02.12.2010 | Gedächtnistraining für MFA
Merkfähigkeit steigern durch „Braining“
von Roland Geisselhart, Personal- und Unternehmensberater, Friedrichshafen
Viele verschiedene Patienten mit individuell unterschiedlichen Problemen verlangen vom Team in der Arztpraxis die uneingeschränkte Aufmerksamkeit. Dabei findet der Kontakt in vielen Fällen nur ein paar Mal im Jahr statt. Aber egal wie regelmäßig man sich sieht: Der Patient hat wenig Verständnis dafür, wenn Sie seinen Namen nicht parat haben oder ihn gar falsch ansprechen. Trainieren Sie deshalb Ihr Gedächtnis - es kann nur zu Ihrem Vorteil sein. „Praxisteam professionell“ zeigt Ihnen wie!
Was ist Braining?
Das menschliche Gedächtnis speichert bildlich. Wie in einem Film- und Bildarchiv sind die aufgenommenen Informationen abgespeichert. Das Bild fungiert hierbei als Register, als übergeordneter Suchbegriff, der Filme speichert wie in einer Kartei ganze Vorgänge, Gespräche, Abläufe usw. Diese grundlegende Tatsache nutzt und fördert die Methode „Braining“, indem durch praktische Übungen in bildhafter Konzentration sowohl Kreativität und Kombinationsfähigkeit als auch das Erinnerungsvermögen enorm gesteigert werden. Im Folgenden soll beschrieben werden, wie diese Methode funktioniert. Eine kleine Menge von Gegenständen, wie zum Beispiel eine Einkaufsliste, kann man sich ohne fotografisches Gedächtnis gerade noch merken. Der Leser sei an dieser Stelle dazu aufgefordert, sich folgende Einkaufsliste einzuprägen:
Einkaufsliste
Milch, Tomaten, Bananen, Melonen, Schinkenröllchen, Schokolade, Kopfsalat und Schlagsahne. |
So mancher wird Schwierigkeiten haben, diese Liste vollständig im Gedächtnis zu behalten. Sobald es mehr als zehn Gegenstände sind, sind die meisten Menschen überfordert.
Die Methode „Braining“ ist verblüffend einfach: Man verknüpft die Gegenstände durch fantasievolle Koppelungen miteinander zu einer kleinen Geschichte. Dies ist bereits der erste Schritt in Richtung fotografisches Gedächtnis, womit man sich innerhalb kurzer Zeit auch Namen und Gesichter besser merken kann. Beispielsweise könnte man sich die Geschichte folgendermaßen vorstellen:
Geschichte
„Die Milch und Bananen mixen wir zu Bananenmilch. In die Bananenmilch hüpfen zwei Schinkenröllchen hinein, setzen sich den Salat als Kopfschmuck auf, bewerfen sich mit Tomaten, und der Sieger erhält die Melone auf einer Tafel Schokolade mit Sahne garniert“. |
Den Terminkalender im Kopf!
Mit der Braining-Methode lassen sich nicht nur Gegenstände, Begriffe, Abläufe und Zusammenhänge besser merken, darüber hinaus können diesen auch noch Zahlen zugeordnet werden, sodass beispielsweise Erledigungslisten, Tages- und Terminpläne behalten werden können. Die Verknüpfung von Vorgängen mit Zahlen funktioniert nach dem gleichen Prinzip wie die oben beschriebene Bildung einer Geschichte. Die Zahlen werden dabei durch solche Symbole dargestellt, die mit der Form der Zahl Gemeinsamkeiten haben.

Schauen Sie sich noch einmal jedes Zahlensymbol einzeln an, schließen Sie dann die Augen und reproduzieren Sie es auf Ihrer geistigen Filmleinwand. Dabei sprechen Sie die dazugehörigen Zahlen laut oder im Geist vor sich hin. Der Leser sollte sich diese Symbole einprägen, denn hiervon hängt der Erfolg der nächsten Übung ab. In dem folgenden Beispiel soll sich der Übende folgende Erledigungsliste merken:
Erledigungsliste
| 1. Sie wollen morgen früh Ihren Rasen mähen. 2. Danach gehen Sie zum Friseur. 3. Auf dem Rückweg holen Sie beim Metzger ein großes Stück Leberkäse mit Brötchen. 4. Sie bringen jetzt Ihre Kinder zum Kindergarten. 5. Nun fahren Sie ins Büro und berufen dort eine Mitarbeiterbesprechung ein. 6. Jetzt holen Sie Ihren Computerspezialisten vom Flughafen ab. 7. Sie haben einen Termin beim Patentamt. 8. Mit dem Bürgermeister Ihrer Stadt treffen Sie zu einem Gespräch zusammen. 9. Sie besorgen zwei Theaterkarten. 10. Für den Urlaub dürfen Sie die Reservierung der Hotelzimmer am Chiemsee nicht vergessen. |
Wieder sollte der Leser zunächst selbst versuchen, die Zahlensymbole in der Reihenfolge mit den jeweiligen Erledigungen zu verknüpfen. Nachfolgend wird eine mögliche Lösung wiedergegeben:
Mögliche Lösung
| 1. Stellen Sie sich vor, wie es morgen noch dunkel ist und Sie als Erstes die Kerze (Symbol für Zahl 1) auf den Rasenmäher stellen und munter losfahren.
2. Als Zweites gehen Sie zum Friseur. Sehen Sie sich als hässliches Entlein hineingehen und als schöner, stolzer Schwan (Symbol für die Zahl 2) wieder herauskommen.
3. Danach gehen Sie in die Metzgerei und spießen mit Ihrem Dreizack (Symbol für die Zahl 3) Leberkäse und Brötchen auf.
4. Sie drücken Ihren Kindern ein Kleeblatt (Symbol für die Zahl 4) in die Hand und noch eines in den Mund und schicken sie zum Spielen auf die Kleewiese im Kindergarten.
5. Sie winken mit beiden Händen Ihren Mitarbeitern, begrüßen alle per Handschlag und schmücken mit Gesten Ihrer Hände Ihre Rede aus.
6. Sie holen Ihren Elefanten aus der Garage und reiten zum Flughafen. Dort holt dieser mit dem Rüssel Ihren Computer-Techniker aus dem Jumbojet.
7. Sie melden ein Patent an. Hurra, hurra, es hat geklappt. Mit wehenden Fahnen umwedeln Sie den Patentanwalt.
8. Beim Gespräch mit dem Bürgermeister sehen Sie die Sanduhr auf dem Tisch stehen, die Sie daran erinnert, dass Sie sich kürzer fassen sollten.
9. Mit Ihrer Gattin im Schlangenledermantel stehen Sie bei der Theaterkasse Schlange, und als Sie endlich drankommen, zischt Sie die Verkäuferin an. Doch das Hineinschlängeln zu den Sitzplätzen klappt.
10. Zu guter Letzt buchen Sie Ihren Urlaub am Chiemsee im dortigen Golfhotel mit Blick auf den Golfplatz, weil Sie das beruhigt. |
Die Erlernung der Zahlensymbole 1 bis 12 ist eine der wichtigsten Übungen im Rahmen des Gedächtnistrainings. Auch wenn es Ihnen ein wenig umständlich erscheint, so lohnt es sich doch, sich diese zwölf Zahlenbilder so gut einzuprägen, dass Sie sie auswendig im Schlaf hersagen können, und zwar vorwärts, rückwärts und durcheinander. Dies wird es Ihnen ermöglichen Telefonnummern, Jahreszahlen, Hausnummern, Fahr- und Flugpläne u.v.m. mühelos im Kopf zu behalten.
Weiterführender Hinweis
- Sollten Sie dieses Thema ausführlicher in Angriff nehmen wollen, so sei auf das Buch „Das perfekte Gedächtnis“ von Roland R. Geisselhart und Marion Zerbst verwiesen. Es ist im dtv-Verlag unter der ISBN-Nr. 978-3-423-36525-3 erschienen und kostet 9 Euro. Roland R. Geisselhart ist Personal- und Unternehmensberater in Friedrichshafen. Seine Haupttätigkeit ist die Gedächtnisschulung des mittleren und oberen Managements nationaler und internationaler Unternehmen (www.geisselhart-lernen.de).