KarriereaufbauHeadhunter-Anfrage auf LinkedIn: So nutzt du die Chance richtig
Eine Headhunter-Anfrage ploppt in deinem LinkedIn-Postfach auf. Was nun: Absagen, vernetzen oder nachfragen? Das hängt davon ab, wer dir schreibt, was hinter der Anfrage steckt und ob du die Kontrolle über deinen Lebenslauf behältst. Und selbst wenn du gerade nicht auf Jobsuche bist, kann daraus ein wertvoller Kontakt für deine weitere Karriere entstehen.

Prüfe zuerst, wer dir schreibt
Headhunter*in, Personalberater*in, Personalvermittler*in: All diese Begriffe sind nicht geschützt. Verlass dich deshalb nicht auf solche Titel. Schau dir an, wer dich kontaktiert hat: Kennt die Person den Kanzleimarkt? Besetzt sie regelmäßig juristische Positionen? Lassen sich beruflicher Hintergrund und Unternehmen nachvollziehen? Und passt die Anfrage wirklich zu deinem Profil – oder könnte sie genauso an viele andere Personen verschickt worden sein?
Finde heraus, worum es wirklich geht
Nicht hinter jeder Anfrage steht eine offene Stelle. Manche Personalberater*innen möchten dich zunächst kennenlernen und ihr Netzwerk für spätere Suchen erweitern. Das ist völlig in Ordnung, wenn sie offen sagen, warum sie dich anschreiben und wie es weitergeht.
Kläre deshalb vor einem Gespräch, ob es um eine konkrete Position oder einen unverbindlichen Erstkontakt geht. Bei einem Erstkontakt entscheidest du, ob du für später in Verbindung bleiben möchtest. Geht es um eine Position, sollte die Beratung sagen können, ob sie im Auftrag der Kanzlei sucht. Ist die Suche vertraulich, kann der Kanzleiname zunächst offenbleiben. Vor einem Gespräch solltest du aber zumindest Kanzleityp, Standort, Rechtsgebiet und Rolle kennen. Nur so kannst du einschätzen, ob sich der Austausch lohnt. Bleibt die Anfrage auch nach deiner Rückfrage allgemein, solltest du zunächst keine Unterlagen schicken. Erst wenn klar ist, wofür dein Profil genutzt werden soll, kannst du sinnvoll entscheiden.
Entscheide: Absagen, vernetzen oder nachfragen?
Passt die Anfrage eindeutig nicht, kannst du mit der LinkedIn-Schnellantwort „Nein, danke“ absagen. Die andere Person kann im selben Chat zunächst nicht weiter antworten. Möchtest du den Kontakt offenhalten, schreibe lieber eine kurze persönliche Antwort.
Musterformulierungen — Antwort bei LinkedIn |
Absage mit Vernetzung „Vielen Dank für Ihre Nachricht. Aktuell plane ich keinen Wechsel. Einen Austausch zum Markt finde ich dennoch interessant. Ich würde mich freuen, wenn wir in Kontakt bleiben und habe Ihnen soeben eine Vernetzungsanfrage geschickt.“ |
Interesse zeigen „Vielen Dank für Ihre Nachricht. Das klingt grundsätzlich interessant. Suchen Sie für diese Position im Auftrag der Kanzlei? Falls der Name noch vertraulich ist, könnten Sie mir bitte zunächst die wichtigsten Eckdaten zur Kanzlei und zur Position nennen.“ |
Praxistipp — Private E-Mail, privates Gerät. Je nach Einstellung sendet LinkedIn neue InMails auch an die hinterlegte E-Mail-Adresse. Verknüpfe dein Konto deshalb mit einer privaten Adresse. Auf Kanzleipostfächer können wegen Vertretungsregelungen häufig Kolleg*innen oder Assistenz zugreifen. Nutze auch für den weiteren Austausch eine private Adresse und möglichst ein privates Gerät.
Stelle im Erstgespräch die richtigen Fragen
Im ersten Gespräch prüft ihr beide, ob der Job grundsätzlich passt. Diese Fragen zeigen dir, wie dein Arbeitsalltag aussehen würde:
Zur Position:
- 1. Was hat Sie in meinem Profil für diese Position aufmerksam gemacht?
- 2. Warum ist die Stelle frei – wächst das Team oder wird jemand ersetzt?
- 3. An welchen Mandaten würde ich arbeiten und welche Aufgaben würde ich von Anfang an selbst übernehmen?
Zum Arbeitsalltag:
- 4. Wie groß ist das Team und mit wem würde ich täglich arbeiten?
- 5. Wer arbeitet mich ein und an wen kann ich mich bei Fragen wenden?
- 6. Welche Weiterbildungen bietet oder unterstützt die Kanzlei?
- 7. Wie oft ist das Team im Büro, welche Arbeitszeiten sind üblich und welches Stundenziel gilt?
- 8. In welchem Gehaltsband liegt die Position und wie geht der Bewerbungsprozess weiter?
Behalte die Kontrolle über deine Daten
Der Anwaltsmarkt ist klein. Schicke deinen Lebenslauf deshalb nicht schon mit der ersten Antwort. Bevor die Personalberatung dein Profil weiterleitet, solltest du unbedingt wissen, welche Kanzlei es bekommt. So verhinderst du, dass dein Lebenslauf auf dem falschen Tisch landet.
Hilfreich ist auch eine sogenannte Sperrliste. Darauf stehen Kanzleien, die dein Profil nicht erhalten sollen: deine aktuelle Kanzlei, frühere Arbeitgeber, die du ausschließen möchtest, oder Kanzleien, bei denen du dich bereits beworben hast. Lass dir kurz bestätigen, dass die Beratung diese Liste beachtet.
Frag außerdem nach, ob deine Daten für spätere Suchen in einen Talentpool aufgenommen werden und wie lange sie dort bleiben. Möchtest du das nicht, bitte nach Abschluss der Suche um Löschung (Recht auf Löschung aus Art. 17 DS-GVO).
Pflege passende Kontakte
War der Austausch hilfreich und kennt die Person den Kanzleimarkt, dann bleib in Verbindung. Vielleicht brauchst du später eine Einschätzung, möchtest den Markt besser verstehen oder suchst irgendwann wirklich einen neuen Job. Eine erfahrene Personalberatung kann dir dann Orientierung geben und passende Chancen aufzeigen.
Beachte – Wie du dein juristisches Netzwerk gezielt aufbaust und pflegst, zeigt dir der AS-Kompass im Kapitel „Netzwerk aufbauen“ (S. 40 ff.).
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