AustauschJurCommunity: Wie aus meiner Erfahrung ein Ort zum Austausch für uns wurde
„Wieso fühlt sich das alles so herausfordernd an?“ – Genau das dachte ich mir täglich, als ich 2016 noch als Anwältin tätig war. Anforderungen aus der Chefetage. Komplexe rechtliche Fragestellungen. Das Gefühl, immer verfügbar sein zu müssen. Und durchgehend hoher Druck.

Ich dachte, nur mir geht es so
Lange hatte ich den Eindruck, dass es nur mir so ging. Dass ich vielleicht nicht richtig sei für den Anwaltsberuf. Vermeintlich schienen es alle anderen hinzubekommen – nur ich war unzufrieden und heillos überfordert.
Ich fühlte mich allein mit all diesen Gedanken. Mit der Zeit zweifelte ich immer mehr an mir und meinen Fähigkeiten. Irgendwann verließ ich die Juristerei – erschöpft und entmutigt.
Tatsächlich lag ich vor zehn Jahren sehr falsch mit meiner Annahme, dass nur ich den Anforderungen des Anwaltsberufs nicht gewachsen war.
Stimmt nicht: Viele fühlen sich damit allein
Erst Jahre später habe ich gemerkt, dass ich mit diesen Gedanken nicht alleine bin.
Der Anwaltsberuf ist anspruchsvoll, und wir Jurist*innen sind uns selbst gegenüber oft unnachgiebig. Wir gehen über unsere Grenzen, um den eigenen und den äußeren Anforderungen gerecht zu werden. Auch weil wir uns nicht trauen, darüber zu sprechen. „Sonst wirke ich vielleicht nicht leistungswillig oder leistungsfähig…“
Dabei liegt genau hier ein wichtiger Teil der Lösung: im „Darüber sprechen“.
Es gibt unzählige ältere Anwält*innen, denen es früher genauso ging – und die ihre Erfahrungen gerne und großzügig teilen. Und es gibt so viele jüngere Anwält*innen, die gerade vor denselben Herausforderungen stehen – und die Kraft und Mut daraus schöpfen würden, wenn da jemand sagt: „Mir geht es gerade genauso.“
Das entspricht nicht dem Einzelkämpfer-Dasein, das uns schon im Studium vermittelt und antrainiert wird. Aber es öffnet einen Raum für mehr Leichtigkeit, Akzeptanz und Weiterentwicklung – und macht all diese Herausforderungen leichter zu bewältigen.
Was wir dagegen tun können
Diese Erkenntnis hat mich nicht mehr losgelassen. Vor ein paar Monaten habe ich deshalb die JurCommunity gegründet: einen Ort für genau diesen Austausch unter Jurist*innen.
Nicht, weil ich alle Antworten für andere hätte. Sondern weil ich weiß, wie viel es verändert hätte, wenn mir damals jemand gesagt hätte: „Mir geht es auch so.“
Und ehrlich gesagt: Genau das wünsche ich mir für die Jura-Welt. Jurist*innen, die Verantwortung für andere übernehmen – und genauso für sich selbst und ihre eigenen Bedürfnisse. Die sich austauschen und gemeinsam wachsen.
Heute weiß ich: Nicht jede Herausforderung verschwindet durch einen Austausch. Aber vieles wird leichter, wenn wir merken, dass andere dieselben Fragen haben.
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