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· Fachbeitrag · HOAI 2013

Wichtige Einzelheiten im Überblick

| In der HOAI 2013 sind auch eine Vielzahl von „Einzelthemen“ neu geregelt worden. Nachfolgend stellen wir Ihnen diejenigen vor, die an verschiedenen Stellen der HOAI verstreut sind und im Rahmen der großen Themen bisher keine besondere Beachtung fanden, aber sowohl für das Honorar als auch für Vertragsanbahnungen eine wichtige Rolle spielen. |

Abnahme der Planungsleistung als neue Honorarbedingung

Wie bei Bauunternehmen ist jetzt auch bei Architekten und Ingenieuren die Abnahme der Leistung eine Bedingung für die Honorierung. § 15 HOAI regelt nämlich: „Das Honorar wird fällig, wenn die Leistung abgenommen und eine prüffähige Honorarschlussrechnung überreicht worden ist, es sei denn, es wurde etwas anderes schriftlich vereinbart.“

 

Diese Regelung gilt für alle Leistungsbilder und verkompliziert die Honorarabrechnung. Mit der Hürde einer Abnahmeprozedur als Fälligkeitsvoraussetzung kann die Schlusszahlung zum Spielball der Beteiligten werden.

 

PRAXISHINWEISE |

  • Wir empfehlen, die in der HOAI vorgesehene Möglichkeit zu nutzen, und schriftlich zu vereinbaren, dass auf die in § 15 erwähnte Abnahme verzichtet wird.
  • Darüber hinaus sollten alle Planungsbüros mit ihrem Steuerberater sprechen, ob und inwieweit Probleme bei der Abführung der Umsatzsteuer (wenn die Abnahme nicht zustande kommt) bestehen.
  • Auf die Abnahme-Problematik gehen wir auch in den „Musterverträgen zur HOAI 2013“ ein, die sich derzeit in Arbeit befinden.
 

Eingruppierung in Honorarzonen - neue Objektlisten

Die Eingruppierung in Honorarzonen ist teilweise durch Veränderungen bei den Objektlisten beeinflusst worden. Der Verordnungsgeber hat in den Anlagen 10 bis 15 zur HOAI Objektlisten aktualisiert und teilweise auch neue Objekte eingeführt.

 

  • Weitreichende Veränderungen wurden bei den Gebäuden und Freianlagen vorgenommen.
  • Die Objektlisten Innenräume wurden vollkommen neu bearbeitet.
  • Gleiches gilt für Ingenieurbauwerke und Verkehrsanlagen. Hier wurden die Objektlisten darüberhinaus nach Objektarten gegliedert.
  • Die Objektlisten für die Technische Ausrüstung wurden grundlegend neu bearbeitet. Die bisherigen waren veraltet.

 

Wichtig | Die neuen Objektlisten für Gebäude, Ingenieurbauwerke und Verkehrsanlagen haben durchaus weitere Vorzüge. Sie lassen nämlich bessere Rückschlüsse auf die Objektgliederung als Honorarabrechnungseinheit zu, wenn zum Beispiel mehrere Objekte im Rahmen eines Planungsvertrags zu bearbeiten, aber getrennt abzurechnen sind (eigenständige Kostenermittlungen je Objekt).

Anrechenbare Kosten der Tragwerksplanung

Auch in punkto Ermittlung der anrechenbaren Kosten bei der Tragwerksplanung gibt es über einiges Neues zu berichten.

 

Gebäude mit hohem Anteil an Gründungskosten

Weggefallen ist die bisherige Kann-Regelung zu den anrechenbaren Kosten bei Gebäuden mit einem hohen Anteil an Kosten der Gründung und der Tragkonstruktionen, die eine gewerkeorientierte Kostenermittlung vorsah.

 

An ihre Stelle ist eine grundlegend neue Regelung getreten. Sie sieht vor, dass in diesem Fall ein Ansatz von 90 Prozent der Baukonstruktionskosten und 15 Prozent der Kosten der Technischen Ausrüstung (Technische Anlagen) vereinbart werden (§ 50 Abs. 2 HOAI).

 

Statische Nachweise nicht zum Tragwerk gehörender Konstruktionen

Die statischen Nachweise von Konstruktionen, die nicht zum Tragwerk des Objekts gehören, sind nun ausdrücklich als Besondere Leistung geregelt. Das war zwar in der Vergangenheit auch schon so, wurde jedoch oft nicht praktiziert. Mit der Aufnahme in den Verordnungstext dürfte sich das nun ändern. Betroffen sind zum Beispiel Fassadenstatiken oder Nachweise für Geländer in Versammlungsstätten.

 

Tragwerksplanung bei Ingenieurbauwerken mit großer Längenausdehnung

Steht der Planungsaufwand für Tragwerke bei Ingenieurbauwerken mit großer Längenausdehnung, die unter gleichen baulichen Bedingungen errichtet werden, in einem Missverhältnis zum ermittelten Honorar, ist § 7 Absatz 3 HOAI anzuwenden (Unterschreitung der Mindestsätze). Diese Mindestsatzunterschreitungsmöglichkeit ist in § 52 Abs. 5 HOAI geregelt.

Neues bei der Technische Ausrüstung

Die Regelungen zur zusammengefassten bzw. getrennten Abrechnung von Anlagen sind neu aufgestellt und in § 54 HOAI abgebildet.

 

Ist die Prüfung und Anerkennung von Montage- und Werkstattplänen (neue Grundleistung) aus dem Auftrag herausgenommen, wird das Honorar der Leistungsphase 5 um 4 Prozent reduziert. Diese Regelung ist im Kontext mit einer „oder-Regelung“ bei den Schlitz- und Durchbruchplänen zu sehen.

Neues bei Ingenieurbauwerken

Bei der Honorarermittlung von Ingenieurbauwerken gibt es zwei erwähnenswerte Neuerungen.

 

Ingenieurbauwerke mit großer Längenausdehnung

Die nachfolgende Regelung in § 44 Abs. 7 HOAI deutet auf mögliche Abweichungen von den HOAI-Regelungen hin. „Steht der Planungsaufwand für Ingenieurbauwerke mit großer Längenausdehnung, die unter gleichen baulichen Bedingungen errichtet werden, in einem Missverhältnis zum ermittelten Honorar, ist § 7 Absatz 3 anzuwenden.“

 

Dieser § 7 Abs. 3 HOAI regelt, dass die in dieser Verordnung festgesetzten Mindestsätze durch schriftliche Vereinbarung in Ausnahmefällen unterschritten werden können. Das kann dann zum Beispiel bei Lärmschutzwällen, Transportleitungen, Abwasserleitungen, Uferwänden oder Uferbefestigungen mit großer Längenausdehnung passieren.

 

Bei den Leistungsphasen 4 und 5 sind andere Prozent-Sätze möglich

Ist bei der Planung von Ingenieurbauwerken ein eigenes Planfeststellungsverfahren erforderlich, entsteht im Regelfall mehr Aufwand in der Leistungsphase 4. Die Vertragsparteien können für die Leistungsphase 4, die normalerweise mit 5 Prozent bewertet ist, nun schriftlich vereinbaren, dass in diesem Fall die Leistungsphase 4 mit bis zu 8 Prozent bewertet wird.

 

Bei der Leistungsphase 5 ist eine Anhebung des Prozent-Satzes auf bis zu 35 Prozent möglich, wenn ein überdurchschnittlicher Aufwand an Ausführungszeichnungen erforderlich wird.

Neue Abrechnungsregeln bei Verkehrsanlagen

In § 46 Abs. 5 Nr. 2 HOAI wurde folgende Regelung neu aufgenommen: Das Honorar für Gleis- und Bahnsteiganlagen mit mehr als zwei Gleisen oder Bahnsteigen kann frei vereinbart werden. Damit wird der Anwendungsbereich der HOAI reduziert.

 

§ 46 Abs. 1 Satz 2 der Neuregelung besagt, dass die Kosten für die Ausstattung von Anlagen des Straßen-, Flug- und Schienenverkehrs einschließlich der darin enthaltenen Entwässerungsanlagen, die der Zweckbestimmung der Verkehrsanlage dienen, anrechenbar sind, soweit der Objektplaner diese plant oder deren Ausführung überwacht. Diese Kosten sind bei den Kosten der Baukonstruktion im Sinne des § 46 Abs. 1 Satz 1 zu berücksichtigen und nicht bei den Kosten für die Anlagen der Technischen Ausrüstung (§ 46 Abs. 2 HOAI).

 

Unter Ausstattung von Anlagen des Straßen- und Flugverkehrs fallen zum Beispiel Signalanlagen, Schutzplanken und Beschilderungen. Bei den Entwässerungsanlagen handelt es sich um Straßenabläufe, Sammelleitungen und zugehörige Anschlussleitungen sowie Regenwasserversickerungen (soweit nicht eigenständige Objekte in der Objektliste Ingenieurbauwerke, Gruppe 2). Zur Ausstattung von Anlagen des Schienenverkehrs zählen zum Beispiel Oberleitungsanlagen, Signalanlagen, Telekommunikationsanlagen (für Zugbetrieb) und Weichenheizungsanlagen.

 

Beratungsleistungen der Vermessung neu ausgerichtet

Für die Vermessungsleistungen wurden grundlegend neue Honorartafeln in die Anlage zur HOAI eingestellt. Die Bewertung der Leistungsbilder wurde ebenfalls neu ausgestaltet.

Leistungen der Bauphysik mit neuem Leistungsbild

Zur Bauphysik wurde ein komplett neues Leistungsbild aufgestellt (siehe Übersicht unten). Die Bauphysik ist zwar „nur“ in den Beratungsleistungen enthalten und damit preisrechtlich nicht verbindlich geregelt. Das neue Leistungsbild macht aber deutlich, dass die Fachleistungen der Bauphysik bereits ab Leistungsphase 1 erforderlich sind, um ein zeitgemäßes ganzheitliches Planen und Bauen zu ermöglichen.

 

Leistungsbild Bauphysik / Gilt auch für Wärmeschutz, Bauakustik, Raumakustik

Leistungsphase 1

  • a)Klären der Aufgabenstellung
  • b)Festlegen der Grundlagen, Vorgaben und Planungsziele

Leistungsphase 2

  • a)Analyse der Grundlagen
  • b)Klären der wesentlichen Zusammenhänge von Gebäude und technischen Anlagen einschließlich Betrachtung von Alternativen
  • c)Vordimensionieren der relevanten Bauteile des Gebäudes
  • d)Mitwirken beim Abstimmen der fachspezifischen Planungskonzepte der Objektplanung und der Fachplanungen
  • e)Erstellen eines Gesamtkonzeptes in Abstimmung mit der Objektplanung und den Fachplanungen
  • f)Erstellen von Rechenmodellen, Auflisten der wesentlichen Kennwerte als Arbeitsgrundlage für Objektplanung und Fachplanungen

Leistungsphase 3

  • a)Fortschreiben der Rechenmodelle und der wesentlichen Kennwerte für das Gebäude
  • b)Mitwirken beim Fortschreiben der Planungskonzepte der Objektplanung und Fachplanung bis zum vollständigen Entwurf
  • c)Bemessen der Bauteile des Gebäudes
  • d)Erarbeiten von Übersichtsplänen und des Erläuterungsberichtes mit Vorgaben, Grundlagen und Auslegungsdaten

Leistungsphase 4

  • a)Mitwirken beim Aufstellen der Genehmigungsplanung und bei Vorgesprächen mit Behörden
  • b)Aufstellen der förmlichen Nachweise
  • c)Vervollständigen und Anpassen der Unterlagen

Leistungsphase 5

  • a)Durcharbeiten der Ergebnisse der Leistungsphasen 3 und 4 unter Beachtung der durch die Objektplanung integrierten Fachplanungen
  • b)Mitwirken bei der Ausführungsplanung durch ergänzende Angaben für die Objektplanung und Fachplanungen

Leistungsphase 6

Beiträge zu Ausschreibungsunterlagen

Leistungsphase 7

Mitwirken beim Prüfen und Bewerten der Angebote auf Erfüllung der Anforderungen

Quelle: Ausgabe 07 / 2013 | Seite 17 | ID 40135180