28.03.2011 | Medizinwissen
Wie wird der Blutdruck korrekt gemessen?
von Dr. med. Maria-Anna Schoppmeyer, Fachjournalistin Medizin, Nordhorn
Das Blutdruckmessen gehört zur täglichen Routine einer MFA. Jede hat es schon unzählige Male getan. Trotzdem birgt diese einfache und wichtige diagnostische Maßnahme eine Reihe von Tücken und Fehlerquellen. „Praxisteam professionell“ zeigt sie auf.
Was versteht man unter Blutdruck?
Als Blutdruck wird der Druck bezeichnet, den das Blut von innen auf die Gefäßwände ausübt. Dieser Druck ist in Arterien und Venen unterschiedlich hoch. Wenn im klinischen Alltag vom Blutdruck gesprochen wird, ist jedoch stets der arterielle Blutdruck gemeint. Der normale Blutdruck des Erwachsenen beträgt 120/80 mmHg. Die Einheit mmHg bedeutet Millimeter Quecksilbersäule. Dies ist eine etwas veraltete, in der Medizin jedoch gebräuchliche Einheit für den Druck.
Bei der Blutdruck-Messung erhält man immer einen höheren und einen niedrigeren Wert. Der erste und höhere Wert, der systolische Blutdruck, ist der maximale Druck im Gefäß. Er entsteht während der Kontraktionsphase (Systole) des Herzens, wenn das Herz also das Blut in die Arterien pumpt. Der zweite und niedrigere Wert, der diastolische Blutdruck, ist der minimale Druck im Gefäß. Er entsteht während der Erschlaffungsphase (Diastole) des Herzens, wenn sich die Herzkammern also wieder mit Blut füllen.
Wie wird der Blutdruck gemessen?
Bevor der Blutdruck gemessen wird, sollte der Patient eine etwa fünf- bis zehnminütige Ruhepause eingelegt haben. Dies ist in den meisten Praxen aufgrund der Wartezeit unproblematisch. Der Patient sollte sich entspannt auf einen Stuhl mit Rückenlehne setzen und die Kleidung am Oberarm entfernen. Dann wird die Blutdruckmanschette luftleer etwa zwei Fingerbreit über der Ellenbeuge angelegt und das Stethoskop locker in der Ellenbeuge (über der A. brachialis) aufgelegt. Der Arm des Patienten sollte dabei in leichter Beugestellung auf der Stuhllehne oder einer Tischkante abgelegt sein und sich auf Herzhöhe befinden. Alternativ kann der Patient natürlich auch liegen.
Nun wird die Blutdruckmanschette aufgepumpt, bis mit dem Stethoskop kein Pulsgeräusch mehr zu hören oder der Puls der A. radialis am Handgelenk nicht mehr zu tasten ist. Anschließend wird der Manschettendruck um weitere 30 mmHg aufgepumpt und dann langsam (etwa 2 mmHg/Sek.) wieder abgelassen. Wenn der Manschettendruck dem systolischen Blutdruck entspricht, strömt zum ersten Mal wieder Blut durch die Arterie. Da der diastolische Druck allerdings noch geringer als der Manschettendruck ist, strömt das Blut nicht kontinuierlich durch die Arterie.
Dieser Wechsel von Blutfluss und fehlendem Blutfluss verursacht die typischen Strömungsgeräusche, die mit dem Stethoskop als Klopfen zu hören sind. Sobald nun der erste Klopfton zu hören ist, liest man den systolischen Blutdruckwert am Manometer ab. Wenn bei weiter nachlassendem Manschettendruck die Töne verschwinden oder deutlich leiser werden, wird der diastolische Blutdruckwert abgelesen. Die zu auskultierenden Klopftöne werden nach dem russischen Arzt Nicolai Korotkoff, der die beschriebene auskultatorische Blutdruckmessung entdeckte, als Korotkoff-Töne bezeichnet.
Wo liegen mögliche Fehlerquellen beim Blutdruckmessen?
Auch wenn das Blutdruckmessen kinderleicht erscheint und schon unzählige Male durchgeführt wurde, sollte man das Vorgehen von Zeit zu Zeit kritisch hinterfragen und sich mögliche Fehlerquellen noch einmal bewusst machen.
Falsch niedrige Werte werden gemessen, wenn
- die Blutdruckmanschette ungenügend aufgepumpt wurde.
- die Kleidung am Oberarm nicht entfernt wurde.
- der Arm über Herzhöhe gelagert wurde.
- das Stethoskop in der Ellenbeuge zu stark aufgedrückt wurde.
- der Manschettendruck zu schnell abgelassen wurde.
Falsch hohe Werte werden dagegen gemessen, wenn
- die Blutdruckmanschette zu locker angelegt wurde.
- der Arm zu lange gestaut wurde.
- der Manschettendruck zu langsam abgelassen wurde.
- die Blutdruckmanschette während der Messung erneut aufgepumpt wurde, weil der systolische Wert nicht genau erkannt wurde.
- der Arm des Patienten bei der Blutdruckmessung überstreckt war.
Weitere Fehlerquellen
Ist die Blutdruckmanschette zu schmal, werden zu niedrige systolische und zu hohe diastolische Blutdruckwerte gemessen. Als Richtschnur gilt: Oberarmumfang 24 - 32 cm = Manschettengröße 13 x 24 cm und Oberarmumfang 33 - 41 cm = Manschettengröße 15 x 30 cm.
Mitunter können auch die Korotkoff-Töne aufgrund störender Geräusche im Zimmer kaum zu hören sein. Manche Patienten werden bei der Blutdruckmessung auch so nervös, dass ihr Blutdruck ansteigt. Auch hier misst man also falsch hohe Werte. Dieser sogenannte Weißkitteleffekt kann durch häusliche Eigenmessung oder eine 24-Stunden-Blutdruckmessung umgangen werden.
Daneben unterliegt der Blutdruck auch beim gesunden Menschen ganz natürlichen Schwankungen. So hat er am frühen Morgen und späten Nachmittag einen Gipfel, während er in der Nacht während des Schlafes seine Tiefstwerte erreicht. Auch ist er abhängig von der Körperlage, von emotionalen Einflüssen und körperlicher Betätigung. Er steigt an bei Schmerzen oder wenn die Harnblase gefüllt ist.
Daher gilt für die Blutdruckmessung: Sie sollte immer unter gleichen Bedingungen stattfinden, also entweder immer im Sitzen oder immer im Liegen, immer am rechten oder immer am linken Arm und immer unter vergleichbaren Ruhebedingungen.
Wann wird im Praxisalltag der Blutdruck gemessen?
Der Blutdruck wird routinemäßig bei Patienten gemessen, die das erste Mal in die Praxis kommen. Bei der ersten Blutdruckmessung sollte der Blutdruck an beiden Armen bestimmt werden. Finden sich unterschiedliche Drücke an den Armen, sollte in Zukunft immer der Arm mit dem höheren Druck verwendet werden. Weiterhin wird der Blutdruck regelmäßig bei Patienten mit zu hohem oder zu niedrigem Blutdruck sowie bei Patienten mit anderen Herz-Kreislauf-Erkrankungen gemessen. Auch bei Patienten, die Medikamente einnehmen, die als Nebenwirkung zu Blutdruckveränderungen führen können, sollte der Blutdruck regelmäßig kontrolliert werden.
Beachten Sie: Hat ein Patient einen Dialyse-Shunt oder einen venösen Zugang am Arm liegen, muss für die Blutdruckmessung immer der nicht beeinträchtigte Arm herangezogen werden. Gleiches gilt, wenn ein Lymphödem nach einer Brustoperation vorliegt oder wenn der Patient an bestimmten Haut-, Knochen- oder Muskelerkrankungen leidet, die nur einen Arm betreffen, zum Beispiel eine Lähmung des Armes nach Schlaganfall.
Wie ist der Blutdruckwert zu interpretieren?
Um den Blutdruckwert für den Patienten richtig einordnen zu können, hilft Ihnen die folgende Tabelle:
Bewertungen des Blutdrucks für Erwachsene
Bewertung | Systolischer Blutdruck | Diastolischer Blutdruck |
Optimal | ≤ 120 mmHg | ≤ 80 mmHg |
Normal | 120 - 129 mmHg | 80 - 84 mmHg |
Hochnormal | 130 - 139 mmHg | 85 - 89 mmHg |
Bluthochdruck, Grad 1 | 140 - 159 mmHg | 90 - 99 mmHg |
Bluthochdruck, Grad 2 | 160 - 179 mmHg | 100 - 109 mmHg |
Bluthochdruck, Grad 3 | ≥ 180 mmHg | ≥ 110 mmHg |