| Die Entdeckung und Erschließung neuer Markt- und damit Auftragsfelder ist eine der Aufgaben, die früher oder später über das Schicksal jedes Planungsbüros entscheiden. Insbesondere Büros aus dem Bereich der Technischen Gebäudeausrüstung haben derzeit günstige Aussichten, ihr Büro zukunftsgerichtet aufzustellen. Ein Grund dafür ist, dass die fachtechnischen Anforderungen beim Betrieb von Technischen Ausrüstungen bei mittleren und großen Bauwerken ständig steigen. Die daraus resultierenden Auftrags- und Umsatzchancen sollte man nicht den „Großen“ wie zum Beispiel Siemens Technologies oder Imtech überlassen. |
Technische und gesellschaftliche Entwicklungen als Chance
Festzustellen bleibt: Der Energieverbrauch, die Wartungs- und Modernisierungsaufwendungen und der Einkauf von Energie nehmen einen immer größeren Anteil an den Lebenszykluskosten von Bauwerken ein. Deren Betrieb erfordert die regelmäßige Betreuung durch Techniker und Ingenieure, die den klassischen Hausmeister ablösen.
Anforderungen der Auftraggeber an Ingenieure ändern sich
Neben den oben genannten Kriterien wird sich in naher Zukunft auch die Planungstätigkeit einschneidend ändern. Öffentliche und private Auftraggeber verfügen immer öfter über eigene Gebäudemanagement-Systeme mit umfassenden Softwaresystemen und eigenen Bestandsdateien sowie Programmsoftware für den Betrieb. Die Planungsmethoden und -software von Ingenieurbüros sollten damit kompatibel sein, so die Sicht der Auftraggeber.
Daraus resultiert für Ingenieurbüros die Notwendigkeit, sich mit den Gebäudemanagementsystemen der Auftraggeber zu befassen. Denn Auftraggeber gehen davon aus, dass Planungsleistungen und Ergebnisse bei Umbauten und Modernisierungen ohne besonderen Aufwand in die Gebäudemanagementsysteme integriert werden können.
Neue Anforderungen bedeuten aber auch neue Tätigkeitsfelder
In gleichem Maße wird das Thema Energiemanagement, Wartung und Betriebssicherheit der Technischen Anlagen zu betrachten sein. Die neuen Gebäudemanagement-Systeme machen den gesamten Energiehaushalt transparent und zeigen die energetischen und finanziellen Auswirkungen auf Betriebskosten unmittelbar auf.
Bei Umbauten und Modernisierungen sind präzise Prognosen möglich. So können zum Beispiel aufgrund von speziellen Berechnungen kurz nach der Modernisierung von Heizungsanlagen oder dem Einbau von Solaranlagen die Auswirkungen auf den geänderten Primärenergieverbrauch ermittelt werden.
Eine Reihe von gewerblichen und öffentlichen Immobilienbesitzern gehen die Schritte hin zum vollständig EDV-gestützten Gebäudemanagement bereits. Das lässt sich unter anderem an folgenden Gegebenheiten erkennen:
- Auftraggeber fragen bei Ingenieurbüros Planungsleistungen bis hin zu Archivsystematiken an, die in vom Auftraggeber vorgegebenen Systemen bzw. mit vorgegebener Software bearbeitet werden müssen.
- Es werden die mit Baumaßnahmen verbundenen Änderungen bei der Anlagenbuchhaltung als Besondere Leistungen mit beauftragt.
- Ziele der Energieverbrauchsreduzierung von gesamten technischen Ausrüstungen und Anlagen finden Eingang in Planungsverträge (Zielvereinbarung).
- BIM-Leistungen (Building-Information-Management) werden zunehmend angefragt.
Sechs konkrete Geschäftschancen für Ingenieurbüros
Für Ingenieurbüros ergibt sich in diesem Umfeld die Möglichkeit, an dem energetischen Gebäudemanagement aktiv mitzuwirken, wenn die entsprechenden EDV-Schnittstellen zwischen Auftraggeber und Planungsbüros, also die Softwarelösungen dies erlauben. Eine Möglichkeit, auf den Auftragszug aufzuspringen, haben Ingenieurbüros unter anderem bei den folgenden sechs Maßnahmen:
- 1. Mitwirken beim Energiemanagement gemäß DIN EN ISO 50001 als beratende Leistung für den Auftraggeber einschließlich Erstellung von Jahresenergieberichten.
- 2. Instandhaltungsmanagement (Pumpen, Aggregate, usw.) für die gesamte Technische Ausrüstung, bis hin zur Frage, ob und wann es sinnvoll ist, Teile der vorhandenen Technischen Ausrüstung zu modernisieren.
- 3. Mitwirkung bei der Vorbereitung und dem Abschluss bzw. der Änderung von Wartungsverträgen (Heizung, Lüftung, BMA, Brandschutztüren, Förderanlagen, betriebliche Einbauten, usw.) auch unberührt von Baumaßnahmen.
- 4. Das Mitwirken bei der Steigerung der Gesamtenergieeffizienz des Gebäudebetriebs durch organisatorische Maßnahmen.
- 5. Das Mitwirken beim Einkauf von Energie und bei der fachtechnischen Vertragsabwicklung (zum Beispiel Abrechnung, Vertragsänderungen, Neuverträge).
- 6. Das Mitwirken beim Einkauf von technischen Einbauten (zum Beispiel in betrieblichen Labors, Fachunterrichtsräumen, Lagereinbauten).
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Mittelständische Unternehmen mit umfangreicher Anlagentechnik und Technischer Ausrüstung lassen von Ingenieurbüros untersuchen, inwieweit eine vollständige oder teilweise Erneuerung aller Aggregate oder anlagentechnischen Wärmedämmungen wirtschaftliche und ökologische Vorteile bringt und in welchem Zeitraum sich die Maßnahmen amortisieren. Solche Maßnahmen sind häufig unberührt von Umbauten oder Modernisierungen und daher wirtschaftlich interessant. |
Ingenieurnetzwerke als geeignete Organisationsform
Ein bisschen Wasser müssen wir in den Wein aber jetzt noch schütten: Diese neuen Geschäftsfelder bergen natürlich auch Risiken. Denn die Gebäudemanagement-Organisation von Auftraggebern mit mittleren oder größeren Immobilienbeständen (auch Behörden) basiert zunehmend auf kostenintensiven EDV-Anwendungen.
Relativ hohe Anforderungen an die eigene EDV
Um hier ansetzen zu können, wird die Vorhaltung geeigneter – eigener – EDV-Strukturen und Schnittstellen einen gewissen Aufwand bei den Ingenieurbüros erfordern. Die öffentliche Diskussion über BIM-Software deutet dies bereits konkret an. Einige Auftraggeber verwenden diese BIM-Systeme heute schon, um die Betriebskosten, die Wartung sowie spätere Umbauten wirtschaftlicher gestalten zu können, müssen dafür aber auch zunächst umfangreiche Investitionen tätigen.
Arbeitsgemeinschaften mit anderen Büros als Lösung
Aus diesem Grunde wäre für kleine und mittlere Büros zu klären, inwieweit im Rahmen der Akquisition Arbeitsgemeinschaften mit anderen Büros gebildet werden können. Dadurch könnten einerseits fachliche Synergien erzeugt und andererseits im Bereich der Softwarevorhaltung Kosten auf mehrere Schultern (Ingenieurbüros) verteilt werden. So können sich mehrere Ingenieurbüros zu einer Arbeitsgemeinschaft zusammenschließen und damit ganzheitliche Leistungen (auch solche, die nicht preisrechtlich geregelt sind), für alle Anlagengruppen zu günstigen Bedingungen anbieten.
PRAXISHINWEISE | - Die in Rede stehenden Leistungen bzw. Rahmenverträge für Nicht-HOAI-Leistungen laufen erfahrungsgemäß über einen längeren Zeitraum bzw. verlängern sich, wenn sie nicht gekündigt werden, um jeweils fest definierte Zeiträume (zum Beispiel ein Jahr).
- Solche Verträge können aufgrund dieser längerfristigen Ausrichtung geeignet sein, die hohen EDV-Kosten und das Schnittstellenmanagement mittelfristig zu refinanzieren.
- Außerdem können interessante Anschlussaufträge (zum Beispiel Umbau von vorhandenen Technischen Ausrüstungen) akquiriert werden.
- Erste Erfahrungen aus der Praxis zeigen, dass dadurch auch eine relativ stabile bzw. gleichbleibende Personalauslastung erreicht werden kann.
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HOAI 2013 reagiert auf die neuen Marktbereiche
Hinzuweisen bleibt, dass die HOAI 2013 einige der in Frage stehenden Leistungen in den Katalog der Besonderen Leistungen aufnehmen wird. Diese Besonderen Leistungen zielen darauf ab, die Themen Lebenszykluskosten, Betriebskosten, spezielle Wirtschaftlichkeitsnachweise, Schadstoffemissionsberechnungen und Gebäudesimulationen zu erfassen. Derzeit gibt es grundsätzlich drei Möglichkeiten der Honorierung:
- 1. Leistungen, die reine Grundleistungen sind, wie zum Beispiel die Planung und Bauüberwachung. Sie sind nach wie vor nach HOAI abzurechnen.
- 2. Leistungen, die als Mischung von Grund- und Besonderen Leistungen anfallen. Hier ist eine genaue Trennung bei der Honorarvereinbarung und Abrechnung zu empfehlen.
- 3. Leistungen, die in ihrer Gesamtheit nicht vom Preisrecht der HOAI erfasst sind. Dazu gehören auch isolierte Besondere Leistungen. Diese Honorare sind frei vereinbar.
Positionieren Sie Ihr Büro als Experte
Um die neuen Marktchancen wahrnehmen zu können, sollten Sie jetzt zwei Dinge tun:
- 1. Machen Sie Ihr Büro bzw. bestimmte Mitarbeiter fachlich und organisatorisch fit, um entsprechende Leistungen anbieten zu können.
- 2. Sorgen Sie dafür, dass Sie von potenziellen Aufraggebern als Experte und Problemlöser wahrgenommen werden.
Wie oben schon beschrieben: Im Moment wird die in dem Bereich so überaus wichtige öffentliche Darstellung als Experte vor allem von den „big playern“ wie zum Beispiel Siemens Technologies oder Imtech wahrgenommen. Klassische Planungsbüros sucht man bei den einschlägigen Veranstaltungen als Vortragsredner oder Podiumsteilnehmer bisher noch vergeblich. Das ist aber der beste Weg, Ihr Büro zu positionieren.
PRAXISHINWEISE | - Welche Themen in dem Bereich (gewerbliche Auftraggeber) derzeit angesagt sind, zeigt beispielhaft die Veranstaltung „Energieeffizienz in der Industrie“ der RKW vom 6. bis 7. November 2012 in Frankfurt.
- Das Tagungsprogramm finden Sie auf www.rkw-kompetenzzentrum.de“ unter „Veranstaltungen“ bzw. www.tacook.de/EEM2012. Bei einigen Lesern wird die Tagung zwar schon vorbei sein, wenn sie diese Zeilen lesen. Das macht aber nichts. Schauen Sie trotzdem auf die Agenda. Sie gewinnen da einen guten Eindruck, was die Industrie (und damit potenzielle Auftraggeber) bewegt - und was andere an Lösungen anbieten.
- Wollen Sie, dass wir noch intensiver auf das Thema „Markterschließung des Energieeffizienz-Bereichs“ eingehen? Dann schreiben Sie einfach eine kurze E-Mail an wia@iww.de und schildern Sie Ihren konkreten Themenwunsch (zum Beispiel Akquisition, Positionierung als Experte, Angebotsgestaltung, Vertragsgestaltung). Wir gehen im Rahmen der redaktionellen Berichterstattung gerne darauf ein.
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