mund gut ausgespült werden.
  • Hat der Arzt einen zweiten Sprühstoß verordnet, sollte dieser erst mit einem Abstand von mindestens 30 bis 60 Sekunden erfolgen.
  • Tritt nach der Anwendung keine Besserung ein, sollte der Patient unbedingt erneut den Arzt aufsuchen.

 

Beachten Sie: Insbesondere bei Kindern und älteren Menschen gelingt trotz mehrfachen Übens die Koordination zwischen Sprühstoß und Atmung oftmals nicht. Im akuten Asthmaanfall kann ein Patient meist nicht tief genug einatmen und es gelangt nicht genügend Wirkstoff in die Bronchien. In diesen Fällen sollten Inhalationshilfen, sogenannte Spacer, eingesetzt werden. Diese bestehen aus einer Kammer, die auf das Mundstück gesteckt wird. Nach dem Sprühstoß bildet sich eine Wirkstoffwolke in der Kammer. Diese wird nun drei- bis viermal hintereinander ein- und ausgeatmet. Bei den meisten Modellen bleibt das Mundstück fest mit den Lippen umschlossen, denn die durch den Mund ausgeatmete Luft entweicht hier durch ein spezielles Ausatmungsventil. Spacer sollten immer entsprechend der Gebrauchsanweisung angewendet und gereinigt werden.  

Pulverinhalatoren

Pulverinhalatoren sind für Patienten meist einfacher zu bedienen, da in der Regel keine Koordination zwischen Atmung und Sprühstoß erforderlich ist. In den letzten Jahren sind viele unterschiedliche Modelle an Pulverinhalatoren auf den Markt gekommen. Die individuelle Handhabung kann somit von Hersteller zu Hersteller variieren. Daher sollte zur korrekten Anwendung immer die Packungsbeilage herangezogen werden. Für eine optimale Wirkung dieser Systeme ist ein ausreichendes Atemvolumen notwendig. Säuglinge, Kleinkinder und Patienten mit sehr stark eingeschränkter Lungenfunktion verfügen oft nicht über ein entsprechendes Atemvolumen.  

 

Bei Pulverinhalatoren befindet sich der Wirkstoff meistens in einer Kapsel, die in das Gerät eingelegt wird. Beim Öffnen wird dann die Kapsel angestochen. Im Gegensatz dazu befindet sich der pulverförmige Wirkstoff beim sogenannten Diskus direkt im Applikator. Durch Öffnen des Hebels - in der Regel hörbar an einem deutlichen Klickgeräusch - gelangt das Pulver in das Mundstück. Nach dem Öffnen sollten die Geräte waagerecht gehalten werden. Die Inhalation selbst funktioniert bei den meisten Pulverinhalatoren nach folgenden Schritten:  

 

Checkliste: Richtiger Umgang mit Pulverinhalatoren

1. Atmen Sie tief aus. Achten Sie darauf, dass Sie dabei nicht in das Gerät hineinblasen.
2. Umschließen Sie das Mundstück fest mit den Lippen.
3. Atmen Sie gleichmäßig und tief durch den Mund ein.
4. Nehmen Sie das Gerät aus dem Mund.
5. Halten Sie jetzt den Atem für 5 bis 10 Sekunden an.
6. Atmen Sie nun langsam aus.

Beachten Sie: Gerade ältere Menschen haben häufig motorische Probleme. Kommen diese Patienten mit einem Modell nicht zurecht, sollte auf ein anderes System umgestiegen werden.  

Elektrische Vernebler

Elektrische Vernebler eignen sich sehr gut zur Anwendung bei Säuglingen, Kleinkindern und älteren Menschen mit Koordinationsproblemen. Die zu inhalierende Arzneimittellösung wird entweder mit Druckluft oder durch Ultraschall vernebelt und über einen Schlauch und ein Mundstück bzw. eine Maske eingeatmet (Feuchtinhalation). Dieser Vorgang dauert allerdings relativ lang.  

 

Vernebler und Mundstück bzw. Maske müssen nach der Anwendung stets sorgfältig mit einer Spülmittellösung gereinigt werden. Der Schlauch wird mit dem Kompressor trocken ausgeblasen. Außerdem empfiehlt es sich, die Teile einmal am Tag auszukochen und auf einem Tuch trocknen zu lassen. Da die Einzelteile wie der Filter im Kompressor, das Mundstück bzw. die Maske, der Vernebler und der Schlauch mit der Zeit verschleißen, sollten sie jährlich erneuert werden.  

Fazit

Kein Patient sollte ein Inhalationssystem ohne ausreichende Schulung verordnet bekommen. Dazu empfiehlt es sich, bei den jeweiligen Herstellern entsprechende Demonstrationsgeräte zu bestellen. So können sich auch die Mitarbeiter der Arztpraxis in regelmäßigen Abständen im Umgang mit den unterschiedlichen und neu auf den Markt kommenden Gerätetypen vertraut machen und die Patienten sachgerecht schulen. Dies gilt auch und insbesondere für Patienten, die an den Disease-Management-Programmen (DMP) zu Asthma und COPD teilnehmen.  

 

Quelle: Ausgabe 04 / 2010 | Seite 7 | ID 134657