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31.07.2009 | Fortbildung

Was ist zu beachten, damit die Teilnahme an einer Fortbildung ein Erfolg wird?

Das Angebot an Fortbildungen ist mittlerweile sehr groß geworden. Umso schwerer fällt die Auswahl der geeigneten Veranstaltung, die gut überlegt sein sollte. Nicht weniger wichtig sind die optimale Vorbereitung der Teilnehmer und die spätere Umsetzung in der Praxis. In diesem Beitrag lesen Sie, was Sie im Vorfeld einer Fortbildung beachten sollten, damit sich die Teilnahme „bezahlt macht“.  

Die Auswahl der geeigneten Veranstaltung

Angebote gibt es von den KVen und Ärztekammern, von wissenschaftlichen Gesellschaften, von privaten Veranstaltern sowie von der Pharmaindustrie und dem Handel, die entweder direkt angeboten oder großzügig gesponsert werden. Zunächst lässt dies keine generelle Aussage über die Qualität zu, aber ganz sollte man den Hintergrund einer Veranstaltung nicht außer Acht lassen. Während bei den KV- und Kammer-Veranstaltungen die kommerziellen Interessen eher nachrangig sind, stehen sie bei den privaten Anbietern im Vordergrund. Sie leben von den Veranstaltungen. Dies muss aber kein Nachteil sein, denn langfristig wird nur ein Anbieter erfolgreich sein, der gute und praxisbezogene Themen mit qualifizierten Referenten vorweisen kann.  

 

Eine Veranstaltung kann der allgemeinen Fortbildung zur Auffrischung des Kenntnisstandes dienen oder besondere persönliche Interessen der Teilnehmerin zum Inhalt haben. Sie kann zur Weiterbildung in einem bestimmten Bereich - zum Beispiel im QM - oder zur Ausweitung des Behandlungsspektrums - zum Beispiel für die Assistenz bei chirurgischen Eingriffen - erforderlich sein. Oder es sind einfach neue Bestimmungen wie die verschärften Hygiene-Richtlinien, die eine Beschäftigung mit dem Thema erzwingen.  

Die Auswahl und Voraussetzungen der Teilnehmer

Es verspricht wenig Erfolg, wenn eine Mitarbeiterin zur Fortbildung einfach nur „abkommandiert“ wird. Sie sollte selbst genügend Interesse und bei einer speziellen Fortbildung - zum Beispiel QM - bereits eine ausreichende Vorqualifikation haben. Und sie muss die Bereitschaft mitbringen, auch an einem Samstag oder am freien Mittwochnachmittag etwas für die Fortbildung zu tun. Und denken Sie gegebenenfalls auch an diesen Punkt: Durch die Fortbildung steigt die Qualifikation der Mitarbeiterin und daraus resultierend kann sich der Arbeitsbereich verändern. Dies kann zu Verschiebungen in der teaminternen Hierarchie führen, wodurch sich Konfliktpotenzial aufbauen kann. Steuern Sie gegebenenfalls rechtzeitig entgegen.  

Die optimale Vorbereitung auf die Veranstaltung

Zu einer professionellen Vorbereitung gehört nicht nur die Planung der Anfahrt (Pkw, Bahn, Flugzeug) mit Anschlüssen und Weiterverbindung sowie eventuell einer Anfahrtskizze am Zielort. Bei mehrtägigen Veranstaltungen oder einem frühen Beginn an einem weit entfernten Ort muss auch die Übernachtung geregelt sein. Neben den Unterkunftsangeboten vonseiten des Veranstalters bietet sich auch das Internet als Recherchemöglichkeit an.  

 

Noch wichtiger ist aber die professionelle Vorbereitung im Hinblick auf die Belange der Praxis. Nicht nur die Teilnehmerin, sondern am besten alle im Team sollten überlegen, was von dem Thema speziell für ihre Praxis wichtig ist. In welchem Bereich sind Verbesserungen wünschenswert? Womit gibt es Probleme? Welche Unterlagen sind eventuell zu dem Thema in der Praxis vorhanden? Auch bei der thematischen Vorbereitung kann ein Blick ins Internet sehr nützlich sein. Die Teilnehmerin sollte mit konkreten Fragestellungen anreisen und über eine ausreichende Berufserfahrung verfügen.  

 

Eine spezielle Vorbereitung erfordert der Besuch einer Messe oder großen Ausstellung. Überlegen Sie bereits im Vorfeld, aus welchem Arbeits- oder Behandlungsbereich überhaupt Unterlagen für die Praxis wirklich sinnvoll sind. Sonst ist die häufige Folge, dass Sie bei der Ausstellung mit einer Unzahl von Prospekten regelrecht „zugemüllt“ werden. Das ist nicht nur beim Messebesuch physisch anstrengend (Papier hat sein Gewicht), sondern führt auch später in der Praxis bei der Nachbearbeitung zu frustrierender Mehrarbeit.  

 

Schauen Sie vorher schon in das Verzeichnis der Aussteller und markieren Sie die interessanten Stände. Wenn dem Angebot ein Lageplan der Aussteller beiliegt, können Sie schon einen Plan erstellen, in welcher Reihenfolge Sie die einzelnen Stände aufsuchen wollen. Bei einer Großveranstaltung laufen immer mehrere Vorträge und Workshops gleichzeitig. Da ist es sinnvoll, sich einen individuellen Zeitplan mit den interessanten Vorträgen zu erstellen und auch die Zeit für den Messebesuch zu planen.  

Was soll bzw. kann in der Praxis umgesetzt werden?

Nach der Fortbildung ist die Mitarbeiterin wieder in der Praxis. Was ist zu tun? Es kann sinnvoll sein, die neuen Erkenntnisse zunächst mit dem Praxisinhaber allein zu besprechen - vor allem dann, wenn als Ergebnis der Fortbildung Veränderungen im Praxisalltag notwendig werden. Denn wenn der Chef von der Änderung nicht überzeugt ist, wird es erfahrungsgemäß auch nichts damit in der Praxis.  

 

Häufig stellt sich bei Fortbildungen das geradezu euphorische Gefühl ein, wie viel besser doch die Praxis laufen könnte, wenn das eben Gehörte nur umgesetzt würde. Dann läuft man Gefahr, im Überschwang alles und das möglichst sofort ändern zu wollen. Direkt am Montag nach der Fortbildung möchte man damit beginnen. Doch oft stellen sich schon nach kurzer Zeit Frust und Resignation ein.  

 

Der Mensch ist ein Gewohnheitstier. Veränderungen, die Mehrarbeit oder eine Umstellung des Arbeitsablaufs mit sich bringen, werden nur ungern angenommen. Vor der Umsetzung muss daher versucht werden, die Kolleginnen „mitzunehmen“. Sie müssen erkennen, welchen Vorteil die Veränderung für sie persönlich, die Patienten, die Außendarstellung oder die wirtschaftliche Situation der Praxis bedeutet.  

Welche Veränderungen sind nötig?

Bevor eine Neuerung angeordnet wird, sollte man im Team prüfen:  

 

  • Was bedeutet die Veränderung für den Praxisablauf?
  • Wann ist ein guter Zeitpunkt für die Einführung?
  • Müssen neue Geräte, Instrumente, Materialien gekauft werden?
  • Welche Umstellungen in der Arbeitsweise sind erforderlich?
  • Welche finanziellen oder personellen Auswirkungen auf die Arbeitszeit ergeben sich durch die Umstellung?
  • Hat die Veränderung Auswirkungen auf das Erscheinungsbild der Praxis den Patienten gegenüber, zum Beispiel persönliche Abholung im Wartezimmer statt Aufruf durch eine Sprechanlage?
    Oder die Delegation von Teilen der Aufklärung und Behandlungsberatung an eine fortgebildete Fachkraft?

 

Auch wenn die Fortbildung mehr der persönlichen Qualifizierung der Teilnehmerin diente, sollte sie ihr Wissen ans Team weitergeben. Sie sollte sich überlegen, wie das neu gewonnene Wissen zum Nutzen der Praxis eingesetzt werden kann. Das schließt nicht aus, dass man auch die Verbesserung der persönlichen Qualifikation und der Stellung im Berufsleben im Auge behält. Eine Steigerung der beruflichen Fertigkeiten kann zu mehr Kompetenz, einer verantwortungsvolleren Tätigkeit und damit auch zu einem höheren Gehalt führen.  

Kontrolle und Überprüfung der Veränderungen

Mit der Einführung der Neuerung ist es nicht getan, denn ihre Effizienz muss sich erst noch im Praxisalltag beweisen. Spätestens bei der nächsten Teambesprechung sollte daher gemeinsam überlegt werden, ob und welche Verbesserungen die Veränderung bringt. Vielleicht ergeben sich Vorschläge für eventuelle Modifikationen: Wie ist die Akzeptanz im Team? Welche konkreten Auswirkungen hat die Neuerung für die Patienten? Ergeben sich - vor allem unvorhergesehene - negative finanzielle Auswirkungen? Alle diese Punkte zusammen ergeben dann eine Gesamtbilanz, aus der man den Erfolg oder Misserfolg der Fortbildungsveranstaltung ablesen kann.  

 

Quelle: Ausgabe 08 / 2009 | Seite 6 | ID 128871