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· Fachbeitrag · Flüchtlinge

Refugees welcome - so gelingt der erste Kontakt

von Derya Zeyrek, sentez - Texte | Übersetzungen | Diversity, Köln

| Nach Schätzungen des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge (BAMF) gibt es mittlerweile über 800.000 Flüchtlinge in Deutschland. Damit wird auch in der Arztpraxis die Zahl der Patienten mit Migrationshintergrund zunehmen. Damit die erste Begegnung gelingt, kommt es auch für Sie als MFA darauf an, eventuell vorhandene Vorurteile abzubauen und die Sprachbarriere zu überwinden. Wie Ihnen das gelingt, zeigt der folgende Beitrag. |

Vorurteile abbauen

Vorurteile und Feindbilder werden von manchen Politikern und vielen Medien geschaffen bzw. verstärkt. Diese Informationen bleiben im Gedächtnis haften und erschweren den offenen Dialog mit Menschen, die anders sind.

 

  • Die häufigsten Vorurteile gegen Flüchtlinge

„Flüchtlinge wollen sich bloß ein schönes Leben in Deutschland machen. Sie haben keine wirkliche Not.“

Falsch. Flucht ist schmerzhaft: Viele Flüchtlinge lassen Familie, Freunde, Hab und Gut zurück. Er macht sich auf ins Ungewisse. Viele Flüchtlinge sterben, bevor sie an einem sicheren Ort ankommen. Der großen Mehrheit geht es tatsächlich ums nackte Überleben.

„Flüchtlinge aus arabischen Ländern wollen sich nicht an unsere Gesetze halten.“

Falsch. Damit sich Neuankömmlinge an die Gesetze halten können, müssen sie sie auch kennenlernen. Und das geht nur über den Dialog und die Vermittlung von Wissen. Heute ist es Standard, dass Immigranten einen Integrationskurs belegen. Dort lernen sie Deutsch und erhalten alle relevanten Informationen über das Leben in Deutschland. Denn auch sie wollen ihre neue Heimat kennenlernen und sich selbstständig in der Gesellschaft bewegen können.

„Flüchtlinge sind ungebildet.“

Nur zum Teil richtig. Wie in Deutschland auch gehen Menschen andernorts ganz unterschiedliche Bildungswege: Die einen machen eine Ausbildung, andere studieren, wieder andere besuchen keine Schule bzw. verlassen sie ohne Abschluss. Aber: Jeder Mensch bringt eigene Ressourcen mit. Eine arabische Frau aus Syrien, die möglicherweise Analphabetin ist, kann vielleicht mehrere Sprachen sprechen. Bildung ist nicht gleich Bildung.

 

 

Beachten Sie | Machen Sie sich frei von Urteilen, die andere gefällt haben. Sehen Sie den Kontakt mit Menschen, die anders sind, als Bereicherung.

Kommunikation auf Augenhöhe

Wer Defizite oder Fehler bei anderen erwartet, verfällt oft reflexartig in eine belehrende, herablassende Rolle. So zeigen Sie, dass die Tür Ihrer Praxis für jeden Menschen offen ist:

 

  • Seien Sie neugierig und offen für Ihr Gegenüber.
  • Richten Sie Ihren Blick auf Augenhöhe des Patienten.
  • Verhalten Sie sich professionell freundlich, aber übertreiben Sie nicht!
  • Gehen Sie den ersten Kontakt ruhig und geduldig an. Nehmen Sie sich Zeit für Fragen, die sich auf beiden Seiten ergeben können.

So überwinden Sie die Sprachbarriere

Schwierig wird es, wenn der Patient kein Deutsch kann. Dann brauchen Sie einen kompetenten Dolmetscher. Die Kosten für einen Dolmetscher übernehmen die Krankenkassen allerdings nicht. In manchen Städten gibt es einen Pool für Kultur- und Sprachmittler (siehe die Links am Ende des Beitrags).

 

PRAXISHINWEIS | Setzen Sie keine Kinder als Dolmetscher ein, weil diese Aufgabe für sie belastend sein kann. Andere Familienangehörige oder Freunde sind als Dolmetscher ebenso wenig geeignet, weil sie die Inhalte verzerren oder unbewusst falsch darstellen können (siehe PPA 02/2015, Seite 16).

 

Um erste Sprachbarrieren in der Praxis abzubauen, sind Wörterbücher bzw. Sprach-Apps sinnvoll. Hilfreich ist es auch, dem Patienten Tipps mitzugeben, wie und wo er Deutsch lernen kann. Die nachfolgende Liste erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit, sie hilft Ihnen und Ihren Patienten aber auf jeden Fall weiter.

 

  • Links zu Dolmetschern, Beratungsstellen und anderen Hilfen
  • Berufsverband der Dolmetscher und Übersetzer e. V. mit Dolmetschersuche: www.bdue.de
 
Quelle: Ausgabe 12 / 2015 | Seite 19 | ID 43706549

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