27.08.2009 | Hygiene
Schutz und Pflege für 2 m² Haut
von Christine Baumeister, Beratung -Training - Konzepte, Haltern
Der entscheidende Grund für die Gefährdung der Haut in medizinischen Berufen ist die Feuchtarbeit. Hauptbelastungsfaktoren sind der Umgang mit Reinigungs- und Desinfektionsmitteln sowie häufiges Händewaschen. Handschuhe bieten nicht nur Schutz, sondern können durch die Schweißbildung im Handschuh auch ein Belastungsfaktor sein. Wasser oder länger anhaltende Feuchtigkeit löst die Fette und entzieht sie der Haut. Diese Wirkung wird durch Seifen und Reinigungsmittel noch verstärkt. Insofern sind Hautschutzmaßnahmen für alle Praxismitarbeiter erforderlich.
Der Hautschutzplan
Der Hautschutzplan stimmt alle Hautschutzmaßnahmen der Arztpraxis aufeinander ab. Er ist als verbindliche Arbeitsanweisung zu sehen. Alle im Plan genannten Hautschutzmittel sind bei den darin genannten Tätigkeiten zu benutzen. Die sechs Säulen des Hautschutzes sind: Präparativer Hautschutz, Auswahl geeigneter Handschuhe, Händedesinfektion, schonende Hautreinigung, reparative Hautpflege und arbeitsmedizinische Vorsorge.
Präparativer Hautschutz
Hautschutzmittel dienen in erster Linie der Vorbeugung und sollen die Barrierefunktion der Haut unterstützen. Benutzen Sie diese immer, bevor (!) Sie anfangen zu arbeiten. Vergessen Sie beim Eincremen der Hände nicht die Fingerzwischenräume, die Fingerkuppen und die Nagelfalz. Die Eigenschaften der Hautschutzprodukte müssen auf die Art der Hautgefährdung und des Hauttyps abgestimmt sein! Hautschutzmittel gegen Feuchtbelastung reduzieren die Schwitzneigung im Handschuh und die Quellfähigkeit der Haut. Die Hautschutzmittel sollten frei von Duft- und Konservierungsstoffen sein, in Spendern angeboten werden und schnell einziehen.
Auswahl geeigneter Handschuhe
Handschuhe bieten Schutz vor Feuchtigkeit, infektiösen Materialien und aggressiven Substanzen. Die Hände bleiben sauber und müssen weniger oft gewaschen werden. Gleichzeitig stellen Handschuhe jedoch eine Hautbelastung dar: Nach längerem Tragen bildet sich ein Feuchtigkeitsfilm auf der Haut, der die Hornschicht aufquellen lässt. Darüber hinaus können bestimmte Handschuhmaterialien - wie Naturlatexproteine und Gummizusatzstoffe - Allergien auslösen.
Schutzhandschuhe sollten für die Tätigkeit geeignet sein und eine „CE“-Kennzeichnung aufweisen. Bei Reinigungs- und Desinfektionsarbeiten sollten Chemikalienschutzhandschuhe getragen werden. Der Schutzhandschuh muss in Größe und Form dem Benutzer passen. Medizinische Einmalhandschuhe bieten Schutz vor Krankheitserregern, in der Regel aber nicht vor Chemikalien. Sie sind bei möglichem Kontakt mit Körperflüssigkeiten wie Blut, Sekreten und Ausscheidungen einzusetzen. Es gibt unterschiedliche Materialien für unterschiedliche Einsatzzwecke. Eine Übersicht darüber, was bei den verschiedenen Materialien zu beachten ist, finden Sie im Online-Service unter der Rubrik „Arbeitshilfen“. Außerdem stellen wir Ihnen unter der gleichen Rubrik den Hautschutzplan der Berufsgenossenschaft (www.bgw-online.de) zur Verfügung.
Praxistipp
Handschuhe sollten Sie nur so lange wie nötig tragen. Nutzen Sie Baumwollunterziehhandschuhe bei l<ängeren Tragezeiten. Sind die Handschuhe beschädigt oder feucht geworden, müssen sie gewechselt werden. Einmalhandschuhe heißen nicht ohne Grund so: Sie schützen nicht bei mehrmaligem Gebrauch. |
Händedesinfektion
Bei der Händedesinfektion wird die Haut weniger belastet als beim Waschen der Hände: Intakte Haut verkraftet eine Händedesinfektion problemlos. Der enthaltene Alkohol löst zwar Fette aus der Haut, spült diese jedoch nicht ab. Darüber hinaus ist Alkohol pH-neutral: Der Schutzfilm der Haut wird kaum angegriffen. Die Hände müssen nach dem Ablegen von Handschuhen immer desinfiziert werden.
Schonende Hautreinigung
Bei jedem Waschen der Hände kommt es zum Verlust wasserbindender Stoffe und hauteigener Fette. Deshalb sollten Hände nur bei Dienstbeginn, bei sichtbarer oder spürbarer Verschmutzung der Hände und nach dem Toilettengang gewaschen werden. Hautneutrale Waschlotionen bzw. „Syndets“ (synthetische Detergentien) sind zum Händewaschen besser geeignet als die klassische Seife. Sie reinigen besser, haben eine weniger hautreizende Wirkung und verhalten sich pH-neutral (zum Beispiel Eucerin® pH5).
Reparative Hautpflege
Fetthaltige Produkte wirken dem Lipid- und Feuchtigkeitsverlust der Haut entgegen. Die Haut kann regenerieren, indem ihr ausgewaschene Fette zurückgegeben werden. Feuchtigkeitsbindende Substanzen verringern die erneute Austrocknung der Haut. Reparative Hautpflegemittel werden nach dem Händewaschen, zu Beginn der Pausen, nach Arbeitsende und in der Freizeit angewendet.
Arbeitsmedizinische Vorsorge
Der Betriebsarzt ist ein wichtiger Ansprechpartner für den Hautschutz. Er bietet Hilfe bei der konsequenten Umsetzung von Hautschutzmaßnahmen und begleitet hauterkrankte oder von Hautveränderungen betroffene Mitarbeiter. Bei Bedarf nimmt er Kontakt mit dem behandelnden Hautarzt auf. Bei Vorliegen einer Hauterkrankung informiert er den Unfallversicherungsträger.