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01.04.2010 | Fortbildung

So können Sie Lerninhalte aus Seminaren gewinnbringend im Praxisalltag einsetzen

von Sybille David, Praxisberaterin, Groß-Gerau

Auch im Jahr 2010 werden wieder unzählige Angebote von Seminaren
und Kursen in Ihre Praxis flattern. Die Flut ist meist unübersehbar. Doch wie finden Sie die richtige Fortbildung? Und welche Fortbildung ist für Ihre Praxis erforderlich, um die Arbeitsqualität zu erhöhen oder auf einem gleichbleibend hohen Niveau zu halten? Dieser Beitrag gibt Ihnen Tipps, wie Sie die richtige Schulung erkennen und die Lerninhalte nachhaltig für Ihre Praxis nutzen können.  

Schulungsplanung einmal jährlich

Eine Fortbildung sollte Ihre Qualifikation und die Erfüllung der an Sie gestellten Aufgaben zum Nutzen der Praxis verbessern.  

 

Beispiel

Sie merken, dass Sie bei bestimmten Themenbereichen in der Abrechnung Wissenslücken haben. Diese Lücken beeinträchtigen Ihre eigene Arbeitsweise, führen aber auch zu Konflikten mit dem Chef und den Kolleginnen. Hier ist es notwendig, einen geeigneten Kurs zu finden, um Ihr Wissen auf den aktuellen Stand zu bringen.  

Um den Fortbildungsbedarf in Ihrer Praxis regelmäßig zu erkennen und rechtzeitig geeignete Kurse zu finden, ist eine jährliche Schulungsplanung zu empfehlen. Sie verhindert, dass unnötige Fortbildungen das Budget der Praxis belasten, und stellt sicher, dass alle Fortbildungen der Praxis aufeinander abgestimmt werden. Die Schulungsplanung ist ein Gemeinschaftsprojekt und kann sehr gut im Rahmen einer Teamsitzung erfolgen. Ein Beispiel für einen Schulungsplan finden Sie im Online-Service unter www.iww.de (in „myIWW“ einloggen) in der Rubrik „Arbeitshilfen“.  

 

Beispiel

In der Praxis sollen Kenntnisse der Patientenversorgung ausgebaut werden. Im Rahmen einer Teamsitzung zur Schulungsplanung wird gemeinsam erarbeitet, welche Bereiche gestärkt werden müssen. Es stellt sich heraus, dass die moderne Wundversorgung mit den derzeitigen Kenntnissen und Fähigkeiten des Teams nicht so professionell durchgeführt werden können, wie es erforderlich ist. Die korrekte Abrechnung der Behandlung bedarf ebenfalls einer Auffrischung. Außerdem muss das Recall-System überarbeitet und in das vorhandene Qualitätsmanagement integriert und dokumentiert werden.  

Die Schulungsplanung sieht nach ausgiebiger Diskussion folgende Vorgehensweise vor:  

 

  • Zwei MFA, die am häufigsten mit der Wundversorgung zu tun haben, belegen je zwei Kurse zum Thema moderne Wundversorgung.

 

  • Zum Thema Abrechnung belegen der Praxisinhaber und die Abrechnungsmitarbeiterin einen gemeinsamen Kurs.

 

  • Das Recall-System wird ohne besondere Fortbildung von einer Mitarbeiterin verantwortlich auf den neuesten Stand gebracht. Die Qualitätsbeauftragte der Praxis übernimmt die Integration des Schwerpunktes in das QM-Handbuch.

 

  • Schließlich werden die voraussichtlichen Kosten für die Fortbildungsmaßnahmen ermittelt und errechnet, wie viel Mehrumsatz benötigt wird, damit die Maßnahmen auch aus wirtschaftlicher Sicht erfolgreich sind.

 

  • Nun wird eine Mitarbeiterin beauftragt, geeignete Kurse herauszusuchen und die Vorschläge dem Chef sowie dem Team zu einem vereinbarten Datum zu präsentieren. Die nächste Teamsitzung schließt die Schulungsplanung endgültig ab, indem die Kurse ausgewählt und die Buchungen vorgenommen werden.

Die Schulungsbewertung

Eine Fortbildung ist nur erfolgreich, wenn die gelernten Inhalte das Wissenportfolio der gesamten Praxis bereichern. Doch wann ist das der Fall? Die sogenannte Schulungsbewertung gibt hier Aufschluss. Schon bei der Schulungsplanung sollten Sie genau lesen, welche Inhalte die Fortbildungsmaßnahme verspricht.  

 

Beispiel

Das Fortbildungsangebot zum Thema „Moderne Wundversorgung“ wird als Kurs für Profis mit guten Vorkenntnissen beschrieben und verspricht praktische Übungen, ein umfangreiches Kurs-Skript sowie eine Weiterbetreuung der Teilnehmer nach dem Seminar. Die beiden erfahrensten MFA der Praxis stellen im Kurs jedoch fest, dass kaum neue Inhalte vermittelt werden und die „praktischen Übungen“ sich auf das Ausfüllen eines allgemeinen Fragebogens beschränken. Das Kurs-Skript besteht aus einer Ansammlung schlechter Kopien und die Nachbetreuung bleibt schlichtweg aus.  

Dieses Seminar wird eine schlechte Schulungsbewertung der Praxis erhalten. Eine Schulungsbewertung ist nicht zu verwechseln mit dem Ausfüllen des Bewertungsbogens direkt nach dem Seminar, sondern ist eine praxisinterne Bewertungsform. Sowohl der Anbieter des Seminars als auch der Referent werden von den Teilnehmern der Praxis bewertet, ebenso wie die versprochenen Inhalte und die tatsächlich erfolgten Maßnahmen. Ist Ihre Praxis Mitglied in einem Qualitäts- oder Fortbildungszirkel, sollten Sie Ihre Erfahrungen mit den Weiterbildern austauschen. Checklisten zur Schulungsbewertung und Umsetzung der Schulungsinhalte finden Sie im Online-Service „myIWW“ in der Rubrik „Checklisten“.  

Lerntransfer

Die Umsetzung erlernter Inhalte wird nur gelingen, wenn Sie als Teilnehmerin eines Kurses die Vorteile für sich und Ihre Praxis erkennen. Die folgenden Hilfen unterstützen Sie bei der erfolgreichen Umsetzung der gewonnenen Erkenntnisse:  

 

  • Netzwerke: Die Teilnehmer aus der gleichen Region oder Stadt treffen sich einige Zeit nach dem Seminar, um ihre Erfahrungen zu diskutieren. Ein solches Netzwerk ist natürlich auch per Internetforum oder Telefonkonferenz zu organisieren.

 

  • Verpflichtungserklärung: Hierbei verpflichten Sie sich gegenüber sich selbst, etwas zu ändern. Sie notieren diese Änderungsvorhaben noch im Seminar. Die Kontrolle kann über Ihre Kolleginnen, Ihre Lernpartner oder durch Sie selbst erfolgen.

 

  • Seminarprotokoll: Fassen Sie die Inhalte der Fortbildung am Ende des Seminars in Form eines Protokolls zusammen. Danach entscheiden Sie sich für drei Punkte, die Sie unbedingt umsetzen wollen, weil diese für die Weiterentwicklung Ihrer Praxis von großer Bedeutung sind. Erst wenn diese zur Routine geworden sind, werden weitere Inhalte aus der Fortbildung zur Umsetzung gebracht. Tipp: Nehmen Sie sich nicht zu viel auf einmal vor, sonst besteht die Gefahr, dass am Ende gar nichts umgesetzt wird.

 

  • Information der Kolleginnen und des Chefs: Damit alle Teammitglieder von Ihrer Fortbildung profitieren, müssen Sie diese direkt nach der Maßnahme informieren. Sehr professionell ist eine kleine Powerpoint-Präsentation: Stellen Sie die ersten drei Umsetzungsvorhaben vor, holen Sie sich von Ihren Kollegen das Einverständnis dazu und versichern Sie sich ihrer Mitarbeit.

Nachhaltigkeit von Schulungen evaluieren und sichern

Erfolgen die ersten Umsetzungsschritte zeitnah zum Seminar, ist eine hohe Umsetzungswahrscheinlichkeit garantiert. Doch auch wenn Sie alle oben genannten Tipps berücksichtigen, kann es passieren, dass Sie wieder in alte Gewohnheiten verfallen. Überprüfen Sie deshalb circa alle sechs Monate, welche Umsetzungspläne Einzug in Ihren Praxisalltag gefunden haben. Bewerten Sie die Sinnhaftigkeit und den Nutzen der Maßnahmen kritisch und korrigieren Sie, wenn es notwendig erscheint. Auch die nicht realisierten Umsetzungsvorhaben sollten untersucht werden. Wenn Sie so verfahren, bleiben Ihnen Enttäuschungen und Fehlinvestitionen in teure Seminare erspart.  

 

Quelle: Ausgabe 04 / 2010 | Seite 13 | ID 134659