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28.02.2008 | Hygiene

Nur unverzügliche Hygienemaßnahmen können Gastroenteritis-Welle abfangen

In der Wintersaison 2002/2003 legten Norovirus-Infektionen durch ihre rasche Ausbreitung bei Patienten und Personal in vielen Ländern ganze Krankenhausstationen lahm. In diesem Winter ist bereits Anfang Februar ein neuer Rekordwert erreicht worden: Mehr als 130.000 Norovirus-Infektionen wurden dem Robert-Koch-Institut (RKI) in Berlin gemeldet. Die Dunkelziffer liegt wahrscheinlich noch zehnmal höher – das wären bisher über 1,3 Millionen Krankheitsfälle in der laufenden Saison. Bislang werden in diesem Winter 26 Todesfälle mit dem Virus in Verbindung gebracht. Die Infektionen sind damit nicht nur die häufigste Ursache infektiöser Gastroenteritiden, sondern auch die häufigste gemeldete Infektions- krankheit überhaupt.  

Noroviren sind hochgradig ansteckend

Die Erreger sind hochgradig ansteckend. Die Infektion erfolgt meist durch die Luft von Mensch zu Mensch. Nach einer Inkubationszeit von 6 bis 48 Stunden kommt es bei über der Hälfte der Betroffenen zu Erbrechen, das in der Regel heftig und explosionsartig ist. Hinzu kommen akute wässrige Diarrhoen. Nach 12 bis 60 Stunden ist die Erkrankung meist überstanden. Doch auch danach kann der Patient bis zu 14 Tage lang ansteckend sein.  

Die Erkrankung heilt in der Regel folgenlos

Die Patienten fühlen sich oft sehr krank und haben nicht selten Muskel- und Gliederschmerzen, Bauchkrämpfe und manchmal auch Fieber. In der Regel heilt die Erkrankung aber folgenlos aus. Ältere Menschen und Kinder können jedoch durch den manchmal ausgeprägten Flüssigkeits- und Elektrolytverlust in Lebensgefahr geraten. Die Therapie ist rein symptomatisch. Wie bei anderen Gastroenteritiden auch sind Flüssigkeits- und Elektrolytverluste auszugleichen. Nach einem überstandenen Infekt hält die Immunität gegen den auslösenden Virusstamm höchstens sechs bis neun Monate an.  

Hygienemaßnahmen in der Arztpraxis

Besteht in der Praxis der Verdacht auf eine Norovirus-Infektion, sollten Sie umgehend die erforderlichen Hygienemaßnahmen einleiten. Denn die Erkrankung kann sich sehr rasch ausbreiten.  

 

Korrekte Händehygiene unumgänglich

Hände sind der wohl wichtigste Überträger von Infektionen, zum einen durch direkten Kontakt von Haut zu Haut, zum anderen aber auch durch indirekten Kontakt über Flächen, Gegenstände, Materialien usw. Aus diesem Grund ist die strenge Einhaltung der Händehygiene eine unumgängliche Maßnahme. Bei bestehenden Norovirus-Infektionen stellt das Händewaschen keine Alternative zur hygienischen Händedesinfektion dar!  

 

Da die Erreger sehr umweltresistent und wenig empfindlich gegenüber üblichen Desinfektions- und Reinigungsmitteln sind, müssen die Hände mit alkoholischen Desinfektionsmitteln aus dem Wirkstoffbereich B der Liste des RKI desinfiziert werden.  

 

Die Händedesinfektion sollte grundsätzlich vor und nach jedem Patientenkontakt, nach dem Toilettengang und vor dem Umgang mit Nahrungsmitteln erfolgen.  

 

Vorsicht: Erst desinfizieren, dann waschen!

Waschen Sie sich nicht die Hände vor der Desinfektion! Die Desinfektion der Hände sollte ausschließlich auf trockenen Händen erfolgen, da sonst die Wirksamkeit des Desinfektionsmittels nicht gewährleistet ist. Ein Waschen der Hände vor der Desinfektion führt dazu, dass Sie die Keime in die Haut einreiben und im Bereich des Waschbeckens verteilen.  

 

Nur bei sehr groben Verschmutzungen sollten Sie die Hände hygienisch korrekt vor der Desinfektion waschen. Dies bedeutet vor allem, dass Sie nicht mit den Armaturen des Waschbeckens in Berührung kommen und dass kein Wasser umherspritzt. Trocknen Sie die Hände mit Einmalhandtüchern gründlich ab.  

 

Durchführung der hygienischen Händedesinfektion

  • Entnehmen Sie das Händedesinfektionsmittel dem Spender, ohne diesen mit den Händen zu berühren – ansonsten verteilen Sie die Keime auf dem Spender!
  • Nutzen Sie die auf dem Desinfektionsmittel angegebene Menge (in der Regel 3 ml).
  • Verreiben Sie die Lösung über die auf dem Desinfektionsmittel angegebene Zeit (in der Regel 30 Sekunden). Die Hände müssen während der gesamten Zeit mit dem Desinfektionsmittel befeuchtet sein (bei Bedarf entnehmen Sie eine weitere Portion).
  • Arbeiten Sie erst weiter, wenn die Hände getrocknet sind.
 

Die Desinfektion von Flächen

Praxisräume und Kontaktflächen werden mit aldehydhaltigen Reinigungsmitteln desinfiziert.  

 

Personal bis drei Tage nach Symptomende freistellen!

Erkranktes Personal sollte bis drei Tage nach Ende der Symptome freigestellt werden, da die Mitarbeiter sonst noch infektiös sind.  

 

Quelle: Ausgabe 03 / 2008 | Seite 1 | ID 117852