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· Fachbeitrag · Fortbildung

Patientenbegleitung und Koordination

von Alexandra Schramm, Medienbüro Medizin (MbMed), Hamburg

| MFA sind häufig die ersten Ansprechpartner für chronisch kranke Patienten. Das Curriculum „Patientenbegleitung und Koordination/Casemanagement“ der Ärztekammer Westfalen-Lippe (ÄKWL) soll das Wissen sowie die Fertig- und Fähigkeiten der MFA vertiefen, damit sie chronisch Kranke angemessen betreuen sowie die Koordinationsaufgaben - insbesondere an den Schnittstellen der Versorgung - selbstständig übernehmen können. |

MFA setzen neues Wissen und Methoden selbstständig um

Die Fortbildung der ÄKWL hat einen Umfang von 40 Stunden und besteht aus vier Modulen. Die MFA werden geschult, chronisch Kranke eigenverantwortlich zu betreuen sowie Therapie- und Sozialmaßnahmen zu organisieren.

 

Die MFA lernen einschätzen zu können, wie sich die Betroffenen fühlen, und entscheiden, wann beispielsweise ein Arztbesuch dringend notwendig ist. Außerdem machen die MFA Termine mit weiterbehandelnden Ärzten, weisen Patienten in stationäre Einrichtungen ein und führen Präventionsmaßnahmen durch. Die MFA begleiten die chronisch Kranken nicht nur zur Blutabnahme bei den Hausärzten oder zur Herz-Operation ins Krankenhaus. Viel mehr geht es darum, den Patienten zu vermitteln, wie sie alltäglich mit ihrer Krankheit umgehen sollten und was sie selbst unternehmen können, um die jeweiligen Symptome zu lindern.

 

Zudem wickeln die MFA die Koordination zwischen den verschiedenen Versorgungsstellen ab, wie beispielsweise die Überweisung zu einem Facharzt oder ins Krankenhaus. Durch alle diese Maßnahmen soll die ambulante Versorgung durch niedergelassene Ärzte und MFA gestärkt werden.

 

Modul 1: Kommunikation und Gesprächsführung (8 h)

Die MFA lernen, mit spezifischen Patientengruppen zu kommunizieren und Konflikte erfolgreich zu lösen. Wie vermittelt man Asthmatikern, dass Rauchen für sie gefährlich ist? Wie überzeugt man Patienten mit schlechten Blutwerten, einen Arzt aufzusuchen? In diesem Themenkomplex üben die MFA, mit verschiedenen Techniken zu kommunizieren. Außerdem vermittelt das Curriculum, Nähe und Distanz zu den Patienten angemessen zu regulieren.

 

Modul 2: Wahrnehmung und Motivation (8 h)

Im Wesentlichen erlangen die Teilnehmer die Fähigkeit, sich selbst und fremde Personen wahrzunehmen und zu verstehen. Hierbei müssen die MFA einschätzen lernen, was die Patienten von der Behandlung erwarten und was sie sich für ihren Gesundheitszustand wünschen. Anhand dessen sollen die MFA die Betroffenen dann motivieren, an den Therapiemaßnahmen mitzuwirken. Um bestimmte Modelle zur Behandlung zu entwickeln, müssen die MFA die Besonderheiten jedes einzelnen Patienten erkennen und berücksichtigen. Hierbei ist auch das soziale Umfeld entscheidend: Wie können Ehepartner, Kinder oder Freunde den Kranken im Alltag unterstützen? Haben die Betroffenen einen gewissen sozialen Rückhalt oder sind sie auf sich allein gestellt?

 

Modul 3: Interaktion mit chronisch kranken Patienten (8 h)

In diesem Themenbereich sollen die MFA die Eigenheiten chronisch Kranker einschätzen. Die MFA sprechen mit den Betroffenen ab, was notwendig ist, um ihren Krankheitszustand zu verbessern. So müssen die Patienten beispielsweise ihre Medikamente regelmäßig einnehmen. Auch sollen sie auf Dinge verzichten, die sie weiter krank machen: Asthmatiker sollten sich nicht in verrauchten Kneipen aufhalten, Herzkranke nicht zu fettig essen, Diabetiker nicht übermäßig naschen usw. Die abgesprochenen Maßnahmen müssen dann regelmäßig kontrolliert werden. Dies ist gerade bei älteren Menschen oder Betroffenen ohne familiären Rückhalt entscheidend. Damit die Patienten den MFA vertrauen, ist es wichtig, dass diese kompetent informieren und gut zuhören können.

 

Modul 4: Koordination und Organisation von Therapie- und Sozialmaßnahmen (16 h)

In diesem Bereich lernen die MFA, die niedergelassenen Ärzte mit Hilfe standardisierter Methoden bei der strukturierten Behandlung zu unterstützen. Welche Aspekte sind beim Casemanagement zu beachten? Haben Patienten psychische oder soziale Probleme? Was ist bei der Behandlung und Prävention zu berücksichtigen? Die MFA sollen anschließend die Patienten beraten können und mit ihnen vereinbaren, welche Ziele verfolgt werden sollen.

 

Die Aufgabe der MFA ist es weiter, die Betroffenen zu kontrollieren, um dann die Behandlung gegebenenfalls zu optimieren. Am Ende sollen die Maßnahmen und Leistungen dokumentiert und abgerechnet werden. Das fällt ebenfalls in den Aufgabenbereich der MFA.

Abschlusszertifikat und Gebühren

Die Teilnehmer erhalten ein Zertifikat des Veranstalters, welches das Bestehen des Kurses attestiert. Die Module eins und zwei sind im Übrigen auch für andere Fortbildungen der ÄKWL und der Bundesärztekammer anrechenbar. Die Teilnahmegebühren belaufen sich auf 349 Euro für Praxisinhaber, die Mitglied der Akademie für ärztliche Fortbildung der ÄKWL sind, auf 379 Euro für Praxisinhaber die nicht Mitglied der Akademie sind und auf 319 Euro für Arbeitslose MFA und solche, die im Erziehungsurlaub sind.

 

Weiterführenden Hinweise

  • Weitere Informationen zu der beschriebenen Fortbildung finden Sie unter www.aekwl.de in der Rubrik „Fortbildung“ im Unterpunkt „Fortbildungskatalog Akademie“. Wenn Sie dort den Bereich für MFA anklicken, erhalten Sie einen Überblick über das Programm.
  • Fortbildung für MFA: Ambulante Versorgung älterer Menschen („Praxisteam professionell“ - PPA - Nr. 12/2010, S. 14)
  • Die Chronikersprechstunde („Praxisteam professionell“ - PPA - Nr. 5/2008, S. 1)
  • Fortbildung zur Praxismanagerin - die Chance für Medizinische Fachangestellte („Praxisteam professionell“ - PPA - Nr. 3/2008, S. 10)
Quelle: Ausgabe 07 / 2011 | Seite 11 | ID 27561320