02.10.2008 | Ausbildung
Wie Sie Ihre Auszubildenden im Team unterstützen können
von Anita Schiele, Betriebswirtin (GA) und Med. Fachangestellte, Buchheim
Bereits Anfang September haben die neuen Auszubildenden ihre Stellen angetreten, die ersten Tage in der Praxis liegen bereits hinter ihnen „Praxisteam professionell“ gibt Ihnen im folgenden Beitrag Tipps, wie Sie die Ausbildung so erfolgreich wie möglich gestalten können.
Die Praxis-Patin als erste Anlaufstelle
Werfen Sie die Auszubildende nicht ins kalte Wasser, indem Sie ihr den Hinweis geben, sie möge doch einfach gut aufpassen und werde dann schon genug lernen. Optimal ist es, jeder Auszubildenden für eine bestimmte Phase der Ausbildung eine Medizinische Fachangestellte (MFA) als Patin zur Seite zu stellen, die ihr jederzeit einen verlässlichen Rückhalt gibt. Wenn möglich, sollte die Patin (vor allem in großen Praxen) regelmäßig wechseln. Sie ist die MFA, die zu Beginn der Ausbildung die Einführung der Auszubildenden bei den Kollegen und den Chefs begleitet. Sie zeigt in den ersten Tagen, wo sich alle Kolleginnen umziehen, wo die sanitären Anlagen und die Pausenräume sind, und führt selbstverständlich durch alle Praxisräume.
Der Ausbildungsrahmenplan gibt die Inhalte vor
Die Ausbildung der MFA ist durch den Ausbildungsrahmenplan strukturiert, in dem die einzelnen Ausbildungsziele festgelegt werden. Diese sind zum Beispiel:
- Büroorganisation, EDV, Formularwesen
- Assistenz bei kleiner Chirurgie, Infusionen, Injektionen
- Hygiene, Wäsche, Labor
- Qualitätsmanagement
- Notdienste, Notfallausstattung, Erste-Hilfe-Maßnahmen
- Datenschutz etc.
Um die Kommunikation im Team zu fördern, sollte man die Vermittlung der einzelnen Inhalte auf möglichst viele Praxismitarbeiter verteilen und die Verteilung schriftlich festhalten. Die einzelnen Ausbildungsinhalte werden von der verantwortlichen Ausbildungsleiterin kontrolliert und bei Bedarf ergänzt. Dies sollte wöchentlich erfolgen, da auf diesem Wege auch die Vollständigkeit des Berichtshefts überprüft werden kann, das die Auszubildende führen muss. In vielen Praxen macht dies nicht der Arbeitgeber, sondern die Erstkraft. Die Richtigkeit des Inhalts des Berichtsheftes muss jedoch vom Arbeitgeber durch Unterschrift bestätigt werden.
Der Praxistausch rundet die Ausbildung ab
Viele Praxen können nicht alle Anforderungen der Ausbildung (zum Beispiel den Erwerb von Laborkenntnissen) in der eigenen Praxis vermitteln. In solchen Fällen bietet sich ein „Praxistausch“ an.
Wenn Sie in Ihrer Praxis zum Beispiel über ein Labor verfügen und die befreundete Praxis ausführliche EKG-Diagnostik betreibt, können die Auszubildenden zwischen den Praxen ausgetauscht werden. Auf diese Weise sind beide Praxen ihrer Ausbildungspflicht nachgekommen. Selbstverständlich muss solch ein „Teamwechsel“ in einer Mitarbeitersitzung besprochen werden – denn ohne das Einverständnis des gesamten Teams wird die Durchführung schwierig werden.
Praxistipp: Viele Berufsschulen bieten an Samstagen zusätzlichen Unterricht, zum Beispiel praktische Übungen zum Labor an. Auf diese Weise können die Auszubildenden ihre Ausbildung vervollständigen. Für diesen Zusatzunterricht sollte der Auszubildenden ein Freizeitausgleich gewährt werden.
Die Prüfung trainieren
Die Prüfung zur MFA beinhaltet einen praktischen Teil, der sich schon während der Ausbildung gut trainieren lässt. Wichtig ist dabei, dass mögliche Prüfungssituationen Schritt für Schritt durchgegangen werden. Der Ausbilder erklärt die Arbeit, weckt die Neugier, achtet auf die Reaktionen des „Neulings“ und führt die Arbeit durch. Das Erklären des Vorgehens sollte nicht zu schnell erfolgen und lieber einmal öfter wiederholt werden. Im Anschluss führt die Auszubildende die Tätigkeit unter Aufsicht selbst durch und erklärt dabei Sinn und Zweck ihres Vorgehens. Der gesamte Prozess wird anschließend dokumentiert.
Beispiel „Organisierter Notfalldienst“
| Um sich über einzelne Notfallsituationen zu informieren und das richtige Vorgehen dabei zu erlernen, nimmt die Auszubildende regelmäßig am organisierten Notfalldienst teil.
Dabei werden die beobachteten Notfälle von der Auszubildenden notiert (zum Beispiel Atemstillstand, Schock, Verbrennungen, Verletzungen). Die jeweiligen Krankheitsbilder werden vom Arzt entweder sofort oder zu einem späteren Zeitpunkt erklärt.
Kommt beispielsweise ein Patient mit Verbrennungen in die Praxis, wird die Wunde durch den Arzt mit der assistierenden MFA versorgt und die einzelnen Schritte der Auszubildenden erläutert: das Abtragen der Nekrosen, das Desinfizieren, die Hygiene-Maßnahmen, Schutzimpfungen sowie Verbände. Die Auszubildende notiert die einzelnen Schritte und erstellt daraus (zusammen mit der Erstkraft und wenn möglich dem Arzt) eine Art Checkliste. Beim nächsten Verbrennungs-Notfall kann sie dann auf das Gelernte zurückgreifen und Schritt für Schritt selbst die Assistenz erlernen. |