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02.10.2008 | Fortbildung

Betreuung von chronisch Kranken: DMP-Schulungen für MFA

von Sebastian Schnabel, Medienbüro Medizin, Hamburg

Nach Angaben der „World Heart Federation“ sind Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Diabetes für rund 60 Prozent der Todesfälle weltweit verantwortlich. Aufgrund der demografischen Entwicklung in Deutschland wird diese Quote eher noch zunehmen. Der Umgang mit chronisch kranken Patienten nimmt schon heute einen großen Teil der Arbeit von Arztpraxen ein. Ärzte können die Betreuung der Chroniker daher nicht immer allein leisten. Für Medizinische Fachangestellte (MFA) besteht an dieser Stelle die Möglichkeit, sich einzubringen und die Praxisinhaber zu entlasten. Die Schulungen von Patienten in Disease-Management-Programmen (DMP) können Ärzte wie MFA gleichermaßen vornehmen. Die Voraussetzung: die entsprechenden DMP-Fortbildungen.  

Wissen ist die beste Medizin

Patienten, die an Diabetes oder Hypertonie erkrankt sind, müssen umfassend über ihre Krankheit informiert werden: Was bedeutet meine Erkrankung für den Beruf? Wie muss ich mich künftig ernähren? Welchen Sport kann ich noch ausüben, welchen nicht? Außerdem müssen sie lernen, ihre Erkrankung richtig zu behandeln. Am besten lernen Patienten durch Schulungen in Arztpraxen. Informationen aus dem Internet oder von Gesundheitstelefonen können allenfalls unterstützende Wirkung haben. Wie MFA Patienten richtig einweisen, lernen sie in DMP-Fortbildungen.  

 

Die Seminare sind von Krankheitsbild zu Krankheitsbild verschieden. Die Kassenärztlichen Vereinigungen (KVen) bieten Schulungen zu Diabetes, Koronarer Herzkrankheit (KHK), Chronisch obstruktiver Lungenerkrankung (COPD) und Asthma an. Auch der Berufsverband der Allgemeinärzte und die Landesgruppen der Gesellschaften der jeweiligen Krankheitsbilder, etwa die Berliner Diabetes Gesellschaft, richten Fortbildungen aus. Die DMP-Schulungen sind – je nach Krankheitsbild – auf eine Dauer von ein bis zwei Tagen ausgelegt. Die Kosten sind mit rund 200 Euro pro Thema überschaubar.  

Patienten das Blutdruckmessen beibringen

In den Seminaren lernen MFA den Umgang mit chronisch Kranken und deren Betreuung. Dazu gehört zuallererst eine vertiefte Kenntnis des jeweiligen Krankheitsbildes, um Patientenfragen kompetent beantworten zu können. Weiterhin erfahren MFA, wie sie Patienten im Umgang mit ihren Erkrankungen schulen. Die Chroniker müssen lernen, den eigenen Blutzuckerspiegel zu berechnen, sich Insulin zu spritzen oder den Blutdruck zu messen. Bei all diesen Tätigkeiten können viele Fehler gemacht werden, wenn sie nicht richtig vermittelt wurden. Denn auch wer selbst weiß, wie man den Blutdruck misst, weiß noch nicht, wie man es Patienten so erklärt, dass diese es allein fehlerfrei durchführen können.  

 

Neben der korrekten Patienteneinweisung stehen vor allem koordinierende Tätigkeiten auf dem Lehrplan. Die MFA sind für den stetigen Informationsfluss zwischen Hausarzt, Facharzt, Patient und gegebenenfalls Krankenhaus zuständig. Das erfordert ein hohes Maß an Organisation und Disziplin. Das gilt auch für das telefonische „follow up“: Das bedeutet, dass die Patienten regelmäßig angerufen werden und sich nach den einzelnen Schritten des Therapieverlaufs erkundigt wird. Konkrete Fragestellungen können sein: Nehmen Sie regelmäßig Ihre Medikamente? Überprüfen Sie regelmäßig Ihren Blutzuckerspiegel bzw. Ihren Blutdruck? Wie sind die Werte? Und falls Probleme auftreten, gehört selbstverständlich die entsprechende Beratung dazu.  

Curriculum der Bundesärztekammer

Die Bundesärztekammer hat speziell für MFA das Fortbildungscurriculum „Patientenbegleitung und Koordination“ entwickelt. Es vermittelt, ohne sich auf einzelne Erkrankungen zu beschränken, Inhalte und Methoden der Betreuung von Chronikern. Das Curriculum ist auf 40 Unterrichtsstunden ausgelegt. Die Themenblöcke sind:  

 

  • Kommunikation und Gesprächsführung (8 Stunden),
  • Wahrnehmung und Motivation (8 Stunden),
  • Interaktion mit chronisch kranken Patienten (8 Stunden),
  • Koordination und Organisation von Therapie- und Sozialmaßnahmen (16 Stunden).

 

Der erste Themenblock erläutert Techniken der Gesprächsführung und die Vermittlung von Inhalten – sowohl in der Arztpraxis, als auch über das Telefon. Die richtige Mischung aus Nähe und Distanz zum Patienten und das Feedback der Kollegen sind dabei wichtige Aspekte. Bei „Wahrnehmung und Motivation“ lernen MFA, die Patienten individuell anzusprechen, deren soziales Umfeld einzuschätzen und bei der Therapie zu berücksichtigen. Im dritten Themenblock steht der persönliche Kontakt zu den Chronikern im Mittelpunkt. Die größte Einheit befasst sich mit der Organisation und Koordination. Dazu gehören das Qualitäts- und Informationsmanagement sowie die Koordination der Haus-, Fach- und Klinikärzte.  

Zertifikat nach Abschlusstest

Teilnehmen können MFA oder Mitarbeiter mit einer anderen abgeschlossenen Ausbildung in einem medizinischen Fachberuf. Diese müssen allerdings seit mindestens zwei Jahren in der ambulanten Versorgung tätig sein. Nach bestandener Prüfung erhalten die Teilnehmer ein Zertifikat. Die Seminare werden von den zuständigen Landesärztekammern (LÄK) bzw. deren Ausbildungszentren ausgerichtet. Seminarblöcke anderer Fortbildungen mit ähnlichen Inhalten können anerkannt werden. Für die LÄK Hessen veranstaltet beispielsweise die Carl-Oelemann-Schule das Curriculum. Die Gebühren für die achtstündigen Themenblöcke liegen dort bei 95 Euro, für das 16-stündige Seminar bei 185 Euro. Insgesamt betragen die Kosten damit 470 Euro.  

Fazit: DMP-Schulungen passend zum Schwerpunkt

Für Arztpraxen mit vielen chronisch kranken Patienten lohnt es sich, eine oder mehrere MFA in dem LÄK-Curriculum ausbilden zu lassen. Die Inhalte sind umfassend und auf alle chronischen Erkrankungen anwendbar. Gerade bei vielen Chronikern steigt der organisatorische Aufwand, sodass entsprechende Hilfestellungen, wie sie das Seminar bietet, notwendig sind. Für Hausarztpraxen mit nur wenig chronisch kranken Patienten eignen sich die Kurzfortbildungen. Sie sind kostengünstiger und weniger zeitaufwendig. Außerdem sind sie auf ein bestimmtes Krankheitsbild spezialisiert. Sie bieten sich besonders für MFA aus Hausarztpraxen an, die ihren Schwerpunkt bei einer dieser Erkrankungen haben.  

 

Quelle: Ausgabe 10 / 2008 | Seite 18 | ID 121868