Ausgabe 07/2010, Seite 13

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30.06.2010 | Recht

Mutterschutz in der Arztpraxis

von Julia Bange, Medienbüro Medizin, Hamburg

Eine Schwangerschaft verändert vieles im Leben einer Frau: Ihr Körper verändert sich, der psychische und physische Zustand befindet sich im ständigen Wandel und dazu kommt die wachsende Verantwortung. Schwangere müssen bei allem, was sie tun, auch das Wohl des ungeborenen Kindes bedenken. Das hat Auswirkungen auf ihre Erwerbstätigkeit. Aus diesem Grund hat der Gesetzgeber Regeln geschaffen, die werdenden Müttern diese verantwortungsvolle Aufgabe erleichtern. „Praxisteam professionell“ erläutert Ihnen die für MFA wichtigsten Bestimmungen.  

Eine Pflicht und viele Rechte der werdenden Mutter

Der Schutz schwangerer Frauen am Arbeitsplatz ist hauptsächlich durch das Mutterschutzgesetz (MuSchG) und die Verordnung zum Schutze der Mütter am Arbeitsplatz (MuSchArbV) festgelegt. Hier die wichtigsten Bestimmungen:  

 

  • § 5 Abs. 1 MuSchG legt fest, dass die Schwangere dem Arbeitgeber ihre Schwangerschaft mitteilen soll, sobald sie ihr bekannt ist. Die Schwangere muss dem Arbeitgeber ihre Schwangerschaft nicht mitteilen, allerdings ist die Mitteilung in ihrem Interesse: Nur wenn der Arbeitgeber von der Schwangerschaft weiß, kann er betriebliche Schutzmaßnahmen und Vorkehrungen einleiten.

 

  • Sechs Wochen vor dem Entbindungstermin sowie acht Wochen nach der Geburt dürfen schwangere Frauen gar nicht beschäftigt werden; eine Ausnahme kann nur für die Zeit vor der Entbindung gemacht werden, wenn die werdende Mutter dies ausdrücklich möchte (§ 3 Abs. 2 MuSchG). In den acht Wochen nach der Entbindung besteht ein zwingendes Beschäftigungsverbot (§ 6 Abs. 1 MuSchG).

 

  • Darüber hinaus dürfen schwangere Arbeitnehmerinnen nicht mit Mehrarbeit beschäftigt werden, also über 8,5 Stunden täglich oder mehr als 90 Stunden in der Doppelwoche. Auch Nachtarbeit (zwischen 20 und 6 Uhr) sowie Sonn- und Feiertagsarbeit ist verboten (§ 8 MuSchG).

 

  • Für ärztliche Untersuchungen müssen sie freigestellt werden. Schwangerschaftsbedingte Ausfallzeiten dürfen nicht als Urlaubstage angerechnet werden (§ 16 MuSchG).

 

  • Wenn die Weiterbeschäftigung der werdenden Mutter nicht unter den Schutzbestimmungen stattfinden kann, muss der Arbeitgeber sie in einem geeigneten Tätigkeitsbereich einsetzen, der den Bedürfnissen der Schwangeren gerecht wird. Ist dies aus betrieblichen Gründen nicht möglich, dann muss der Arbeitgeber die werdende Mutter freistellen (§ 3 MuSchArbV).

 

  • Auch ein Beschäftigungsverbot kann während der Schwangerschaft gemäß §§ 3 und 4 MuSchG u.a. bestehen. Zum Beispiel:
  • aufgrund eines ärztlichen Zeugnisses,
  • wegen möglicher schädlicher Einwirkung von Stoffen, Gasen, Dämpfen, Hitze, Nässe, Kälte, Erschütterungen oder Lärm am Arbeitsplatz,
  • wegen der besonderen Gefahr einer Berufskrankheit oder
  • wegen des Hebens von Lasten von regelmäßig mehr als 5 kg oder gelegentlich mehr als 10 kg.

Umgang mit Gefahrenstoffen

Das Desinfizieren von Arbeitsgeräten in der Praxis ohne Schutzausrüstung kann besonders in der Schwangerschaft oder Stillzeit problematisch sein. Giftige oder gesundheitsschädigende Stoffe können nicht nur das Wohl der Mutter beeinträchtigen, sondern auch die Gesundheit des Kindes. Aus diesem Grund regeln § 4 MuSchG und § 5 MuSchArbV den Umgang mit Gefahrenstoffen:  

 

  • Demnach dürfen werdende oder stillende Mütter nicht mit giftigen oder gesundheitsschädlichen Gefahrenstoffen in Kontakt kommen, wenn die Angaben auf den Betriebsanweisungen oder Sicherheitsdatenblättern den zulässigen Grenzwert überschreiten.

 

  • Mit krebserzeugenden, fruchtschädigenden oder erbgutverändernden Gefahrstoffen, wie zum Beispiel Benzol oder Bleichromat, dürfen schwangere Frauen keinesfalls arbeiten.

 

  • Gefährdungen bestehen nicht nur beim Umgang mit Desinfektions- und Reinigungsmitteln, sondern auch im Kontakt mit bestimmten Medikamenten, wie zum Beispiel Zytostatika, die das Zellwachstum hemmen.

 

  • Auch Inhalationsnarkotika und Narkosegase zählen zu den Gefahrenstoffen. Schwangere MFA, die im Bereich der Anästhesie arbeiten, sollen sich nur dort aufhalten, wo der zulässige Grenzwert für Narkotika in der Luft gemessen und dauerhaft unterschritten wird.

Vorsicht bei Kontakt mit Biostoffen

Blut abnehmen, Urin- und Stuhlproben untersuchen - das gehört für eine MFA zum Alltag. Jedoch birgt die Arbeit mit Blut, Ausscheidungen und anderen Körperflüssigkeiten, die Krankheitserreger enthalten können, immer eine Ansteckungsgefahr - hier ist besondere Vorsicht geboten. § 5 MuSchArbV erklärt, dass schwangere Frauen nicht mit Stoffen, die erfahrungsgemäß Krankheitserreger übertragen können, beschäftigt werden dürfen. Neben Blut- und Blutprodukten gehören dazu auch Plasma und Serum, Exsudate (zum Beispiel Eiter), Speichel, Tränenflüssigkeiten, seröse Körperflüssigkeiten sowie Urin und Stuhl.  

 

Schwangere MFA können sich durch das Tragen geeigneter Schutzhandschuhe und -brillen zwar zum Teil schützen. Sie bieten jedoch keinen Schutz vor Verletzungen durch Skalpelle und möglicherweise infizierten Injektionsnadeln. Deswegen dürfen Schwangere oder stillende Frauen kein Blut abnehmen, keine Labortätigkeiten mit Risiko des Blutkontaktes oder Arbeiten auf der unsauberen Seite der Sterilisation ausführen und auch nicht bei Operationen arbeiten oder Injektionen verabreichen.  

Röntgen in der Schwangerschaft

§ 4 Abs. 1 MuSchG verbietet grundsätzlich die Arbeit in Bereichen, in denen die Schwangere Strahlen ausgesetzt ist. Laut Röntgen- bzw. Strahlenschutzverordnung ist Schwangeren der Zutritt zu den Kontrollbereichen nur dann erlaubt, wenn der zuständige Strahlenschutzverantwortliche dies ausdrücklich gestattet. Zudem müssen entweder Gründe vorliegen, die die Anwesenheit der Schwangeren zur Durchführung oder Aufrechterhaltung der Betriebsvorgänge im Kontrollbereich erforderlich machen oder der Aufenthalt muss zur Erreichung ihres Ausbildungsziels erforderlich sein. Die Exposition muss laufend überwacht und gemessen werden.  

Kinderarztpraxen: risikoreiche Arbeitsstätte für MFA

Ein besonders großes Gesundheitsrisiko besteht für schwangere oder stillende MFA, die in Kinderarztpraxen arbeiten. Hier treten Krankheiten wie Mumps, Masern, Röteln und Windpocken häufig auf, die unter Umständen zu Schäden beim Kind führen können. Besondere Vorsicht ist vor allem beim Umgang mit Speichel und Urin infizierter Kinder geboten.  

 

Vorsicht: Schwangere, die nicht gegen Ringelröteln immun sind, dürfen bis zur 20. Schwangerschaftswoche nicht in Kinderarztpraxen eingesetzt werden (§ 4 Abs. 2 Nr. 6 MuSchG).  

 

Beachten Sie: Laut Angaben des Regierungspräsidiums Baden-Württemberg scheiden 10 bis 30 Prozent aller Kleinkinder - auch klinisch gesunde Kinder bis zu fünf Jahren - das Zytomegalievirus aus. Das Virus kann ebenfalls Erkrankungen der Leibesfrucht hervorrufen. Um schwangere Mitarbeiterinnen in der Arbeit mit Kindern unter drei Jahren weiter zu beschäftigen, müssen sie entweder über Immunität verfügen oder es müssen entsprechende Arbeitsschutzmaßnahmen, wie das Tragen von Atemschutzmasken oder Schutzhandschuhen, getroffen werden. Im besten Fall werden die MFA von diesen Arbeiten freigestellt.  

Quelle: Ausgabe 07 / 2010 | Seite 13 | ID 136700