PPA Praxisteam professionell (Arztpraxis)
Informationsdienst für das Team in der Arztpraxis

Ausgabe 01/2010, Seite 13

<< vorheriger | Inhaltsverzeichnis | nächster >>

Jetzt kostenlos testen!

Rechtsquellen

 
Lesezeichen setzen | Drucken | per E-Mail Beitrag empfehlen
Diesen Beitrag teilen: per facebook per twitter per XING

17.12.2009 | Praxisorganisation

Betäubungsmittel in der Arztpraxis

von Katja Löffler, Dipl.-Kffr., PTA & QM-Auditorin, München

Ärzte, die Betäubungsmittel (BtM) verordnen oder ihren Patienten verabreichen, müssen laut § 3 Betäubungsmittel-Gesetz (BtMG) eine entsprechende Erlaubnis des Bundesinstitutes für Arzneimittel und Medizinprodukte vorweisen. Mit dieser Erlaubnis dürfen sie sogenannte verkehrs- und verordnungsfähige Betäubungsmittel der Anlage III BtMG verschreiben. Hierbei handelt es sich zumeist um starke und sehr starke Schmerzmittel wie zum Beispiel Morphin und Fentanyl, aber auch um solche Arzneimittel, die aufgrund ihrer Konzentration als BtM eingestuft werden wie zum Beispiel Codein. Insbesondere Ärzte, die Krebspatienten oder Patienten in Pflegeheimen betreuen, sind mit der Verordnung und Abgabe von BtM konfrontiert. Dieser Beitrag liefert Ihnen wichtige Informationen, worauf Sie beim Umgang mit BtM achten sollten.  

Lagerung von BtM und BtM-Rezepten

Zunächst gelten für Betäubungsmittel - genau wie für alle übrigen Arzneimittel - die allgemein einzuhaltenden Lagerbedingungen in Bezug auf Temperatur, Lichtschutz, Hygiene und Übersichtlichkeit (siehe hierzu Ausgabe 12/2009 von „Praxisteam professionell“).  

 

Um den Zugriff Unbefugter zu verhindern, müssen darüber hinaus Betäubungsmittel gemäß den Vorschriften des § 15 BtMG aufbewahrt und gegen unbefugte Entnahme gesichert werden - zum Beispiel in einem Tresor. Zusätzlich sind auch die BtM-Rezepte gegen Entwendung zu sichern. Daher empfiehlt es sich, diese Rezeptformulare ebenfalls im BtM-Schrank aufzubewahren.  

Dokumentationspflicht

Jeder Verbleib und Bestand von BtM in der Arztpraxis muss dokumentiert werden. Dies bedeutet, dass jeder Zu- und Abgang eines BtM unverzüglich und lückenlos in der BtM-Kartei festzuhalten ist. Diese Kartei wird am besten auch im BtM-Schrank gelagert.  

 

Beachten Sie: Die gesamte BtM-Dokumentation - hierzu gehören unter anderem die BtM-Kartei, die ausgestellten Rezepte und die Vernichtungsprotokolle (siehe unten) - müssen mindestens drei Jahre aufbewahrt werden.  

Höchstmengen

Die Verschreibung von Betäubungsmitteln durch den Arzt ist für die in § 2 Betäubungsmittel-Verschreibungsverordnung (BtMVV) genannten Betäubungsmittel innerhalb von 30 Tagen nur bis zu einer bestimmten Höchstmenge zulässig. In begründeten Einzelfällen kann der Arzt allerdings hiervon abweichen. Das BtM-Rezept muss dann allerdings mit einem „A“ gekennzeichnet sein.  

 

Für einen Patienten darf der Arzt innerhalb von 30 Tagen bis zu zwei der folgenden Betäubungsmittel unter Einhaltung der nachstehend festgesetzten Höchstmengen verschreiben:  

 

Betäubungsmittel und ihre Höchstmengen gemäß § 2 BtMVV

 

 

mg  

 

 

 

mg  

1.  

Amfetamin  

600  

 

12.  

Methadon  

3.000  

2.  

Buprenorphin  

800  

 

13.  

Methylphenidat  

2.000  

2a.  

(weggefallen)  

-  

 

14.  

(weggefallen)  

-  

3.  

Codein als Substitutionsmittel  

40.000  

 

15.  

Morphin  

20.000  

3a.  

Diamorphin  

30.000  

 

16.  

Opium, eingestelltes  

4.000  

4.  

Dihydrocodein als Substitutionsmittel  

40.000  

 

17.  

Opiumextrakt  

2.000  

5.  

Dronabinol  

500  

 

18.  

Opiumtinktur  

40.000  

6.  

Fenetyllin  

2.500  

 

19.  

Oxycodon  

15.000  

7.  

Fentanyl  

500  

 

20.  

Pentazocin  

15.000  

8.  

Hydrocodon  

1.200  

 

21.  

Pethidin  

10.000  

9.  

Hydromorphon  

5.000  

 

22.  

(weggefallen)  

-  

10.  

Levacetylmethadol  

2.000  

 

23.  

Piritramid  

6.000  

11.  

Levomethadon  

1.500  

 

24.  

Tilidin  

18.000  

Das BtM-Rezept

Betäubungsmittel dürfen mit Ausnahme der „Notfall-Verschreibung“ (siehe Kasten) nur auf dem dreiteiligen BtM-Rezept verordnet werden, das auf Anforderung des Arztes durch das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM, www.bfarm.de) ausgegeben wird. Die Teile I und II des Rezeptes sind zur Vorlage in der Apotheke bestimmt. Teil III des Rezeptes verbleibt beim verschreibenden Arzt.  

 

Beachten Sie: Weisen Sie Ihre Patienten darauf hin, dass ein BtM-Rezept nach Ausstellung maximal sieben Tage gültig ist.  

 

Sonderfall Notfallverschreibung

Wird der Arzt zu einem Notfallpatienten gerufen, der unbedingt ein BtM benötigt, kann es vorkommen, dass der Arzt gerade kein BtM-Rezept zur Hand hat. Für diesen Fall sieht die Betäubungsmittel-Verschreibungsverordnung (BtMVV) eine sogenannte „Notfall-Verschreibung“ vor. Das bedeutet, dass ein BtM auch auf ein normales Rezept mit dem Zusatz „Notfall-Verschreibung“ verordnet werden darf. Dieses Rezept ist nur einen Tag gültig. Die Apotheke hat den verschreibenden Arzt sofort nach Erhalt der „Notfall-Verschreibung“ über die Belieferung zu informieren. Der Arzt wiederum muss unverzüglich ein mit einem „N“ gekennzeichnetes BtM-Rezept der beliefernden Apotheke nachreichen.  

Vernichtung von BtM

BtM, die zu Bruch gegangen sind, die nicht mehr benötigt werden oder deren Haltbarkeitsdatum abgelaufen ist, sind immer im Beisein zweier Zeugen so zu vernichten, dass eine Wiederverwendung unmöglich ist. Über diese Vernichtung ist ein Protokoll zu führen. Darin sind Datum, Uhrzeit und Namen der Beteiligten sowie die Unterschriften der Zeugen festzuhalten.  

BtM für Bewohner von Alten- und Pflegeheimen

Ein Arzt, der ein Betäubungsmittel für einen Bewohner eines Alten- oder Pflegeheimes oder eines Hospizes verschreibt, kann bestimmen, dass die Verschreibung nicht dem Patienten ausgehändigt wird. In diesem Falle darf das BtM-Rezept nur vom Arzt selbst oder durch das von ihm beauftragte Personal seiner Praxis, des Alten- und Pflegeheimes oder des Hospizes in der Apotheke vorgelegt werden.  

 

Betäubungsmittel, die für Bewohner eines Heimes oder Hospizes verordnet wurden und für den Bewohner nicht mehr benötigt werden, können vom Arzt für einen anderen Patienten des Heimes erneut verschrieben werden oder an die versorgende Apotheke zum Zweck der Weiterverwendung in einem Alten- und Pflegeheim oder einem Hospiz zurückgegeben werden. Dies gilt allerdings nur unter der Voraussetzung, dass diese BtM unter der Verantwortung des verordnenden Arztes im Heim gelagert wurden. Eine solche Wiederverwendung muss immer in der BtM-Kartei dokumentiert werden.  

 

Problemfall: BtM sind patientenbezogen verordnete Arzneimittel und daher Eigentum des Patienten. Eine Wiederverwendung (oder Vernichtung) von BtM eines Heimbewohners kann deshalb nur mit dessen Einverständnis oder bei verstorbenen Bewohnern mit dem Einverständnis der Erben erfolgen. Um hier möglichen Problemen vorzubeugen, sollte sich das Heim bereits bei der Aufnahme der Patienten eine entsprechende Einverständniserklärung unterzeichnen lassen. Denn BtM dürfen auch nicht an die Erben des verstorbenen Bewohners ausgehändigt werden.  

Beratung von Patienten und Pflegepersonal

Eine umfassende Aufklärung solcher Patienten, die starke und sehr starke Schmerzmittel erhalten, ist unbedingt notwendig. Oft ist die Angst der Patienten vor Abhängigkeit oder das Unwissen des Pflegepersonals in Heimen dafür verantwortlich, dass gerade stark wirksame Schmerzmittel nicht rechtzeitig nachdosiert werden. Die neuesten Erkenntnisse der Schmerztherapie belegen jedoch, dass eine rechtzeitige Nachdosierung einer Chronifizierung des Schmerzes vorbeugt. Optimal ist eine qualifizierte Beratung und Schulung der Pflegekräfte in Heimen, um deren Schmerzwahrnehmung zu erhöhen und somit die Lebensqualität der Bewohner zu verbessern.  

Quelle: Ausgabe 01 / 2010 | Seite 13 | ID 132284