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· Fachbeitrag · Investitionen

Welche Implantatsysteme haben sich in unserer Praxis bewährt?

Ein Erfahrungsbericht von Dr. Georg Taffet, Rielasingen-Worblingen, georg.taffet@t-online.de

| Welches Implantatsystem soll ich kaufen? Das ist die Frage, die sich Kollegen stellen, wenn sie in die zahnärztliche Implantologie einsteigen wollen. In diesem Beitrag berichte ich von meinen Erfahrungen. Vielleicht hilft es dem einen oder anderen bei seiner Entscheidungsfindung. |

Was muss ein gutes Implantatsystem leisten?

Weltweit gibt es über 500 unterschiedliche Implantatsysteme. Jedes davon hat mehrere Implantatformen, Oberflächen, verschiedene Durchmesser und Längen. Außerdem gehört eine unübersehbare Flut von Abutments und Prothetikteilen, Abformpfosten, Gingivaformern etc. dazu. Das Angebot ist schlichtweg verwirrend. Die Auswahl eines Implantatsystems ist wirklich nicht einfach. Eine Fehlentscheidung kostet viel Lehrgeld. Welche Anforderungen muss daher ein ideales Implantatsystem erfüllen?

1. Die Biokompatibilität/Osseointegrationsfähigkeit ist wichtig.

Das dürfte heute kein Problem mehr sein: Titan- oder Zirkonoxidimplantate mit gestrahlter und säuregeätzter Oberfläche sind bei allen Herstellern zum Standard geworden. Verbesserungsversuche wie die „SLA-Active“-Oberfläche bei Straumann wirken sich in der Praxis nicht oder nur marginal aus. Sie sind aus meiner Sicht den geforderten Mehrpreis nicht wert.

2. Die Form des Implantats sollte idealerweise konisch sein.

In der Natur hat sich die konische Form von Zahnwurzeln in Jahrmillionen der Evolution durchgesetzt. Die wesentlichen Vorteile sind:

 

  • Ein konisches Implantat passt besser in die Anatomie des Kieferkamms.
  • Die konische Form reduziert das Risiko, apikal mit den Wurzeln der Nachbarzähne zu kollidieren.
  • Sie hat auch große Vorteile, wenn es um die ausreichende Primärstabilität im weichen Knochen geht.
  • Sie kann – falls notwendig – den Knochen kondensieren und ist kongruent bei der Anwendung von Bone-Splitting-Techniken.
  • Und – last, but not least: Die konische Form bietet dem Knochen eine größere Anlagerungsfläche für die Osseointegration als ein gleich langes und gleich dickes zylindrisches Implantat. Die Oberfläche eines Kegels mit Durchmesser „d“ und Höhe „h“ ist deutlich größer als die des Zylinders mit gleichen Dimensionen. Das lässt sich mit einer einfachen geometrischen Formel berechnen. Diese Fläche ist schlussendlich für die Belastbarkeit des Implantats ausschlaggebend.

3. Das Implantat sollte mechanisch stabil sein.

Eine Implantatfraktur unter Kaubelastung ist ein sehr, sehr ärgerlicher Zwischenfall. Schauen Sie sich deshalb die Wandstärken des Implantathalses bzw. des Implantat-Interface-Bereichs kritisch an. Ob ein Implantat mit einem Außendurchmesser von 3 mm, Plattform-Switching, versorgt mit einem verschraubten vollkeramischen Abutment, eine mechanisch stabile Konstruktion darstellen kann, bezweifle ich stark.

 

Mal angenommen, das Implantat hat eine Wandstärke von 0,5 mm. Damit bleiben für das Abutment 2 mm Durchmesser übrig. Die Bohrung für die Innenverschraubung wird wohl 1 mm messen. Also hat auch das Abutment eine Wandstärke von 0,5 mm. Das könnte für ein Titanabutment reichen, falls keine zu lange Krone zu hohen Hebelkräften führt. Könnte, muss aber nicht. Bei einem Zirkonabutment hätte ich definitiv zu große Bauchschmerzen, um so etwas anzuwenden. Der nächste Schwachpunkt ist die Schraube: Wie viel Kraftschluss trauen Sie einem „Schräuble“ mit 1 mm Durchmesser zu?

4. Das Implantat sollte speichel- und bakteriendicht sein.

Das Implantat bzw. die Prothetik-Interface sollte speichel- und bakteriendicht sein, wenn die Krone eingegliedert ist. Hohlräume, Schraubkanäle etc. sowie die nicht zu vermeidende Mikrobeweglichkeit in vielen Konstruktionen führen zu einer zwangsläufigen Besiedelung mit Bakterien. Die dabei entstehende Halitosis beeinträchtigt nicht nur das Liebesleben des Patienten gewaltig, sondern führt auch sicher zu Mukositis und Periimplantitis.

 

Die Kollegen, denen die Existenz der „biologischen Breite“ bewusst ist, werden wissen, dass für die Bildung einer gesunden zahnähnlichen „biologischen Breite“ am Implantat ein supraossärer Implantatanteil von mindestens 3 mm notwendig ist (Berglund, Lindhe 1996). Diese wichtige Erkenntnis ist leider in Vergessenheit geraten. Ansonsten kann ich mir die Existenz der überwiegend bündig auf Knochenniveau gesetzten Implantate nicht erklären; mit allen daraus resultierenden negativen Folgen wie Knochenremodelling – so kann man einen Knochenverlust umschreiben – und periimplantären Entzündungen. Auch moderne unabhängige Studien beweisen eindeutig, dass supraossäre, transgingivale Implantate viel weniger periimplantäre Probleme machen als bündig zum Knochen gesetzte Systeme.

5. Das Preis-Leistungs-Verhältnis muss stimmen.

Es kann nicht sein, dass eine Titan- oder Zirkonschraube mit einem Durchmesser von annähernd 4 mm und einer Länge von 10 mm – fein säuberlich verpackt und sterilisiert – 400 Euro kostet!

6. Das Abutmentangebot sollte ausreichend und zielführend sein.

Ich will nicht aus einer unendlichen Teileflut immer die Qual der Wahl haben, sondern möchte etwas, das ganz einfach funktioniert.

7. Die Darreichungsform muss intraoperativ sicher sein.

Die Bedienung muss einfach sein. Ich möchte z. B. intraoperativ nicht erst irgendwelche Übertragungsteile in mein Implantat einklicken bzw. mich darauf konzentrieren müssen, es zu tun, ohne die Implantatoberfläche zu berühren, und ohne dass mir das Implantat herunterfällt.

8. Das Übertragungsteil soll mit dem Implantat verschraubt sein.

Stellen sie sich vor, Sie wollen ein wenig mehr erreichen, als möglich ist, und Ihr Implantat bricht durch den dünnen Restknochen in die Kieferhöhle durch. Ist Ihr Übertragungsteil in dieser – zugegeben seltenen – Situation nun fest verschraubt und gesichert, dann haben sie eine gute Chance, das Implantat wieder mit einer Zange zurückzuziehen. Ist das Übertragungsteil nur aufgeklickt, dann haben Sie verloren und müssen großflächig die Kieferhöhle eröffnen, um das Implantat wieder zu entfernen.

Was ist das „ideale“ Implantatsystem?

Man könnte die Diskussion über notwendige Implantateigenschaften noch weiter ins Detail führen, es würde aber den Rahmen sprengen. Mein ideales Implantatsystem muss von keinem „Premium-Hersteller“ kommen. Es muss aber sorgfältig verarbeitet sein und eine nachprüfbare Provenienz haben. Es muss transgingival einheilen, besitzt einen 2 bis 3 mm supraossären Anteil und im Halsbereich ein tulpenförmiges Design mit ordentlichen Wandstärken für mechanische Stabilität.

 

Das Implantat hat eine konische Form. Es ist in den passenden Durchmessern für die UK-Schneidezähne (3,3 mm), für die Molaren (4,8 mm) und für den Rest (4,1 mm) erhältlich. Es gibt das Implantat auch in 14 oder sogar 16 mm Länge für die Sofortimplantation am langen, großen oberen Eck- oder Frontzahn. Ein kurzes 4 bis 6 mm Implantat brauche ich nicht. Ich habe in der Schule aufgepasst, als es um die Hebelgesetze ging.

 

Auch die Implantat-Abutment-Verbindung ist konisch und ohne Hohlräume. Es gibt Massiv-Abutments, die ich intraoral einschrauben, zahnanalog präparieren und abformen kann. Somit vermeide ich eine zwangsläufige Ungenauigkeit in der Prothetik, wenn Komponenten auf Modellanaloge mehrfach auf- und abgeschraubt und in den Mund und zurücktransferiert werden müssen. Außerdem spare ich viel Zeit und Arbeit.

 

Meine Kronen werden zementiert. Wieso soll das, was bei den natürlichen Zähnen wunderbar funktioniert, am Implantat ein Problem darstellen? Selbstverständlich muss man an den Zähnen wie an den Implantaten danach Kleberreste sorgfältig unter der Lupe versäubern.

 

Manchmal ist weniger mehr: Implantate, die diese Anforderungen erfüllen und im Mund langjährig zuverlässig funktionieren, gibt es mittlerweile für deutlich unter 100 Euro Stückpreis auf dem deutschen Dentalmarkt zu kaufen.

Quelle: Ausgabe 02 / 2018 | Seite 2 | ID 45075119