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Ausgabe 10/2012, Seite 10

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| Versorgungsmodelle

Case Management in der Hausarztpraxis

von Maria Petersen, Medienbüro Medizin (MbMed), Hamburg

| Bei der zukünftig steigenden Anzahl chronisch kranker Patienten nehmen Hausärzte eine zentrale Funktion innerhalb der medizinischen Versorgung ein. Auch MFA werden in den Betreuungs- und Koordinationsprozess immer mehr eingebunden. Case Management (CM) ist eines der Versorgungsmodelle, das seit einigen Jahren in Studien erprobt wird. Wir stellen das aktuelle PraCMan-Projekt vor und zeigen, wie es MFA aktiv miteinbezieht. |

Steigender Versorgungsbedarf wird zur Herausforderung 

Der Alterungsprozess geht in der Regel mit zunehmenden Gesundheitsproblemen einher. Das Risiko für chronische Erkrankungen steigt, viele ältere Menschen leiden an mehreren Krankheiten gleichzeitig (Multimorbidität). Die Versorgung einer steigenden Anzahl chronisch kranker Patienten wird zukünftig zu einer immer größeren Herausforderung für das gesamte Gesundheitssystem. Vor diesem Hintergrund diskutieren Verantwortliche des Gesundheitswesens verschiedene Versorgungsmodelle, die zugleich wirtschaftlich tragbar, effizient und wirkungsvoll sein sollen. Bei den Überlegungen geht es auch um die Frage, wie eine gute Versorgung im Einzelfall aussehen sollte. Hier kommt das Case Management ins Spiel.

Was ist Case Management? 

CM zielt darauf ab, alle Abläufe bei der Behandlung von Patienten aus einer Hand zu koordinieren und damit individuell bedarfsgerechte Hilfeleistungen für Patienten zu organisieren. Sowohl eine Über- als auch eine Unterversorgung sollen damit vermieden werden. CM-Modelle streben zudem eine Passgenauigkeit an der Schnittstelle zwischen ambulanter und stationärer Versorgung an.

 

Case Manager(innen) sind fester Ansprechpartner für den jeweiligen Patienten und arbeiten interdisziplinär mit verschiedenen Berufsgruppen – mitbehandelnden Ärzten, Krankenkassen, Betreuungspersonal – zusammen. In Absprache mit diesen Berufsgruppen und dem Patienten erarbeiten sie einen Bedarfsplan und koordinieren die erforderlichen Maßnahmen und Dienstleistungen. Außerdem überwachen und evaluieren sie den Versorgungsprozess. CM spielt eine besondere Bedeutung im Bereich der Pflege sowie im Krankenhaus und in der Arztpraxis.

Die Rolle der Hausarztpraxen 

Im Bereich der medizinischen Versorgung von Patienten mit (mehrfach) chronischen Erkrankungen spielen Hausärzte eine zentrale Rolle. Bei schwer erkrankten Patienten sind sie auf eine gute Vernetzung und Zusammenarbeit mit anderen Fachärzten, Kliniken und Pflegeeinrichtungen angewiesen.

 

Immer wieder ist von einem Hausärztemangel die Rede. Vor diesem Hintergrund wurden bereits Konzepte zur Entlastung der Hausärzte entwickelt. Diese setzen auf eine Kompetenzerweiterung nicht-ärztlichen Personals durch professionelle Schulungen. Dadurch hat sich das Tätigkeitsfeld der MFA erweitert: Sie können den Hausarzt besser in der Versorgung chronisch Kranker unterstützen. Studien zum CM haben Anregungen für einige dieser Qualifizierungsmöglichkeiten gegeben.

MFA: Mehr Kompetenz mit EVA & Co. 

Elemente des CM sind expliziter Bestandteil in Weiterqualifizierungsangeboten der Ärztekammern. Im Rahmen der Fortbildung zur Entlastenden Versorgungsassistentin (EVA) beispielsweise bildet CM ein eigenständiges Modul. Hier werden MFA im Bereich Koordination und Organisation von Behandlungsmaßnahmen sowie in der Gesprächsführung ausgebildet. MFA sind hiernach qualifiziert, auf Weisung des Arztes den Behandlungsprozess von Patienten zum Beispiel in Form von Hausbesuchen zu begleiten und delegierbare Leistungen, wie Wundversorgung oder Blutdruckmessung durchzuführen.

 

Die positiven Erfahrungen aus der Case Management-Studie „PRoMPT 2009“ mit Depressionspatienten flossen in die Entwicklung des von der Bundesärztekammer konzipierten Fortbildungscurriculums „Patientenbegleitung und Koordination“ ein. Auch diese Fortbildung vertieft Wissen und Fertigkeiten der MFA, damit sie Patienten angemessen betreuen und Koordinationsaufgaben übernehmen können.

PraCMan – Case Management für Hausarztpraxen 

Das PraCMan-Projekt ist die bisher umfangreichste Studie zum CM. Das besondere daran: An der Studie nehmen Patienten mit unterschiedlichen und mehrfachen Erkrankungen teil. PraCMan bedeutet indikationsübergreifendes Hausarztpraxis-basiertes Case Management bei chronisch kranken Patienten.

 

Das Projekt der Universitätsklinik Heidelberg wird in Zusammenarbeit mit den Universitätsabteilungen für Allgemeinmedizin in Jena und Frankfurt ausgewertet und von der AOK unterstützt. Es zielt auf eine bessere Versorgung von multimorbiden Patienten ab und untersucht, ob sich mit dem CM-Ansatz die Zahl der Krankenhausaufenthalte verringern lässt. 115 Artpraxen sind an der Studie beteiligt. Die Akteure im CM-Modell sind Hausarzt und MFA als Team, die sich im gesamten Ablauf miteinander absprechen.

 

Assessment – Planung - Unterstützung 

An erster Stelle im CM steht eine Bestandsaufnahme. Die MFA führt mit dem Patienten ein ausführliches Gespräch. Darin erfragt sie den Gesundheitszustand, aktuelle Probleme und bisherige therapeutische Ansätze. Auch die eigenen persönlichen Kompetenzen des Patienten im Umgang mit seiner Erkrankung und die Frage nach einem unterstützenden sozialen Umfeld kommen dabei zur Sprache. Die Ergebnisse bespricht die MFA anschließend mit dem Hausarzt.

 

Auf dieser Grundlage überlegen beide individuelle Ziele und Maßnahmen und besprechen diese mit dem Patienten. Dazu zählen auch Strategien, wie der Patient besser mit seiner Erkrankung umgehen kann. Außerdem führt das CM-Team gemeinsam mit dem Patienten ein Patiententagebuch, in das Vereinbarungen, Befunde und der Medikamentenplan eingetragen werden. Zur weiteren Unterstützung erhalten die Patienten auch einen Notfallplan und Informationen über ihre Erkrankung.

 

MFA übernehmen im weiteren Verlauf unterstützende Aufgaben, leisten zum Beispiel Hilfestellung beim Ausfüllen von Anträgen für Ämter oder motivieren den Patienten zu einem gesundheitsbewussten Lebensstil.

 

MFA im Monitoring 

Laufen die Behandlungen und Maßnahmen, müssen diese regelmäßig überprüft werden. Dazu dient das Monitoring. Zusätzlich zu den normalen Untersuchungsterminen beim Arzt führen MFA regelmäßige Gespräche mit den Patienten und nutzen hierfür spezielle Checklisten. Sie erfragen, wie es dem Patienten geht, ob er zwischenzeitlich Behandlungen bei anderen Fachärzten hatte und sich daraus eventuell Veränderungen in der Medikation ergeben haben, von denen der Hausarzt noch nichts weiß. Diese regelmäßige Rücksprache gibt den Patienten Sicherheit, gleichzeitig erhält die Praxis ein wichtiges Feedback für die Weiterbehandlung. MFA dokumentierendieGespräche schriftlich und stellen sie dem Arzt vor, der daraufhin rechtzeitig Maßnahmen ergreifen kann, zum Beispiel bei einer Befundverschlechterung.

 

Qualifizierung ist wichtig 

Vorab stattfindende Fortbildungen bereiten Arzt und MFA gut auf ihre Aufgaben im Versorgungsmodell PraCMan vor. MFA werden u.a. in den Bereichen Kommunikation und chronische Erkrankungen fachlich geschult, damit sie wissen, welche Aspekte bei der Patientenbetreuung von Bedeutung sind.

 

Erste Ergebnisse des Modellversuchs sind positiv 

Das PraCMan-Projekt befindet sich in der Verlängerung bis Ende 2012. Eine endgültige Auswertung des Projekts liegt deshalb noch nicht vor. Die Verantwortlichen äußern sich jedoch positiv zu den ersten gesammelten Ergebnissen. Demnach kommt das Modell bei den Patienten gut an, die sich in der intensiveren Betreuung gut aufgehoben fühlen. Auch MFA bewerten ihre Rolle innerhalb des CM-Modells als positiv, da die neuen Aufgaben ihr Tätigkeitsprofil aufwerten. Ein weiterer Vorteil: Die Zusammenarbeit zwischen Arzt und MFA wird gestärkt. Für MFA zeigt diese Studie: Viel ist in Bewegung, was ihre aktuellen und zukünftigen Kompetenzen betrifft.

 

Weiterführende Hinweise

  • Informationen über die Fortbildung zur „EVA“ finden Sie im Beitrag: „Zusatzqualifikation „EVA“ ermöglicht Hausbesuche durch MFA“ (PPA Nr. 7/2009, S. 1-3)
  • Über das Curriculum „Patientenbegleitung und Koordination/Casemanagement“ berichteten wir in PPA Nr. 7/2011, S. 11-12.
  • Unter www.pracman.org finden Sie ständig aktuelle Neuigkeiten zum PraCMan-Projekt.
Quelle: Ausgabe 10 / 2012 | Seite 10 | ID 34115150